MH Kinaesthetics aktiviert brachliegende Bewegungspotentiale

Bergisch Gladbach Alice Monika Peters sorgt in der Evangelischen Altenpflege Bergisch Gladbach für Bewegung. Die zertifizierte MH Kinaesthetics Trainerin und praktische Anwenderin hat dabei die Bewohnerinnen und Bewohner und die Pflegekräfte im Blick. Die Beschäftigten werden von Peters darin geschult, die vorhandenen Bewegungsmuster der Seniorinnen und Senioren zu erfassen und dann mit kleinen und wirkungsvollen Impulsen für eine zusätzliche Aktivierung zu sorgen, um die vorhandenen körperlichen Ressourcen besser zu nutzen. Sitzt beispielsweise ein Bewohner an der Bettkante und versucht mit ausgestreckten Beinen aufzustehen, so fällt ihm das sehr schwer und er benötigt viel Kraft. „Besser ist es in dieser Situation, er stellt die Füße unter die angewinkelten Knie und drückt sich mit den Händen ab“, veranschaulicht Peters das Prinzip von MH Kinaesthetics. Die Buchstaben MH stehen für die beiden Begründer dieser Methode, Dr. Lenny Maietta und Dr. Frank Hatch.

Wenn Bewohnerinnen und Bewohner motiviert werden, beim Aufstehen ihre Muskelkraft der Beine und Arme zu nutzen, dann entlastet das die Pflegekräfte ungemein. Sie folgen dann nämlich nicht mehr dem Impuls, dem Bewohner im wahrsten Wortsinn „unter die Arme greifen“ zu müssen und ihn in die Höhe zu heben. Somit vermeiden sie anstrengende Tätigkeiten und sind am Ende ihrer Schicht nicht so körperlich erschöpft wie bislang.

Dem gleichen Zweck dient auch der beherzte Einsatz von Hilfsmitteln wie etwa Patientenliftern oder Aufstehhilfen. Vor allem die Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler profitieren davon, wenn man ihnen den richtigen Einsatz dieser Hilfsmittel vorführt und ihnen die „Erlaubnis“ gibt, diese auch im Arbeitsalltag einzusetzen, berichtet Peters aus ihrer jahrelangen Erfahrung.

Den ersten Kurs in MH Kinaesthetics absolvierte sie 2006 und hat sich seitdem immer weiter qualifiziert und zur Trainerin fortgebildet. Um den Bezug zur Praxis aufrechtzuerhalten, ist Peters weiterhin in der Altenpflege tätig. Bei einem großen Arbeitgeber wie dem EVK beschäftigt zu sein, bezeichnet sie als Schatz, der ihr viele Möglichkeiten bietet. So besucht sie einmal im Jahr verschiedene Abteilungen des Evangelischen Krankenhauses, schaut mit der Brille der MH Kinaesthetics-Trainerin auf die Abläufe auf der Intensivstation oder der Geburtshilfe und macht, wenn gewünscht, auf Optimierungsmöglichkeiten aufmerksam.

Ziehen neue Bewohnerinnen und Bewohner in der Altenpflege ein, wird danach gefragt, wo denn in ihrer bisherigen Wohnung das Bett stand (mitten im Raum oder an der Wand?) und wie Senioren aufgestanden sind: über die rechte oder die linke Körperseite? Um an diesen Bewegungsmustern anzuknüpfen, wird das Bett in der Altenpflege dort hingestellt, wo es auch früher war: nämlich zum Beispiel so, dass auf der rechten Seite die Wand ist. „So verhindern wir mitunter, dass die Leute aus dem Bett fallen, weil jetzt auf einmal rechts die Wand nicht mehr da ist“, berichtet Peters von dem großen Effekt dieser kleinen Maßnahme.

Der Großteil der neuen Bewohnerinnen und Bewohner hat Pflegegrad 4 oder 5, ist also sehr gebrechlich. Oft ist ihre Beweglichkeit deutlich eingeschränkt und sie leiden unter vielerlei Schmerzen. Die Pflegefachkräfte stellen fest, ob sich noch Möglichkeiten der Mobilisierung eröffnen. „Was kann man mit diesen Bewohnerinnen und Bewohnern noch tun, wie kann man sie zum Mitmachen bewegen“, fragt Peters dann. Es geht darum, verschüttete Bewegungsmuster zu aktivieren und zum Beispiel einen an Demenz erkrankten Bewohner, der von sich aus nichts mehr trinken kann, weil er vergessen hat wie es funktioniert, dazu zu bringen, zunächst die Trinkflasche festzuhalten. Die Pflegekraft umfasst anschließend den Ellenbogen und unterstützt den alten Menschen, indem sie den Arm führt und der Bewohner dann mit Unterstützung die Trinkflasche zum Mund führt und trinkt.

Ein anderes Beispiel: Wenn einer Bewohnerin im Bett die Beine gewaschen werden und sie dabei passiv auf dem Rücken liegt und zur Decke schaut, ist dies vor allem für die Pflegekräfte anstrengend. Ist jedoch der Kopfteil des Bettes um 30 Grad angehoben und man bittet die alte Dame, sie möge doch bitte das zu waschende Bein ein wenig mitbewegen, dann ist allen geholfen: die Bewohnerin wird aktiv und die Pflegekraft spart Kraft.

Peters berichtet von zahlreichen positiven Effekten des MH Kinaesthetics in der Altenpflege: für die Bewohner weniger Schmerzen, weniger Wundliegen (Dekubitus), weniger Erste-Hilfe-Einsätze, weil es viel seltener Stürze gibt, weniger Fehlstellung in den Gelenken durch gezielte Bewegungsübungen, weniger Atemnot wegen einfacher und nicht zu anstrengender Mobilisation und geringerer Verbrauch von Abführmitteln, weil die Darmtätigkeit durch die Mobilisation angeregt ist.

Für die Pflegekräfte gestaltet sich die Arbeit „viel achtsamer und flüssiger“, sie müssen weniger Gewicht von anderen heben und tragen, achten mehr auf ihre eigene Bewegung und wie sie das Gewicht von anderen Menschen gesund von einem Ort zum nächsten Ort verlagern können und kommen nicht mehr so schnell außer Puste oder vermeiden sogar Verletzungen am Bewegungsapparat.

 

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