Haus Kleineichen

Hückeswagen Glück gehabt, kurz vor dem zweiten Lockdown hatten wir das Vergnügen, im Haus Kleineichen zu speisen. „Zünftig!“ ist mein erster Gedanke, als wir die Stuben betreten, holzgetäfeltes, bayrisches Ambiente, die weibliche Bedienung  im Dirndl und der Kellner in der Krachledernen. Beide mit einer ganz eigenen Art ihr durchsichtiges Virenvisier zu tragen, nämlich andersrum mit dem Haltebügel unterm Kinn. 

Rustikale Gemütlichkeit mit Holz in der Hütten.

Wir bestellen einen Affentaler Riesling trocken, ein herzogliches Bier vom Brauhaus Tegernsee, unser Patenkind gibt sich ungewöhnlich bescheiden mit einem Wasser zufrieden. Der Riesling ist fruchtig und trocken, das Bier süffig, aber man glaubt es kaum, in welch einer Minimaß der Gerstensaft serviert wird. Die Dimensionen eines Kölsch-Reagenzglases, aber im Bierkrugdesign mit Henkel.

Die kleinste Maß der Welt mit Bier vom Tegernsee.

Die Kellnerin legt uns gebratene Putenstreifen in Sweet-Chili-Sauce nahe, aber wir bleiben zünftig und entscheiden uns für Tegernseer Schnitzel mit Preiselbeeren und Bratkartoffeln und Spinatknödel Tiroler Art. „Aber ohne Speck“, ergänzt meine Frau, seit ihrem 18. Lebensjahr Vegetarierin. Unser aufgedrehtes Patenkind findet auf der Kinderkarte seine Lieblingsspeise: Fischstäbchen mit Pommes. 

Nach einer angenehm kurzen Wartezeit können wir loslegen. Die Schnitzel vom Kalbsrücken sind unprätentiös und schlichtweg köstlich. An der Präsentation könnte man allerdings noch arbeiten, ein einsames Radicchioblatt und Preiselbeeren im Schälchen betrüben das Auge. Aber wir kamen ja primär zum Essen und da höre ich auch schon ein großes Kompliment meiner Frau zu den herzhaft köstlichen Spinatknödeln, „mit ganz leckerem Gemüse, Zucchini, Möhren, Paprika, schön alles perfekt al dente“. Bei diesem Gericht darf auch das Auge mitessen, schön dekoriert mit gehobelten Käsestreifen und krauser Petersilie. Ein Wort noch zu meinem gemischten Beilagensalat, die gutschmeckende Sahnesauce ist mir in bester Erinnerung geblieben. 

Reisender, kommst du nach Hückeswagen, kehre im Haus Kleineichen ein. Für unseren nächsten Besuch haben wir bereits die mehr exotischen Gerichte im Visier.

Haus Kleineichen, Hückeswagen
Bevertalstr.44
Tel. 02192- 4375
www.haus-kleineichen.de

Paul Kalkbrenner ist Herausgeber des Bergischen Boten. Der gelernte Schriftsetzer studierte in Köln Visuelle Kommunikation und arbeitete als Designer, Fotograf und Redakteur unter anderem für Musikexpress, Prinz und die Autozeitung. In den 90er Jahren war er mit T-Shirts wie "Keine Macht den Doofen" erfolgreich. 2008 gründete er den Bergischen Boten. Er entspannt sich bei Gartenarbeit und ist leidenschaftlicher Musikfan. Er wohnt mit seiner Familie in Kürten.

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