Landwirtschaft und Naturschutz im Bergischen

Bergisches Land Als sich Anfang Juli rund 20 Landwirtinnen und Landwirte sowie Vertreterinnen und Vertreter des Naturschutzes zum jährlichen Austausch über Landwirtschaft und Naturschutz im Bergischen Land bei der Grünland-Exkursion des Verbandes landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen (vlf Oberberg) und der Biologischen Station (BSO) trafen, jährte sich diese Veranstaltung zum 25. Mal. Eine unglaubliche Geschichte, wo sich doch Naturschutz und Landwirtschaft häufig sehr kritisch gegenüberstehen.

„Ich erinnere mich noch sehr genau an unsere erste Exkursion zur Arnika-Wiese in Löffelsterz. Da gab es doch schon auch Kritik aus den eigenen Reihen, ob das Treffen mit den Naturschützern was bringen würde…“, so Helmut Dresbach, Vorsitzender des vlf und 2008 bis 2014 auch Kreislandwirt des Oberbergischen Kreises.

Aber seither gehen Naturschutz und Landwirtschaft im Bergischen Land andere – gemeinsame – Wege: nicht immer ohne Konflikte, aber kritisch-konstruktiv und mit dem Ziel gemeinsam voranzukommen. Entscheidend dabei war, dass – selbst wenn es in Einzelpunkten verschiedene Meinungen gab und kein Konsens gefunden wurde – aber weiter zusammen gesprochen und immer wieder neu aufeinander zugegangen wurde.

Vor fast vier Jahren, im September 2016, wagten sie den nächsten konsequenten Schritt: Die Vertreter aus beiden Kreisen von BUND, NABU, RBN, Kreisbauernschaft, Landwirtschaftskammer, vlf, der Biologischen Stationen Rhein-Berg und Oberberg sowie der beiden Kreisverwaltungen schlossen sich zum Kooperations-Projekt „Modellregion Landwirtschaft und Naturschutz – Bergisches Land“ zusammen, um ihre gemeinsame Verantwortung für die Kulturlandschaft des Bergischen Landes zu bekunden.

Denn eines war allen klar: „Nur gemeinsam kann es gelingen, die Herausforderungen anzugehen und etwas für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe und die Sicherung der Artenvielfalt im Bergischen Land zu erreichen.“, so Bernd Freymann, Geschäftsführer der Biologischen Stationen Oberberg und Rhein-Berg. In der gemeinsam auf den Weg gebrachten „Bergischen Zielvereinbarung Landwirtschaft und Naturschutz – Bergische Land“ setzten sich die Projekt-Beteiligten Ziele und hielten konkrete Ideen zur Umsetzung fest.

Seitdem wurde schon viel erreicht und auch miteinander gerungen. Besonders erfolgreich verfolgen die Partner der Modellregion den Ausbau des Vertragsnaturschutzes (VNS) in den beiden Kreisen. Durch neu geschlossene Verträge werden ab Januar 2021 im Oberbergischen Kreis und im Rheinisch- Bergischen Kreis rund 2.700 ha von über 300 Betrieben nach den Vertragsnaturschutz-Kriterien bewirtschaftet. Das entspricht einer Steigerung von über 1.000 ha bzw. 65 % im Vergleich zum Jahr 2016.

Die Modellregion steht auch für gegenseitigen Austausch und Wissenstransfer. Bei den Grünlandexkursionen des vlf und der Biologischen Stationen werden immer unterschiedlich bewirtschaftete Flächen besucht, um die verschiedenen Anforderungen an die Flächen von Landwirtschaft zu beleuchten. So stehen z.B. intensiv genutzte und dadurch artenarme Silageflächen, die aber zur eiweißreichen Futterproduktion für die im Bergischen typischen Milchviehbetriebe unentbehrlich sind, solchen Flächen gegenüber, die z.B. sehr steil und trocken sind und daher nur beweidet werden können. Letztere sind aber häufig besonders wertvoll für den Naturschutz und können sich mit der richtigen extensiven Pflege zu artenreichen Lebensräumen entwickeln oder als solche erhalten werden.

Und wenn es doch mal Probleme gibt, engagieren Naturschutz und Landwirtschaft einen „Eheberater“. Dann rückt die sogenannte „Task-Force“ des jeweiligen Kreisgebietes aus, die aus je einem Vertreter von Landwirtschaft, Naturschutz und Biologischer Station besteht. Auf diese Weise sollen Probleme unbürokratisch gelöst werden, bevor sich die Fronten verhärten.

„Wir blicken optimistisch in die Zukunft!“, so Franz Bellinghausen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Oberberg, „auch wenn immer wieder neue Herausforderungen auf uns warten, wie z.B. die Ernteausfälle durch die extreme Trockenheit in den vergangenen Jahren.“ Michael Gerhard, Vorstandsmitglied des NABU Oberberg und seit Beginn mit dabei, stimmt ihm zu: „Wir können stolz darauf sein, wie lange wir schon gut zusammen für den Erhalt der Artenvielfalt arbeiten. Unser Erfolgsrezept war immer, dass wir auch Konflikte offen ausdiskutiert haben und dann sehr oft zu Lösungen gekommen sind. Das ist nicht selbstverständlich,sondern einmalig in NRW.“.

Alle Beteiligten sind zuversichtlich, dass diese „Ehe“ noch lange hält, wenn sich alle an das bewährte Rezept halten, vertrauensvoll miteinander zu sprechen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Weitere Hintergrundinformationen finden Sie hier:

www.biostationoberberg.de/modellregion

 

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