Wupperentwicklung macht weiter Fortschritte

Wuppertal Das Symposium Flussgebietsmanagement / Gebietsforum Wupper bot am 1. Juni rund 190 Fachleuten aus der Wasserwirtschaft eine Plattform für Information und Diskussion. Bei der digitalen Veranstaltung des Wupperverbandes und der Bezirksregierung Düsseldorf stand die Entwicklung der Wupper im Fokus.

Dass die Wupper wie alle Flüsse in der EU geschützt und naturnah entwickelt wird, ist eine Zielvorgabe der EU-Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL). Alle Flüsse sollen bis 2027 den „guten Zustand“ erreichen. Dazu gehören neben der Wasserqualität auch die Natürlichkeit der Flussläufe sowie das Vorkommen von Fischen, Kleinlebewesen, Algen und Pflanzen.

Zur Umsetzung dieser Richtlinie erfolgt derzeit die Vorbereitung des 3. Bewirtschaftungsplans. Dies ist ein weiterer wichtiger Meilenstein. Bis zum 22. Juni 2021 können Stellungnahmen zum Entwurf des Bewirtschaftungsplans eingereicht werden.

„Gerade im Flussgebiet der Wupper haben wir schon große Fortschritte zu verzeichnen, vor allem im Hinblick auf die Renaturierungsmaßnahmen. Zum Erreichen der vorgegebenen Ziele des guten Zustands beziehungsweise des guten Potenzials sind aber noch erhebliche Anstrengungen nötig“, sagt Jörg Matthes, Leiter des Wasserwirtschaftsdezernates der Bezirksregierung Düsseldorf.

„Die Wupper bot früher über weite Strecken ein monotones Bild, sie wurde begradigt und in weiten Teilen künstlich befestigt“, erinnert sich Georg Wulf, Vorstand des Wupperverbandes. „Wenn Sie heute zum Beispiel im Wuppertaler Stadtgebiet, in Hückeswagen oder Leverkusen renaturierte Gewässerabschnitte anschauen, sehen Sie Abwechslung, lebendige Strömungen und auch Artenvielfalt. Die Wupper macht weiter Fortschritte und hat das frühere Prädikat des Abwasserflusses hinter sich gelassen. Dennoch ist die Flussentwicklung weiterhin eine große Aufgabe.“

Der Wupperverband hat von 2008 bis 2018 bereits 180 Projekte an der Wupper und an Nebenflüssen umgesetzt, von Forschungsprojekten über Kartierungen bis hin zu Renaturierungen. Von 2018 bis 2030 setzt der Verband ein weiteres Maßnahmenpaket um, das Investitionen in Höhe von rund 14 Mio. Euro umfasst. Die Projekte werden vom Land NRW gefördert.

Das Ergebnis dieser Arbeit ist an der Wupper und den Nebenbächen deutlich erkennbar: Natürlichere Flussstrukturen mit abwechslungsreichen Strömungen, Steinen und Inseln werden geschaffen. Fischarten kehren zurück, z. B. die anspruchsvollen Lachse, Meerforellen, Schneider und Nasen. Dass sich Eisvogel und Biber nun bereits die Wupper als Lebensraum aussuchen zeigt, der ehemalige Abwasserfluss ist im Wandel. Aktuell arbeitet der Wupperverband in Kooperation mit der Stadt Wuppertal und Bayer an einem rund 1,5 Kilometer langen Wupperabschnitt zwischen Werksgelände und Zoo.

Weitere Projekte sind in Planung, z. B. 11 Kilometer an der Oberen Wupper zwischen Marienheide und Wipperfürth, an der Dhünn in Schlebusch, an der Wupper in Solingen und Leichlingen, in Remscheid und in anderen Kommunen.
In den kommenden Jahren wird der Verband diesen Weg fortsetzen und die Natürlichkeit der Flussläufe vorantreiben.

Für den Wupperverband und seine Mitglieder – Kommunen und Kreise, Wasserversorger, Abwasserentsorgungsunternehmen sowie Industrie und Gewerbe – bedeuten die im 3. Bewirtschaftungsplan vorgesehenen Maßnahmen weiterhin große Herausforderungen. Gemeinsamen mit seinen Verbandsgremien hat er eine Stellungnahme zu dem Plan erarbeitet.

Herausforderung Lachslaichgewässer

Im Wuppergebiet wurden vor einigen Jahren die Untere Wupper und die Untere Dhünn als Lachslaichgewässer ausgewiesen. Zwar waren Lachse früher in vielen Flüssen heimisch, doch aktuell wurden nur 13 Prozent der früheren Laichgewässer in NRW als Lachslaichgewässer deklariert, da sie die für Wanderfische erforderliche Durchgängigkeit hoffentlich bald vorweisen können.

Mit dem Prädikat Lachslaichgewässer sind hohe Qualitätsansprüche an die Flussläufe verbunden, für die unter anderem umfangreiche Maßnahmen in der Siedlungsentwässerung erforderlich sein können. Dies stellt aus Sicht des Verbandes eine Sonderlast dar.

Zum weiteren Vorgehen sieht der vereinbarte kooperative Weg zwischen Umweltministerium und den beteiligten Wasserverbänden vor, zunächst zu prüfen, was die Ausweisung als Zielartengewässer für den Lachs konkret bedeutet. Das hierfür vereinbarte Arbeitsprogramm umfasst in den kommenden vier Jahren verschiedene Aufgaben von Forschung bis hin zur Umsetzung erster Abwasser- und Gewässerstrukturprojekte. Auch die Finanzierung und Förderung solcher Projekte soll betrachtet werden, u.a. auch mit der Fragestellung, ob der Aufwand im akzeptablen Verhältnis zum Nutzen steht. Erst im Anschluss an diese Prüfung sollen verbindlich umzusetzende Maßnahmen festgelegt werden.

Herausforderung Dynamisierung der Talsperrenbewirtschaftung

Im 3. Bewirtschaftungsplan ist für die Talsperren im Wuppergebiet Dynamisierung als Aufgabe vorgesehen. Die Jahre 2018 bis 2020 mit ihren außergewöhnlichen Trockenperioden im Sommerhalbjahr haben gezeigt, der Wasserschatz kann durch den Klimawandel auch in unserer Region knapper werden. Dies erfordert eine an die Klimafolgen angepasste dynamischere Bewirtschaftung der Wasserressourcen mit Vorrang der öffentlichen Trinkwasserversorgung.

Wenn in trockenen Jahren weniger Wasser in den Talsperren verfügbar ist, dann können Zielkonflikte zwischen den verschiedenen Nutzungsansprüchen entstehen. Zu betrachten sind, z. B. die Wassermenge und -qualität in den Talsperren, die Ökologie in den Flussläufen unterhalb der Talsperren, Land- und Forstwirtschaft, Wasserkraft- und Freizeitnutzung. Diese möglichen Zielkonflikte sind zu benennen und zu lösen.

In welchem Umfang eine Dynamisierung der Talsperren möglich ist, können nur detaillierte Prognose-Modelle zeigen. Diese Modelle wiederum befinden sich zurzeit im Aufbau. Sie müssen mit den zu erarbeitenden Anforderungen gespeist werden.

Herausforderung für Grundeigentümer und Wasserrechtsbesitzer

Doch nicht nur der Wupperverband kann Gewässer entwickeln. Im Einzugsgebiet der Wupper finden sich rund 2.000 Kilometer Gewässer, die über viele zehntausend Grundstücke verlaufen. Die Renaturierung der Gewässer im Einzugsgebiet der Wupper ist eine große Gemeinschaftsaufgabe, und ganz viele Menschen können daran mitarbeiten.

Wenn sich auf Privatgrundstücken Möglichkeiten bieten, nicht mehr benötigte Verrohrungen oder Uferbefestigungen zu entfernen, Schatten spendende Gehölze zu pflanzen oder nicht mehr benötigte Wehre und Querbauwerke zu entfernen, ist dies ein Beitrag für Gewässerschutz, Artenvielfalt und Nachhaltigkeit. Der Wupperverband kann die Eigentümer von Grundstücken an Bachläufen hierbei unterstützen. Daher können sie sich gerne beim Verband melden.

Hinterlasse einen Kommentar