Ideenwerkstatt auf dem Zanders-Areal

Bergisch Gladbach Drei intensive Tage mit Workshops, Führungen, Vorträgen und Diskussionen: Die „Ideenwerkstatt“ auf dem Zanders-Areal zwischen dem 6. und 8. Oktober 2020 hat ein umfangreiches Meinungsbild der Bergisch Gladbacherinnen und Bergisch Gladbacher eingefangen, was in den nächsten Jahren auf den von der Papierfabrik freigezogenen Flächen passieren soll. „Es ist unglaublich, wie viele Ideen eingereicht wurden und wie intensiv sich die Bürgerinnen und Bürger eingebracht haben“, freut sich Udo Krause, Leiter der Projektgruppe Zanders Innenstadt. Gemeinsam mit dem Büro nonconform wurden die Leitlinien für die weitere Planung entwickelt.

Bereits im Vorfeld der Ideenwerkstatt hatte die Bürgerbeteiligung zur anstehenden Planung des Areals begonnen: Am 22. und 29. September fanden sogenannte „Ideenstammtische“ statt, bei denen die Experten Max Thinius zum Thema „Wie werden wir in Zukunft leben, wohnen und arbeiten?“ bzw. Arnold Voss zum Thema „Wie sieht eine neue städtische Mobilität der Zukunft aus?“ Vorträge hielten. Mit dieser Inspiration konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Vorschläge sowohl in die „Ideenboxen“, die an verschiedenen Stellen in Bergisch Gladbach aufgestellt waren, einwerfen, als auch auf der digitalen „Ideenwand“ auf der Website des Projektes eintragen. Sowohl in den Ideenboxen, als auch auf der digitalen Ideenwand wurden jeweils ca. 50 Beiträge eingereicht.

Den Höhepunkt der Beteiligung bildete die 3-tägige Ideenwerkstatt: Vor Ort auf dem Zanders-Areal hatten Bürgerinnen und Bürger von jung bis alt die Möglichkeit, ihre vielfältigen Ideen zu dem Gelände einzubringen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Insgesamt kamen ca. 400 Menschen vor Ort zu den Veranstaltungen des Beteiligungsprozesses. Da wegen der Corona-Pandemie die Plätze der Abendveranstaltungen begrenzt waren, gab es außerdem die Möglichkeit, die Veranstaltungen in einem Livestream zu verfolgen. Auch von Zuhause konnten die Bürgerinnen und Bürger sich einbringen und live ihre Kommentare mitteilen und Fragen stellen. Darüber hinaus sorgten die städtische Facebookseite und der Instagram-Account der Projektgruppe „#aufzanders“ für eine unterhaltsame und aktuelle Live-Berichterstattung.

Gestartet wurde mit einem Auftaktfrühstück der Projektgruppe, dem Büro nonconform,  Bürgermeister Lutz Urbach, dem Ersten Beigeordneten Harald Flügge sowie Vertretern der Firma Zanders Paper GmbH zum Austausch über die Erwartungen an die Ideenwerkstatt und die Gelingensfaktoren für das Projekt. Die Bürgerschaft konnte an allen Tagen das „offene Ideenbüro“ besuchen, wobei die Projektgruppe Zanders Innenstadt sowie das Team des Büros nonconform den Besucherinnen und Besuchern dabei Rede und Antwort standen und die Ideenfindung moderierten. „So eine Vielfalt an Inspirationen übersteigt unsere Erwartungen“, so Marie Zorn von der Projektgruppe Zanders Innenstadt.

Besonders beliebt waren die 6 „Spaziergangsworkshops“, die während der drei Tage stattgefunden haben. Hier hatten Bürgerinnen und Bürger erstmals die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen der Papierfabrik und auf das Werksgelände des traditionsreichen Unternehmens zu werfen. Während der Führungen wurden an verschiedenen Stellen Diskussionen geführt, wie man die von der Stadt erworbenen und von der Firma Zanders nicht mehr benötigten Flächen und Gebäude zukünftig nutzen könnte.

Während die Eltern auf den Spaziergangsworkshops unterwegs waren, konnten auch die kleinen Gäste ihre Wünsche für das Gelände äußern: Bei der Kinderbeteiligung wurde gemalt und geschrieben. Kreative Ideen kamen auf, von einem neuen Abenteuerspielplatz bis hin zu einem „Bällebad-Vulkan“. Das Spielmobil hat außerdem viele Spielzeuge, Tretroller und Bobbycars mitgebracht, die die Halle zu einer großen Erlebnisfläche für die Kinder gemacht haben.

An den Abenden der Ideenwerkstatt gab es Vorträge und Zwischenstände zu sehen und zu hören: Am ersten Abend zeigte die Projektgruppe Zanders Innenstadt Fakten zum Projekt sowie Chancen und Potenziale auf. Außerdem wurden die Möglichkeiten und Ziele der Ideenwerkstatt vom Büro nonconform vorgestellt. Am zweiten Abend hielt Robert Ambrée von der Montag Stiftung einen Impulsvortrag zum Thema „Die Rendite ist das Gemeinwohl – Ganzheitliche Projektentwicklung an den Beispielen BOB Campus und Nachbarschaft Samtweberei“ und veranschaulichte, wie die Ideen auch auf das Zanders-Areal übertragen werden könnten. Im Anschluss wurden in kleineren Gruppen verschiedene Themen und Ideen im sogenannten „World Café“ tiefgreifender behandelt und Robert Ambrée stand für Fragen zur Verfügung und inspirierte für die weitere Beteiligung.

Bei der Endpräsentation am dritten Abend stellte das Büro nonconform mit Unterstützung der Projektgruppe Zanders Innenstadt die erarbeiteten Leitideen vor und zeigte, in welche Richtung sich die von der Papierfabrik freigelegten Flächen entwickeln könnten. Ein wesentliches Leitziel besteht in der Öffnung und damit einhergehend dem „Erlebbarmachen“ des Geländes. Dies kann kurzfristig durch Führungen erzielt werden, längerfristig wird jedoch die Etablierung von Anziehungspunkten, wie beispielsweise einem Ideenbüro, der Wiederbelebung der Kantine oder dem Einrichten eines Cafés angestrebt. Diese sollen Anreize für „Pioniere“ schaffen, sich weitere, kurzfristig verfügbare Flächen anzueignen und diese zu bespielen. Dabei spielt der neu abgesteckte Werkszaun eine wichtige Rolle, da er als verbindendes Element -beispielsweise durch Sitzgelegenheiten und Blickbeziehungen – gestaltet werden und sich zu einem Begegnungsraum entwickeln könnte.

Aus stadtplanerischer Sicht zeichneten sich unterschiedliche Strukturelemente ab, die für eine weitere Gestaltung als Rahmen dienen können. Dies waren zum einen die vorhandenen Grünräume, die sich als Freiraumkorridor um das Gelände legen und damit einhergehend auch der Umgang mit einer Offenlegung der Strunde. Außerdem stellen die Denkmäler, die eine Achse zur Innenstadt bilden und auch Zanders als produzierende Fabrik städtebauliche Bausteine dar, die für die weitere Entwicklung des Areals mitgedacht werden müssen. Ebenso könnten die verfügbaren Hallen als neue Orte für Kunst, Kultur oder auch Sport genutzt werden.

Mit einem großen Ideenpool geht die Projektgruppe Zanders Innenstadt um Leiter Udo Krause nun in die nächste Runde: In einem nächsten Schritt werden die Ergebnisse der Ideenwerkstatt in ein bereits etabliertes „Beratungsgremium“ – bestehend aus Vertretern der Stadtspitze, Planungsexperten, Vertretern der Regionale – eingespeist und über eine weitere Konkretisierung des Prozesses nachgedacht. Dabei fungiert das Büro nonconform als „Anwalt der Bürger*innen“, um die gesammelten Ideen und Vorschläge gebündelt zu transportieren. Parallel dazu wird es weitere Abstimmungen innerhalb der Verwaltung und insbesondere mit der Politik (neuer Rat) geben.

Eine wichtige Erkenntnis aus der Ideenwerkstatt ist, dass die weitere Planung nicht in starren Zeitplänen gedacht werden kann, sondern eine gewisse Flexibilität beibehalten werden muss. Die Beteiligung der Bürgerschaft muss in diesem experimentellen Prozess sichergestellt werden und die Mitwirkung bzw. Initiative, beispielsweise durch sogenannte „Pioniere“, ermöglicht werden. Daneben dürfen jedoch die bereits feststehenden „Wegemarken“, wie die Fertigstellung eines „Integrierten Handlungskonzeptes“ oder die Erstellung eines Grundförderantrags nicht aus dem Blick verloren werden.

Wer sich auch im Nachhinein nochmals über das Projekt und die Bürgerbeteiligung informieren möchte, findet auf der Website nicht nur alle dazugehörigen Informationen, sondern auch die Mitschnitte der Livestreams, eindrucksvolle Videos des Ideenbüros und die digitalen Einträge der Ideenwand.

Weitere Informationen gibt es unter

 

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