Ein Trend unserer Zeit sind die sogenannten Fabrik- oder Werksverkäufe, von denen es auch in NRW einige gibt. Die Gründe liegen auf der Hand: Natürlich wirkt die Möglichkeit, hochwertige (Marken-)Waren zu moderaten Preisen zu erwerben, auf viele Verbraucher verlockend. Aber je nach der Sichtweise ergibt sich auch eine andere Bedeutung der Werksverkäufe bzw. Factory Outlets. Mehr dazu gleich.
Auch die Hersteller profitieren
Wenn man den Standpunkt der Verbraucher und Hersteller in Betracht zieht, fällt die Bilanz sicher positiv aus. Gerade Letztere profitieren davon, dass sie ihre Waren theoretisch ohne Umwege direkt beim Verbraucher absetzten können. Es entfallen somit die Aufschläge für die Transport- und Vermarktungsketten. Außerdem lassen sich über diese spezielle Form des Einzelhandels viel besser fehlerhafte Produkte und Artikel absetzten, die nicht mehr den Ansprüchen des Groß- und Einzelhandels genügen. Schließlich verzeihen die meisten Verbraucher kleinere Mängel, wenn der Preis stimmt.
Daneben bietet sich über den Werksverkauf die einzigartige Möglichkeit, auf einfachem Wege Auslauf- oder Vorjahresmodelle, die sonst wie Blei im Lager liegen oder gleich vernichtet werden würden, doch noch unters Volk zu bringen. Schließlich erfüllen beispielsweise Jeanshosen, die unbeschädigt von Einzelhandel wieder zurückkommen, immer noch ihren Zweck. Somit sichert der Werksverkauf dem Unternehmen noch einen gewissen Restumsatz mit seinen Produkten.
Einzelhandel als Leidtragender
Auf andere Art gestaltet sich dagegen die Situation für den Einzelhandel. Je stärker ein Unternehmen vom Werksverkauf profitieren kann, umso beunruhigender werden die Auswirkungen für die einzelnen Händler. So positiv die Bedeutung in Bezug auf die Verbraucher zu bewerten ist, so negativ fällt sie mit Blick auf den normalen Handel aus. Kaum ein Einzelhändler wird mit den Preisen, die in Factory Outlets üblich sind, mithalten können. Zwar hat sich der Handel inzwischen mit der Idee des Werksverkaufs arrangieren können, doch trotz aller Duldung sind diese Läden immer noch den meisten Einzelhändlern ein Dorn im Auge. Speziell der Zusammenschluss zu sogenannten Verkaufszentren hat in den vergangenen Jahren gerade in Deutschland für Unruhe gesorgt und neben den Handelskammern und Verbänden auch die Umweltschützer sowie die Politik auf den Plan gerufen. Sicher ist ein Teil der Argumente nicht unbegründet. Gerade die Verödung der Innenstädte ist nicht von der Hand zu weisen. Von dieser Entwicklung sind vorwiegend die kleineren und mittelgroßen Händler bedroht.
Und weniger Kundschaft bedeutet weniger Umsatz und damit auch weniger finanzieller Spielraum. Eine solche Entwicklung führt auf lange Sicht dazu, dass der Sektor des Einzelhandels massiv von Firmenauflösungen, Geschäftsschließungen und dem Verlust der damit verbundenen Arbeitsplätze betroffen ist. Die Gegner versuchen daher immer wieder von Neuem, die Ansiedlung der Verkaufszentren zu verhindern, da die Sogwirkung einen unerwünschten Strukturwandel nach sich zieht.
Ein weiteres Contra-Argument ist die Sorge, dass die Betreiber der einzelnen Outlets neben der Mangel- und 1b-Ware auch hochwertige Produkte aus dem aktuellen Sortiment anbieten. Zwar lässt sich dies vertraglich unterbinden, inwiefern es sich aber wirklich kontrollieren lässt, ist fraglich. Üblich ist inzwischen zumindest, dass zahlreiche Hersteller spezielle Waren nur für die Factory Outlet Verkäufe herstellen. Diese sind zwar in der Regel nicht so hochwertig wie die an den regulären Verkaufsstellen angebotenen Artikel, aber eben auch keine Restposten oder B-Ware.
Kommunen und Politik gehen zunehmend gegen Fabrikverkaufszentren vor
Aus den genannten Gründen haben sich einige Kommunen und die Politik bereits zu recht drastischen Maßnahmen entschlossen. Die neuen Verordnungen und Raumordungspläne legen der Entstehung großer Fabrikverkaufszentren, wie sie in den USA tausendfach existieren, deutlich mehr Steine in den Weg – auch solche, die den Bau für die Betreibergesellschaften von vornherein unattraktiv machen. Aus diesem Grund bildet Deutschland bei dieser Vermarktungsform inzwischen auch das einsame Schlusslicht. Betrachtet man die europäische Statistik, so führt Großbritannien unangefochten mit mehreren Dutzend Verkaufszentren auf Platz 1. Damit ist die momentane Bedeutung hierzulande eher gering, ein Großteil des Handels wird immer noch über den normalen Vertriebsweg abgewickelt. Der Einzelhandel ist dankbar dafür.
- Über den Autor:
- Letzte Beiträge



