Kölle schafft et met Jeföhl

Köln Wie jedes Jahr sitzen Guido Cantz und Monika Salchert in ihren Moderatorenkabinen und warten darauf, dass der Startschuss für den Kölner Rosenmontagszug gegeben wird. Also alles wie immer? Nicht ganz. In diesem Jahr führen nicht Menschen den Zoch, sondern Puppen halten die Regie in ihren Händen.

Kölle macht es möglich, mit „Janz viel Jeföhl“ naturelement. Aber genau das hat sie bewiesen, diese Stadt, die Allem trotzt. Sie verweigert sich nicht den Restriktionen, die von der Landesregierung vorgegeben sind, sondern baut mit „Jeföhl“ und Cleverness janz behutsam drumherum.

Christoph Kuckelkorn, ehemaliger Zugführer und heutiger Festkomitee-Präsident sagt: „Nach dem Karneval ist vor dem Karneval“. Genau so ist es, wenn die Mottowagen, die schon im letztjährigen Sommer gebaut wurden, heute niemand sehen darf. Fast niemand. Hänneschen und Co. haben einen Weg gefunden die ganze Pracht doch noch zu veröffentlichen.

Was hier so leicht daher gesagt klingt, war richtig viel Arbeit. Festkomitee und die Mitarbeiter des Hänneschen-Theaters haben heftigst Überstunden geleistet, damit alles termingerecht fertig wird, und einfach „geschafft“! Alle original Persiflage-Wagen wurden liebevoll in Miniaturgröße nachgebaut. Die Kulissen der Kölner Altstadt entstanden in einer Event-Halle des Festkomitees Kölner Karneval neu.

Und dann waren da noch die Puppen. Das Hänneschen Theater gestaltete seine Puppen bisher immer selbst. Aber plötzlich waren mehr als hundert neue Puppen gefragt, die nicht zum regulären Ensemble gehören. „Kriegen wir hin“, versprach Frauke Kemmerling, Intendantin des Puppentheaters, und es wurde „hingekriegt“.

Stimmt. Heute lief das Beste, was der Karneval während der Pandemie erschaffen konnte: Der Rosenmontagszug in Köln im Jahr 2021! Cantz und Salchert kommentierten „wie in echt.“. Und es war ja auch fast wie in echt: „Trump, Kirche, Fridays for Future, Corona“, etc. wurden wie üblich politisch auf die karnevalististische Schippe genommen. Hinzu kamen in diesem Jahr liebevoll gestaltete Bühnenbilder des Hänneschen-Theaters, in dem selbst die umgekehrt aufgehängten Regenschirme, um Kamelle und Strüsjer zu fangen, nicht fehlten.

Ein Rosenmontagszug der jetzt schon Geschichte geschrieben hat. Wir waren zuhause und haben doch zusammen gefeiert, wenn auch mit ein wenig Distanz. Genau wie die Distanzmarieche!

Ob der Zug in der Mediathek des WDR weiterhin verfügbar ist, ist noch unbekannt. Fakt ist aber, er wird wiederholt:

  • Rosenmontag in Köln: Der ausgefallenste „Zoch“, Wiederholung, Montag 15.2.2021, 22. 45 Uhr, WDR Fernsehen
  • WDR-Mediathek

 

 

 

 

 

 

 

Ute Bernatzki ist schon immer gerne gereist. Nicht nur mal eben für einen Urlaub zog es die gebürtige Kölnerin in in die große weite Welt, sie hat auch in Genf, London und auf den Malediven gearbeitet. Nach vielen Jahren im Marketing verschlug es sie in die Tourismusbranche. Die begeisterte Taucherin liest und schreibt gerne und hat 2014 ihr erstes Buch veröffentlicht. Heute lebt sie als freie Autorin in Rösrath.

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