IHK Köln warnt vor Folgen einer Home-Office-Pflicht

Köln Zwei Drittel der Unternehmen im Bezirk der IHK Köln: Köln, Leverkusen, Rhein-Erft-Kreis, Oberbergischer Kreis und Rheinischer-Bergischer Kreis, ermöglichen zumindest einem Teil ihrer Beschäftigten, im Home-Office zu arbeiten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der IHK Köln, an der sich 716 Unternehmen beteiligt haben.

„Viele Unternehmen haben schon früh im ersten Lockdown flächendeckend Home-Office ermöglicht und als IHK Köln raten wir unseren Unternehmen auch seit Beginn der Krise dazu, wenn es die betrieblichen Abläufe erlauben“, sagt Frank Hemig, stv. Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. „Die Unternehmen haben selbst das größte Interesse daran, Corona-Infektionen zu vermeiden, um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen und den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten zu können.“

Die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen in der Pandemie zeige zudem, so Hemig, dass der Umfrage zufolge auch in knapp 30 Prozent der Industriebetriebe Beschäftigte im Home-Office arbeiteten. Trotzdem spricht sich die IHK Köln vor dem heutigen Bund-Länder-Treffen klar gegen eine Home-Office-Pflicht aus und warnt vor den Folgen.

Es gebe Branchen und Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit schlicht kein Home-Office für alle Beschäftigen erlaube, insbesondere im Bereich des verarbeitenden Gewerbes. „Die Arbeit an der Maschine, im Fahrzeugpark oder im Wareneingang funktioniert nicht ohne Menschen“, sagt Dr. Ulrich Soénius, Geschäftsführer Standpolitik der IHK Köln.

Für diese Betriebe würde eine strikte Home-Office-Pflicht faktisch ein Geschäftsverbot bedeuten. Das gleiche gelte für kleinere Betriebe unterschiedlichster Branchen, denen mitunter die Mittel fehlten, ihre Beschäftigten mit den entsprechenden Geräten und Programmen auszurüsten. Während des Lockdowns im Frühjahr mit Grenzschließungen und Lieferschwierigkeiten habe sich deutlich gezeigt, welche drastischen Folgen ein solches Stilllegen der Fabriken und Betriebe in Deutschland nach sich ziehen würde.

„Nach unserer Kenntnis gibt es auch keine Daten über Corona-Häufungen in den Betrieben und Branchen, die im Lockdown noch tätig sein dürfen“, sagt Soénius. Es stelle sich außerdem die Frage, wie eine solche Pflicht in der Praxis kurzfristig umgesetzt bzw. die nötigen Ausnahmegenehmigungen erteilt werden sollten. Soénius: „Darauf gibt es keine überzeugende Antwort. Symbolpolitik zu Lasten der Wirtschaft hilft uns in der Pandemie aber nicht weiter.“ Die Verantwortlichen in Bund und Ländern sollten sich daher auf die Einhaltung der geltenden Regelungen konzentrieren, den Impfprozess beschleunigen und den im Lockdown teilweise seit Monaten geschlossenen Betrieben Perspektiven aufzeigen.

Hinterlasse einen Kommentar