Geno Hotel gibt evakuierten Senioren des Wöllner-Stifts Unterkunft

Rösrath Auch Rösrath wurde von der Flutkatastrophe nicht verschont. In den Medien zwar nicht so präsent, haben sich hier ebenfalls Dramen abgespielt. So zum Beispiel im Wöllner Stift, einem Senioren- und Pflegeheim.

Am frühen Abend des 14. Juli drang das erste Wasser ins Erdgeschoss der Tagespflege im Wöllner Stift ein. Menschen waren dabei noch nicht gefährdet, da die Tagesbesucher schon wieder zu Hause waren, aber die Feuerwehr wurde dennoch sofort informiert. „Wir haben noch versucht selber überall abzudichten; mit Handtüchern, Sandsäcken und selbst mit den Salzsäcken aus dem letzten Winter“, berichtet Michael Heine, Geschäftsführer des Wöllner Stifts. „Das war im Nachhinein betrachtet völlig sinnlos, wir kamen gegen die Kraft des Wassers nicht an, aber im ersten Moment versucht man einfach alles, um die Fluten aufzuhalten.“

Spätestens als das Wasser auch ins Haus Christian eindrang, war ans Abdichten nicht mehr zu denken und es wurde – erst einmal intern – evakuiert. „Wir haben die Bewohner des Erdgeschosses umgehend in den höher gelegenen Veranstaltungssaal verlegt. Zu diesem Zeitpunkt stand das Wasser im Erdgeschoss nur 10 cm hoch, später waren es rund 1,20 m“, so Heine.

Als in immer mehr Bereichen das Wasser in die Gebäude lief, wurde zum Teil wieder neu evakuiert. „Am Anfang hatten wir noch die Hoffnung, dass wir die Situation in den oberen Stockwerken selber in den Griff bekommen und nicht extern evakuieren müssen, aber als dann auch noch der Keller und damit die komplette Stromversorgung überflutet wurde, mussten wir uns der Tatsache stellen, dass wir alle unsere 138 Bewohner umquartieren müssen.“, erklärt Heine.

Eine Evakuierung in einem Katastrophenfall ist für die meisten Menschen traumatisierend und für die Retter eine Herausforderung. In kürzester Zeit ein Senioren- und Pflegeheim zu räumen, bei dem rund ein Drittel der Menschen nur liegend transportiert werden kann ist wahrlich eine Mammutaufgabe.

“Wir waren ständig mit dem kurzfristig einberufenen Krisenstab der Stadt Rösrath und der Bürgermeisterin Bondina Schulze in Kontakt und es wurde sehr früh nach Lösungen für uns gesucht und diese auch gefunden. Zuerst wurden die Pflegefälle unserer Einrichtung verlegt. Wohin es ging, lag nicht mehr in unserem Verantwortungsbereich, wir wurden aber von der Feuerwehr darüber informiert, so dass wir eigenes Pflegepersonal mitschicken konnten, damit unsere Bewohner wenigstens ein paar vertraute Gesichter während der Katastrophe um sich herum hatten“, so Heine weiter.

Am Donnerstagmorgen, 15. Juli um 4:00 Uhr in der Früh wurde Dirk-James Annas, Geschäftsführer des Geno Hotels in Rösrath, telefonisch von der Feuerwehr aus dem Bett geklingelt. Nachgefragt wurde, ob das Geno Hotel generell Kapazitäten frei hätte, um kurzfristig durch die Flut obdachlos gewordene Menschen aufnehmen zu können. Annas machte sich sofort auf den Weg ins Hotel und rief seine Mitarbeiter an. Ungünstigerweise hatte das Hotel geplant, ab Freitag, dem 16. Juli in 14-tägige Betriebsferien zu gehen.

„Die meisten haben sofort zugesagt, auf ihren Urlaub zu verzichten und ins Hotel zu kommen. Einige andere versprachen umgehend zurückzurufen, nachdem sie ihre Ferienreise gecancelt hätten. Ich war zu gleichen Teilen erstaunt und erfreut, wie hilfsbereit die Menschen, oder vielmehr meine eigenen Angestellten sich in einer solchen Krise zeigen“, so Annas.

Kurz darauf erhielt der Geschäftsführer einen Anruf des Deutschen Roten Kreuzes aus einer Turnhalle in Rösrath-Forsbach, ob er Bewohner aus dem Wöllner Stift, die kurzfristig dort untergebracht waren, aufnehmen könne, da Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, nicht längere Zeit auf Feldbetten verharren können. Auch wenn das Geno ein Hotel und kein Krankenhaus ist, sind Hotelbetten allemal besser als ein Feldbett. Er sagte ohne lange zu überlegen einfach „ja“.

„Zuerst kamen die liegend transportierten Menschen, die wir Gott sei Dank auf einer Etage, zu der ein großer Aufzug führt, unterbringen konnten. Im Verlauf des Tages wurde vom Krisenstab darum gebeten, alle Wöllner Stift Bewohner aufzunehmen, was wir dann auch gemacht haben. Je mehr Bewohner bei uns eintrafen, desto mehr Pflegepersonal des Wöllner Stifts kam auch bei uns an, was sehr hilfreich war“, berichtet Annas weiter.

Um 17:00 Uhr waren alle Wöllner Stift Bewohner im Geno Hotel untergebracht. „Es war viel Arbeit, ein wenig chaotisch vermutlich auch, aber es gab auch sehr viele Gänsehaut-Momente. Die alten Menschen sind so unfassbar dankbar, dass ihnen geholfen wird, dass ich es keine Sekunde bereue, diese Zusage gegeben zu haben.“

Beide Geschäftsführer, sowohl Heine als auch Annas betonen, dass die Zusammenarbeit wunderbar funktioniert hat. Die Küche zum Beispiel wurde anfänglich fast ausschließlich vom Hotel betrieben. Im Laufe des Tages erschien dann aber mehr und mehr Küchenpersonal des Wöllner Stifts, und so ist die Küche inzwischen praktisch in Wöllner-Hand. Auch in anderen Bereichen wurde hervorragend zusammen gearbeitet. Es wurde nicht viel gefragt, sondern es wurde sich kurz abgesprochen und dann einfach „gemacht“. Genauso muss Teamwork in Krisenzeiten. Hut ab dafür!

Für alle die, die gerne noch helfen möchten: Das Wöllner-Pflegepersonal würde sich über pflegende Hilfe freuen, da es sehr anstrengend ist, Bewohner in Hotelbetten zu versorgen. Jeder, der in einem pflegerischen Beruf tätig ist, weiß, was den Kollegen dort derzeit abverlangt wird, da diese Betten nicht in der Höhe verstellbar sind. Wer Interesse hat, bitte melden unter:

  • Tel. 0175 452 65 85

 

Ute Bernatzki ist schon immer gerne gereist. Nicht nur mal eben für einen Urlaub zog es die gebürtige Kölnerin in in die große weite Welt, sie hat auch in Genf, London und auf den Malediven gearbeitet. Nach vielen Jahren im Marketing verschlug es sie in die Tourismusbranche. Die begeisterte Taucherin liest und schreibt gerne und hat 2014 ihr erstes Buch veröffentlicht. Heute lebt sie als freie Autorin in Rösrath.

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