Öffnen oder abwarten?

Bergisches Land Was machen Veranstalter, wenn die Hallen leer bleiben? In der Corona-Krise entwickeln viele von ihnen kreative Ideen.Wir haben bei einigen nachgefragt.

 

Teo-Otto-Theater will Zeichen setzen

„Es war für uns ein Kraftakt. Innerhalb einer Woche hat die Haustechnik jede zweite Sitzreihe im Theatersaal ausgebaut. Von 660 Sitzplätzen verbleiben uns jetzt nach den aktuellen Corona-Hygienevorschriften noch 100. 

In wirtschaftlicher Hinsicht ist da einnormaler Theaterbetrieb natürlich nicht mehr möglich. Jede Veranstaltung verursacht Verluste. Aber als städtischer Betrieb haben wir auch einen kulturpolitischen Auftrag. Wir wollen mit der Wiedereröffnung im Juni ein Zeichen setzen und den Menschen Live-Kultur bieten. Wir unterstützen damit auch die kleineren Veranstalter in Remscheid. Die Klosterkirche kommt mit dem Springmaus-Improvisationstheater zu uns und vom Rotationstheater tritt Comedian Michael Steinke mit seinem neuen Programm „Funky! Sexy! 40!plus“ bei uns auf“.

Lutz Heinrichs, Geschäftsführer, Teo Otto Theater, Remscheid,
www.teo-otto-theater.de

 

Laschet schmeißt nur Nebelkerzen

„Wir haben alle Termine bis September abgesagt. Unser kleiner Saal hat 202 Plätze, davon können wir unter den aktuellen Einschränkungen vielleicht 100 nutzen. Allerdings mussten wir dazu die Lüftungsanlage umbauen, damit keine Umluftbeimischung, sondern nur noch Frischluft zugeführt wird. Eine Kostendeckung ist bei dieser Art der Veranstaltung aber nicht gewährleistet.

Was sich der Ministerpräsident bei seinen vollmundigen Ankündigen, die Kulturspielstätten könnten wieder öffnen, gedacht hat, bleibt mir ein Rätsel. Für mich schmeißt Laschet nur Nebelkerzen. Die Situation ist für kleine Veranstaltungsorte katastrophal. Wir planen aktuell, ab Mitte September wieder loszulegen. Aber gesonderte Ein- und Ausgangsbereiche, die Toilettensituation, all das muss noch geklärt werden.“

Achim Stolberg, künstlerischer Leiter, Kattwinkelsche Fabrik, Wermelskirchen,
www.kattwinkelsche-fabrik.de

 

Drahtzieherei kriegt neues Styling

„Wir haben während des Lockdowns fast 200 Tonnen Beton in die Halle gekippt und einen neuen, anthrazitfarbenen Industrieboden verlegt. Nicht rutschig, aber gut betanzbar. Alle Kabel, die vorher im Boden lagen, werden jetzt unter der Decke geführt. 20 „Moving Heads“-Scheinwerfer geben uns neue Möglichkeiten der Lichtgestaltung.

Unser Highlight ist die neue 9×5 Meter große LED-Wand hinter der Bühne, von der Lindlarer Lang AG. Nicht nur für Public Viewing, auch für Vorträge mit Split Screen, online Livestreams und Party-Lightshows. Die Drahte bekommt ein cooles, cleanes Industrie-Styling. Jetzt beginnen wir erstmal mit Seniorenkino bei Kaffee und Kuchen.Ab September sind wir wieder mit Veranstaltungen am Start.“

René Köhler, Geschäftsführer, Alte Drahtzieherei, Wipperfürth,
www.altedrahtzieherei.de

 

Kultur aus dem Lockdown holen

„Wir haben die Zeit genutzt unserer Webseite einen neuen Anstrich zu verleihen und uns technisch weiterzubilden, um digitale Konzepte anbieten zu können. So bauen wir gerade einen YouTube-Kanal auf, der in der nächsten Zeit weiter professionalisiert werden soll. Zudem haben wir nach rund 180 abgesagten Veranstaltungen zwecks Erstattung praktisch jeden Zuschauer einzeln kontaktiert – Arbeit war also genug vorhanden.

Ab September planen wir wieder regelmäßige Veranstaltungen mit verminderten Zuschauerzahlen. Das bringt uns keinen Gewinn, aber wir möchten die Kultur unbedingt aus dem Lockdown holen und sind sehr froh, dabei auf die volle Unterstützung von Bürgermeister Frank Helmenstein zählen zu können.“

Ulrike Rösner, Vorstand, Kulturbetrieb der Stadt Gummersbach, Halle 32,
www.halle32.de

 

Am Haus Eifgen rockt es Open Air

„Gelangweilt haben wir uns während des Lock-downs nicht. Wir haben renoviert, das Parkett abgeschliffen, aufgeräumt, umgeräumt und ein Hygiene- und Abstandskonzept erarbeitet. Leider sind im Saal nur 50 Zuschauer erlaubt. Deswegen folgen wir dem Rat von Herrn Droste: „Frische Luft und Flaschenbier.“ Also willkommen in unserem Biergarten. Dort ist Platz für 100 Gäste. 

Das ist unser Zeichen, dass die Konzertkultur auch auf kleinen Bühnen weiterlebt, aber eben Open Air. Am 12. Juli führen wir unsere Reihe „Blueslegenden im Eifgen“ mit Ignas Netzer & Christian Rannenberg fort. Sie prägten die Bluesszene in Deutschland, spielten mit Jack Dupree und Alexis Korner. Rannenberg holte zweimal den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Ein spannender Blues-Abend, der „Back to the Roots“ und beste Laune verspricht.“

Michael Dierks, 1. Vorsitzender, Kulturinitiative Wermelskirchen e.V., Haus Eifgen,
www.kultin-wk.de

 

Der Löwe brüllt jetzt auch online

„Wir haben alle Veranstaltungen vorerst abgesagt oder verlegt und unsere Sommerwartung vorgezogen. Unsere Klimaanlage entspricht sogar den derzeitigen Hygiene-Bedingungen, was natürlich sehr positiv ist. Ein weiterer Pluspunkt ist die große Quadratmeterzahl unseres Hauses. So können Tagungen, Seminare oder Vorträge in Räume verlegt werden, die den Abstandsregeln entsprechen. 

Gemeinsam mit der Firma Graeske haben wir das WCS Webcast-Studio gegründet. Das Konzept ist ein Hybrid aus Präsenz- und Online-Veranstaltung, das an die jeweils aktuellen Corona-Bestimmungen angepasst werden kann. So sind auch größere Veranstaltungen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur möglich.“

Norbert Pfennings, Geschäftsführer, Bergischer Löwe, Bergisch Gladbach,
www.bergischerloewe.de

 

Kleine, statt keine Veranstaltungen

„Es muss sehr viel passieren, bevor ein Künstler von sich aus eine Show absagt. Daher setzen wir nun alles daran, das Theater so schnell wie möglich wiederzubeleben. In unserem eigenen Haus dürfen sich nach den neuen Hygiene- und Abstandsregeln nur 12 -14 Besucher aufhalten, was sehr überschaubar ist. Zum Glück können wir den nahegelegenen Jägerhof nutzen. Dort dürfen sich zumindest 50 statt der normalerweise rund 200 Gäste einfinden. 

Uns ist es wichtig, ein Lebenszeichen zu geben: Wir sind wieder da! Bei den geringen Zuschauerzahlen ist das zwar ein Verlustgeschäft, aber wir denken dabei an die Künstler, die ja gerade in dieser Zeit auf die Veranstalter angewiesen sind, um auf die Bühne zurückkehren zu können und wieder zu spielen.“

Axel Krieger, Intendant, Schauspielhaus Bergneustadt,
www.schauspielhaus-bergneustadt.de

 

Wir haben schon wieder auf

„ Am 26. Juni hatten wir  unsere erste Veranstaltung nach dem Lockdown. 30 Gäste, die wir in Sitzblöcken gruppiert haben. Dazwischen ist Sicherheitsabstand. Wenn man zu mehreren kommt, kann man die Anzahl der Stühle, die wir zusammenrücken, vorbestellen. Nur wer sich kennt, sitzt zusammen. Wir haben einen Förderantrag gestellt, um Plexiglastrennwände zu installieren.

Die Sicherheit unserer Besucher ist uns sehr wichtig, und alleine können wir als Verein solche Ausgaben nicht stemmen. Theoretisch könnten wir dann wieder alle 100 Sitzplätze belegen. Zusätzlich wollen wir unsere Bühnentechnik per iPad steuerbar machen, dann kann auch unser Techniker Abstand halten. Eine neue Videokamera, um Veranstaltungen online zu streamen, ist ebenfalls geplant.“

Stefan Noppenberger, Vorsitzender, Kultur-Haus Zach e. V.,
www.kultur-haus-zach.de

 

Ute Bernatzki ist schon immer gerne gereist. Nicht nur mal eben für einen Urlaub zog es die gebürtige Kölnerin in in die große weite Welt, sie hat auch in Genf, London und auf den Malediven gearbeitet. Nach vielen Jahren im Marketing verschlug es sie in die Tourismusbranche. Die begeisterte Taucherin liest und schreibt gerne und hat 2014 ihr erstes Buch veröffentlicht. Heute lebt sie als freie Autorin in Rösrath.

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