Jrade jetzt: Sich auf Karneval etwas Zeit nehmen, um über den Sorgen zu stehen

Liebe Online-Gemeinde. 😊

Wie schön ist es, wenn man nicht vergessen wird. Obwohl ich schon lange aus der Tretmühle des professionellen Karnevals ausgestiegen bin, und mir den Luxus erlaube, nur noch bei sorgfältig ausgewählten Veranstaltungen aufzutreten, werde ich in dieser seltsamen Coronazeit überhäuft mit Anfragen, wie ich denn den „ausgefallenen“ Karneval sehe? So trat auch der geschätzte BERGISCHE BOTE mit eben jener Frage an mich heran.- Und?

Als Griechenland noch funktionierte, also vor ca. 2000 Jahren (Grins!) gab es dort einen Philosophen namens EPIKTET. Er formulierte damals schon(!) eine der wichtigsten Erkenntnisse der Psychologie. Nämlich: „Nicht die Dinge oder Umstände sind letztlich entscheidend, sondern fast immer wie wir die Dinge sehen!“ Das Entscheidende ist also die Perspektive. Das gilt auch natürlich für Corona und den „ausgefallenen“ Karneval.

Es ist ja wie bei Weihnachten und Ostern. Ob uns der Wegfall der üblichen Art diese Feste zu feiern traurig macht liegt an uns selbst. Auch im kleinen Kreis kann man singen, tanzen, Musik hören, lecker essen, lecker trinken – mit einem Wort: Feiern, daß das Herz hüpft und die Seele jubelt. Epiktet sagte weiter: „Es gibt keine gesündere , heilsamere, erlösendere Perspektive, als die über den Dingen.

Wohlgemerkt nicht im oberflächlichen Sinn, oder aus der abgehobenen Perspektive der Arroganz. Da gilt nach wie vor: „Wer sich für die kleinen Dinge zu groß vorkommt, ist für die großen Dinge zu klein.“ So wäre es vollkommen unangebracht, wenn ich denen, für die Corona existenzbedrohend ist, sagen würde. „Ihr müsst über den Dingen stehen. Corona ist gar nicht so schlimm.“ Das wäre in der Tat arrogant von jemanden, der als Rentner wohlversorgt ist.

Statt dessen ist hier SOLIDARITÄT angesagt. Noch sind wir eines der wohlhabendsten Länder der Welt, und wer, wenn nicht wir sollte mit aller Kraft jene unterstützen, die vom Virus und dem Lockdown in Ihrer Existenz bedroht sind. Und zwar klotzen und nicht kleckern!

Aber auch für sie und erst Recht für alle anderen, gilt wofür Karneval immer stand: Für eine Zeit über den Sorgen zu stehen. Die Hoffnung feiern, daß letztlich alles gut wird. Und wie gesagt,  das kann man auch im kleinen Kreis.

In diesem Sinne:

Alaaf! – Helau! Alles wird gut!

Euer bergischer Jung
Willibert

 

Willibert Pauels (Jahrgang 1954) schreibt seit 2009 eine regelmässige Kolumne im Bergischen Boten. Er wurde 1993 zum katholischen Diakon geweiht. Seit 1995 steht er als "Ne bergische Jung" in der Bütt und ist zu einer festen Größe im Kölner Karneval geworden. Er lebt mit Frau und Tochter in Wipperfürth-Hamböcken.

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