Geheimer Raum im Schloss entdeckt

Hückeswagen Im Rahmen des Regionale 2025-Projektes „Transformation Hückeswagen – Perspektiven für Schloss und Altstadt“ wird derzeit das Hückeswagener Schloss für eine Machbarkeitsstudie untersucht. Dabei wurden die Wandverkleidungen geöffnet, um die Bausubstanz zu ermitteln und neue Nutzungsmöglichkeiten zu prüfen.

Bei einer dieser Untersuchungen ist es jetzt zu einer kleinen Sensation gekommen. Im Schelmenturm des Schlosses gibt es seit langem einen kleinen, ungenutzten Gang, der bis unter das Dach führt. Bei Bohrungen in diesem Gang wurde jetzt aber ein zweiter Zugang entdeckt, der nach unten führt. Die nähere Untersuchung führte zu einem geheimen Raum, der sich direkt unter dem bekannten Schelmenturn befindet.

Jonatan Garrido Pereira vom Bauamt: „Ungenutzte Kammern und alte Räume sind in einem so alten Gemäuer erst einmal nichts Ungewöhnliches. Das wirklich Besondere ergab sich erst bei der Untersuchung des Raumes durch Vertreter des Amts für Denkmalpflege im Rheinland.  Denn dieser Raum geht bis auf die römische Zeit zurück!“

Bisher war die erste urkundliche Erwähnung der Schloss-Stadt Hückeswagen auf das Jahr 1085 datiert worden. Es stellt sich jetzt heraus, das Hückeswagen noch viel älter sein muss. Denn die in dem Raum am Fuße des Schelmenturmes gefundenen Artefakte datieren eindeutig aus der römischen Zeit. Gefunden wurden nicht nur Überreste von antiken Gefäßen aus Ton sowie Teile von Waffen und Werkzeugen, sondern insbesondere auch alte Wandmalereien und Inschriften. Aus diesen geht hervor, dass Hückeswagen schon zu Zeiten von Konstantin dem Großen (306 – 337 n. Chr.) besiedelt gewesen sein muss.

Andreas Schröder, Leiter des Bauamts: „Offensichtlich war es die strategisch günstige Lage an einem Bergsporn über der Wupper, der die Römer um das Jahr 322 dazu veranlasst haben muss, hier eine Garnison zu errichten. Zumindest geht dies aus einer der lateinischen Inschriften hervor. Der Fuß unseres heutigen Schelmenturmes war damals das Zentrum der römischen Militäranlage. Offenbar war diese Anlage aber wiederholt Angriffen durch die Germanen ausgesetzt und wurde dann schnell von den Römern aufgegeben. In späteren Jahrhunderten wurden die Überreste dann mit den Vorläufern des Schlosses überbaut und sind in Vergessenheit geraten.“

Besonders interessant an den Inschriften in dem Raum ist, dass dort ein römischer Zenturio namens „Hugius Vacus“ erwähnt wird, der die damalige Garnison befehligt hat. Die Experten des Landschaftsverbandes prüfen derzeit, ob dieser Name möglicherweise die Grundlage für die Herkunft der Ortsbezeichnung „Hückeswagen“ ist.

Bürgermeister Dietmar Persian ist begeistert von dieser Neuigkeit: „Noch sind sicher nicht alle Details bekannt, aber es kann als gesichert gelten, dass Hückeswagen damit die älteste Siedlung im Bergischen Land ist. Das ist schon eine kleine Sensation. Wir werden umgehend im ganzen Stadtgebiet Grabungen veranlassen, um weitere römische Funde aufzuspüren. Baustellen gibt es ja eh schon genug, da kommt es auf ein paar Löcher mehr nicht mehr an.“

Besonders gefreut hat Bürgermeister Persian auch, dass in den Inschriften explizit das Jahr 322 erwähnt wird: „Damit kann Hückeswagen im kommenden Jahr offiziell seinen 1700. Geburtstag feiern. Wir haben umgehend eine Festkommission gebildet, die ein großes Volksfest für das kommende Jahr planen wird. Das erste Treffen ist bereits für heute, 1. April 2021 geplant – natürlich virtuell.“

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