Da können se Jeduld lernen

Ein großartiger Bildband ist diese Fotoreportage eines wunderschönen Gartens, in deren Textteil Sie erfahren, wie ein leidenschaftlicher Hobbygärtner zum Oberbürgermeister und schließlich Bundeskanzler wurde. Wie ein christlicher Politiker von einem kommunistischen Gärtner vor dem KZ gerettet wurde. Und wie weinende Frauen einem Mann die Hand küssen, weil er ihre Ehegatten aus russischer Kriegsgefangenschaft befreit hat.

Aber eigentlich erfahren Sie, was Konrad Adenauer im Garten lernte, um es in der großen Politik umzusetzen: Welche Staude wo am besten gedeiht, welcher Strauch gestutzt werden muss, bevor er wuchert, und welcher zarte Steckling gehegt und gepflegt werden muss, bevor er seine volle Schönheit entfaltet. 

Der Stadt Köln, deren Oberbürgermeister er bis 1933 war, schenkte er den Grüngürtel (statt eines „unsozialen“ Villenviertels): „Warum soll der Großstädter ein Höhlenbewohner sein, … in dessen Mauern das Wachsen, Blühen und Welken der Natur nicht mehr zu sehen ist?“

Mit 60 Jahren baute er in Rhöndorf sein Wohnhaus in einen alten Weinberg. Mit einem Mikroklima wie in Nizza gedeihen hier noch heute Feigen und Aprikosen. Hier gärtnerte er auch als Bundeskanzler und empfing Staatsgäste. Mit diesem Garten ernährte er im 2. Weltkrieg seine Familie. Danach pflanzte er Rosen.

Die stimmungsvollen Fotografien verraten, dass auch der Fotograf Adenauers Geduld hatte, um die Natur zu allen Jahreszeiten im richtigen Licht zu erfassen. Gartenfotos zum Träumen, mit einem Text zum Nachdenken

Adenauer – Der Garten und sein Gärtner
Feyerabend & Breitschuh
Greven Verlag
30,- Euro

 

Hinterlasse einen Kommentar