Minirechner misst Sehgewohnheiten

Wipperfürth „Die Evolution hat mit der technischen Entwicklung nicht Schritt gehalten. Was unser Sehen angeht, sind wir als ‚Sammler und Jäger‘ auf sechs Meter Entfernung fokussiert“, sagt Augenoptikermeister Timotheus Hesterberg. Für digitales Arbeiten, für das Verfolgen aller möglichen Inhalte auf winzigen Smartphone-Displays, seien wir nicht geschaffen. Die Zahl der Kurzsichtigen nimmt weltweit epidemisch zu. Liegt das an den „neuen Sehgewohnheiten“, wie Hesterberg das nennt? Und wenn das erforderliche Bildschirm- und Smartphone-Sehen auf kurze Entfernung der unabänderliche Grund ist, wie kann man die Betroffenen dann mit wirklich passenden Sehhilfen versorgen?

Hesterberg spricht vom „neuen mobilen Sehen“, wenn das Auge ständig zwischen Fernbereich, Bildschirmbereich und Smartphone hin und her fliegt. „Der Zwischenbereich zwischen Nah und Fern wird immer wichtiger“, sagt er. Jeder Kunde entwickele dabei spezifische Anforderungen. „Jeder guckt anders“, aber keiner kann im Detail beschreiben, wie und wohin er sieht, wie er den Kopf neigt, die Augen bewegt. Dabei wären exakte Kenntnisse über das Sehverhalten des „Patienten“ für den Optiker so wichtig, wollte er eine noch bessere Brille anmessen.

Dafür gibt es jetzt ein Schweizer Messgerät, am Brillenbügel befestigt, sei es so etwas wie die „Smartwatch zum Sehen“, scherzt der Augenoptikermeister: ein Daten- und Gewohnheitssammler in Sachen Sehen.

Das „Vivior“ ist kleiner als ein Einwegfeuerzeug und leicht. Es zeichnet über 36 Stunden das Sehverhalten, Licht- und UV-Intensität, die Dauer einer Blickfokussierung, die Entfernung zum anvisierten Objekt und die Neigung des Kopfes auf. Der eine verdreht die Augen, um nach links und rechts zu sehen. Der andere dreht dazu den Kopf. Der Nächste traktiert seine Augen häufig mit energiereichem blauen Licht und setzt sich damit der Gefahr einer frühen Makula-Degeneration aus. So etwas stellt sich bei der Vivior-Messung der Sehgewohnheiten ebenso heraus wie ein falsch aufgebauter Arbeitsplatz.

Die Interpretation der Daten am Rechner ergibt meist, dass „wir“ zu oft und zu ausdauernd nah – also kurz – sehen. Bereits 25- bis 35-Jährigen, digital arbeitenden Menschen kann eine Brille für die Nahsichteinsätze eine Hilfe sein. Inzwischen gibt es Gläser speziell für Digitalarbeiter. 

Auch eine Mehrstärkenbrille kann aus den Daten des Sehprofils berechnet werden. „Die Entwicklung der Gleitsichtgläser geht ständig voran, ist ein fortlaufender Prozess“, sagt der Wipperfürther. 

Er hat sich in der Branche einen Namen als Vorreiter der technischen Entwicklung gemacht und versorgt in einem erheblichen Radius weit über das Bergische hinaus Kunden mit schwachem und problematischem Sehvermögen. Für die wissenschaftliche Vereinigung für Augenoptik und Optometrie richtet der Wipperfürther Webinare zum Vivior-System aus, denn noch ist das System in Deutschland handverlesen. „Wir sind der elfte Anwender im Land“, sagt Hesterberg etwas stolz: „Uns geht es immer um die besten Lösungen für unsere Kunden.“

Augenoptik Kleinhans
Untere Str. 42, 51688 Wipperfürth, Tel. 02267-1849
www.optik-kleinhans.de

Gebürtiger Remscheider und ans Zeitungsmachen gekommen beim Remscheider General-Anzeiger: Stefan Aschauer-Hundt lernte beim "Tüpitter", war Pressesprecher bei der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Redakteur der Westdeutschen Zeitung und langjähriger Redaktions- und Technikleiter des Süderländer Tageblatt im Sauerland. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung war er Mitglied im Projektteam Lokaljournalisten, einem Inkubator für journalistische Innovation. Stefan Aschauer-Hundt ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.