Der Hipster aus Lennep

In der Bibel wird sie oft erwähnt, die „Stadt auf dem Berge“. Gut, damit ist eigentlich Jerusalem gemeint; ich allerdings muss da immer an Remscheid denken. Die bergische Stadt auf dem Berge. Passt ja. Denn wer schon einmal neben dem bronzenen Löwen auf dem weiten Rathausplatz gestanden hat, spürt den rauen Wind kalt über den Höhen. Die Menschen dieser Stadt sind so ähnlich, etwas rau, aber ehrlich und sympathisch. Schon allein wegen des unverwechselbaren Zungenschlags, der aus jedem „ei“ ein „äi“ macht. Allerdings – liebe Remschäider – ihr müsst jetzt sehr tapfer sein:

Seit in den 70er Jahren die Architekten des sog. „Brutalismus“(die Epoche heißt wirklich so!) zugeschlagen haben und die Innenstadt Remscheids zu einem Moloch von autogerechter Straßenführung und Betonklötzen machten, die hilflos und vergeblich durch Verschieferung „verschönt“ wurden, seitdem ärgere ich mich jedes Mal sehen zu müssen, wie man eine alte Stadt in eine Architektur der Hässlichkeit verwandelt hat. Aber, zu Remscheid gehört ja auch Lüttringhausen, architektonisch das genaue Gegenteil: Der Ortskern ist von pittoresker und idyllischer Schönheit. Und zu Remscheid gehört auch: Lennep. Wobei wir endlich beim Thema wären.

Da kommt er nämlich her. Jener weltberühmte Erfinder, der aussah wie heutzutage ein Hipster aus der Start-up-Szene in Berlin: Wilhelm Conrad Röntgen. Seine Erfindung eroberte die Welt. Bis hin in die Populärliteratur. Hatte doch schon in den 30er Jahren Superman einen Röntgenblick. Und wer, wie ich, ein begeisterter Anhänger des Marvel-Imperiums ist, weiß, dass die legendären X-Men nach den Strahlen benannt sind, die jener Physiknobelpreisträger aus Remscheid fand und genau so nannte: X-Strahlen. Seit dieser epochalen Entdeckung ist der Mensch durchschaubar – und kann somit kein Geheimnis mehr verbergen.

Aber stimmt das? So einfältig und naiv wie Juri Gagarin, nachdem er das Weltall als erster Mensch erfahren hatte, sagte: „Ich habe dort oben keinen Gott gesehen“, so gab es nicht wenige Wissenschaftler, die nach der Durchleuchtung des Menschen nicht minder einfältig sagten: „Wir haben die Körper bis in den letzten Winkel durchleuchtet, aber wir haben nirgendwo eine Seele gesehen.“

Natürlich nicht. Die Seele ist jenseits jeder Physik, jeder Biologie, jeder Wissenschaft. Sie ist der Spiegel des Göttlichen in uns. Und doch, so glaube ich, ist sie real. Jeder Mensch hat eine Seele, kostbarer als das ganze Universum und für das Auge unsichtbar. Es gibt eben Wahrheiten, die man selbst mit Röntgen-Blick nicht entdecken kann, sondern nur mit dem Herzen, wie schon „der kleine Prinz“ wusste.

Während also Wilhelm Conrad der Menschheit den faszinierenden Blick auf das Innere des Körpers schenkte und damit die Möglichkeit, das eigene Skelett zu betrachten, fallen mir bei diesem Stichwort natürlich sofort Witze ein.

Es klingelt an der Haustür. Der Hausbesitzer öffnet und erschrickt zutiefst. Steht doch ein Skelett vor ihm. Zwar winzig klein, aber mit kleiner Sense und kleinem Stundenglas ist es eindeutig Der Tod! Das kleine Skelett sagt zum zitternden Mann. „Reg dich nicht auf, du brauchst keine Angst zu haben, ich komm nur wegen des Wellensittichs.“  

Kommt ein Skelett zum Arzt, sagt der Arzt: „Sie kommen aber spät.“ Sagt das Skelett. „Wie? Is schon zu?!“

Denn im Garten des Lebens ist Humor – und unsere Seele der beste Dung.

Dat sacht:

Der bergische Jung

Hinterlasse einen Kommentar