Gastros Kampf der Zettelwirtschaft

Gummersbach „Das bleibt uns in diesem Jahr und gewiss auch 2021 erhalten“, sagt Christina Reinhold, die Chefin des gleichnamigen Landgasthofs in Lieberhausen, und mit „das“ meint sie die Corona-bedingten Reglementierungen der Gastronomie und des Hotelbetriebs. Seit die Gaststätten und Wirtschaften wieder öffnen durften, müssen strenge Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Die Gäste eines jeden Tisches müssen sich in Listen eintragen, damit im Falle einer Corona-Infizierung alle Kontaktpersonen ermittelt  werden können. Nicht nur Reinhold ist davon überzeugt, dass solche Listen noch lange geführt werden müssen, auch die inzwischen 28 Mitgliedsbetriebe starke Gastronomie-Gemeinschaft Gummersbach (GGG) denkt so. Deshalb hat man eine App für I-Phone und Android-Smartphones entwickelt, die den Papierkrieg erleichtert. Gemeinsam mit Gummersbachs Bürgermeister Frank Helmenstein und Oberbergs Landrat Jochen Hagt stellten Mitglieder der GGG die technische Innovation vor.

Erdacht wurde die App mit dem Namen „GMerleben“ von der gleichnamigen Stadtmarketing-Agentur und ihrem Chef Uwe Gothow und dann für alle gebräuchlichen Smartphone-Betriebssysteme entwickelt. Die App lädt man sich vor dem ersten Restaurantbesuch herunter, installiert sie auf dem Smartphone und trägt Name, Anschrift und Emailadresse ein. Danach ist man „ausgehfertig“. Im Restaurant findet man auf jedem Tisch einen QR-Code, den es zu scannen gilt – womit man einen Dialog startet und das Handy die persönlichen Daten übermittelt, quasi einen digitalen Besuchszettel ausfüllt. Hinterlegt werden die Daten des Besuchers und automatisch dem Lokal und dem aufgesuchten Tisch zugeordnet. Abgespeichert werden die Daten auf einem deutschen Server; sie wandern nicht ins Ausland. Softwareentwickler Marvin Schwarz verbürgte sich für die Datensicherheit und warb dafür, dass das System ausbaufähig sei. Die Gastronomie könne dort ihre Speisekarte hinterlegen, Sportvereine  ihren Trainingsbetrieb organisieren.

In den Gummersbacher Gaststätten hat die App bereits erste Freunde gefunden. Die Gäste, berichteten mehrere Wirte unisono, teilen sich in zwei Lager – in Analogfans, die Listen ausfüllen, und Digitalfreaks, die sich lieber per Handy registrieren. Beiden Anwendungen gemein ist übrigens, dass die Namen der Besucher vier Wochen lang aufgehoben, danach vernichtet werden. Nur im Falle einer Infektion greift das Gesundheitsamt  auf die Kontaktlisten zurück, um Ansteckungswege zurückzuverfolgen. Ein solcher Fall ist in Oberberg aber bisher nicht bekannt geworden.

Gebürtiger Remscheider und ans Zeitungsmachen gekommen beim Remscheider General-Anzeiger: Stefan Aschauer-Hundt lernte beim "Tüpitter", war Pressesprecher bei der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Redakteur der Westdeutschen Zeitung und langjähriger Redaktions- und Technikleiter des Süderländer Tageblatt im Sauerland. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung war er Mitglied im Projektteam Lokaljournalisten, einem Inkubator für journalistische Innovation. Stefan Aschauer-Hundt ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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