50.000. Herzkatheter-Untersuchung am EVK

Bergisch Gladbach Ein ganz besonderes Jubiläum fand kürzlich am Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach statt. In der Kardiologischen Klinik wurde der 50.000. Patient mit Hilfe einer Herzkatheter-Untersuchung versorgt. „Es handelt sich um einen Herzinfarktpatienten”, berichtet Chefarzt Prof. Dr. Hans-Peter Hermann, der darauf hinweist, dass vor zehn Jahren die 30.000. Herzkatheter-Untersuchung am EVK stattgefunden hatte. Seitdem hat sich die Abteilung dank technischer Neuerungen stark weiterentwickelt und konnte ihr Leistungsangebot für Patienten deutlich ausweiten.

Rund 1800 Herzkatheteruntersuchungen und etwa 550 Koronarinterventionen (Behandlung der Herzkranzgefäße) werden am EVK pro Jahr durchgeführt. Diagnostiziert und therapiert werden hierbei sämtliche Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems mit besonderem Schwerpunkt bei akutem Herzinfarkt, Herzklappenerkrankungen und der Herzschwäche, es besteht daneben eine langjährige Expertise auf dem Gebiet der Herzschrittmacher-Versorgung. Außerdem werden in einer eigenen Sektion auch sämtliche Formen von Herzrhythmusstörungen durch sog. Ablationsverfahren behandelt.

Wenn das Herz aus dem Takt kommt, liegt eine Herzrhythmusstörung vor. Hierbei kann das Herz zu schnell (Herzrasen oder Tachykardie), zu langsam (Bradykardie) oder einfach „nur“ unregelmäßig (Herzstolpern) schlagen. Die Symptome sind je nach Herzrhythmusstörung und Patient sehr unterschiedlich: Herzrasen, Herzstolpern, Angst, Schwäche, häufiges Wasserlassen, Schwindel, Bewusstseinsverlust, Luftnot und / oder ein Druckgefühl auf der Brust können auftreten. Einige Patienten bemerken auch keinerlei Beschwerden.

In der Abteilung Elektrophysiologie des EVK werden diese Patienten unter der Leitung von Chefarzt PD Dr. med. Alexander Yang umfassend beraten und optimal behandelt. „Die meisten Herzrhythmusstörungen sind mit einer medikamentösen Therapie oder einer Katheterablation sehr gut zu therapieren“, erklärt PD Dr. Yang. Auslöser für die Herzrhythmusstörungen sind versprengte Muskelzellen in den Lungenvenen, die am EVK mit Kälte verödet werden, das Verfahren nennt der Mediziner Kryoablation.

Die zweite wichtige Neuerung der vergangenen Jahre sorgt für noch mehr Klarheit über die anatomischen Verhältnisse und noch mehr Sicherheit für Patienten: Mit einem neuen Diagnosegerät sind ganz ungewöhnliche Bilder möglich: Gezeigt werden nämlich die Herzkranzgefäße von innen. Zwei Dinge können mit dem neuen Gerät hervorragend beurteilt werden. „Wir setzen dieses Verfahren immer dann ein, wenn wir uns über den Zustand der Gefäße, auch der sehr dünnen Adern, noch nicht ganz klar sind. Außerdem können wir sehr gut sehen, ob ein von uns implantierter Stent, also eine Gefäßstütze, optimal sitzt“, erklärt Prof. Dr. Hans-Peter Hermann.

Nutznießer des neuen Gerätes sind Patienten, die unter einer KHK, also einer koronaren Herzerkrankung leiden und deren Herzkranzgefäße verengt oder von einem kompletten Verschluss bedroht sind. Das innovative Verfahren firmiert unter der Bezeichnung optische Kohärenz Tomographie (OCT).

Dank einer finanziellen Unterstützung des EVK-Fördervereins kommt in der Kardiologie seit kurzem ein Diamantbohrer zum Einsatz, der selbst die härtesten Verkalkungen aus dem Weg schafft. „Dies kommt jenen Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit zugute, bei denen die sonst übliche Vorgehensweise mit einer Ballonerweiterung der Herzkranzgefäße zunächst nicht weiterhilft“, beschreibt Prof. Dr. Hans-Peter Hermann den zentralen Vorteil des Verfahrens, das in der Medizin Rotablation genannt wird.

Die Diamantsplitter sind so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge fast nicht erkennen kann. Der Bohrkopf hat lediglich einen Durchmesser von 1,25 bis 2,5 Millimeter. 150.000 bis 180.000 Umdrehungen pro Minute leistet das Hightech-Gerät und zerkleinert die Ablagerungen so fein, dass sie vom Blutstrom einfach weggespült werden können.

Die technische Ausstattung auf hohem Niveau ist eine wichtige Voraussetzung für eine optimale Behandlung von Herzpatienten. Doch genauso wichtig sind die Menschen, die sich der Patienten annehmen. „Wir sind schon seit vielen Jahren ein tolles Team“, berichtet Anne von Rymon, Leiterin des Katheterteams. Sie berichtet von einem guten Zusammenhalt. „Es bringt im Arbeitsalltag viel Kraft, wenn man weiß, dass man sich auf die Kolleginnen voll und ganz verlassen kann.“ Die technischen Neuerungen machen ein ständiges Lernen nötig und bringen viele Vorteile für die Patienten.

War es vor zehn Jahren noch üblich, den Katheter über die Leiste einzuführen, geschieht dies heute vorwiegend über den Arm/Handgelenk. Dies sei viel weniger traumatisch, so von Rymon. „Die Leute können nach der Untersuchung gleich wieder aufstehen, früher mussten sie noch 24 Stunden das Bett hüten.“

Unter den Herzpatienten gibt es etliche, die sich in regelmäßigen Abständen am EVK einfinden. „Dann freuen wir uns und fragen nach dem Hund und wie es mit dem Garten aussieht“, berichtet von Rymon. Und bis alles erzählt ist, sei die Untersuchung meistens auch schon wieder vorbei.

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