Der? Die? Das? Gender-Diskussion Coronavirus

Rheinland Corona verunsichert – auch in sprachlicher Hinsicht: Einerseits ist von „das Virus” die Rede, dann ist auch „der Virus” zu hören. Das grammatische Geschlecht dieses Erregers scheint ähnlich wandelbar wie seine Oberflächenstruktur. Das führt zu Verwirrungen und der Frage: „Das oder der Virus?“

Als Fachbegriff ist der Erreger als „das Virus” bekannt. Das Wortgeschlecht (das) stammt vom ursprünglich lateinischen Wort virus, das so viel wie „Schleim”, „Saft” oder „Gift“ bedeutet und gleichen grammatischen Geschlechts ist. „Übernehmen wir im Deutschen ein Wort aus einer anderen Sprache, übernehmen wir meist gleichzeitig dessen grammatisches Geschlecht”, weiß Sarah Puckert, Sprachforscherin beim LVR-ILR. „Da Sprache aber kein starres, sondern ein dynamisches System ist, können sich Wortgeschlechter durchaus verändern: Mit zunehmender Verwendung in der Alltagssprache wird ‚der Virus‘ geläufiger. Wir passen das Wort und sein dazugehöriges Genus an die anderen, im Deutschen vergleichbar endenden Wörter wie ‚Luxus’ oder ‚Rhythmus’ an, und wählen das Genus, welches für uns üblich klingt – ‚der Virus’”, so Puckert.

Das heißt: Sowohl „das Virus” als auch „der Virus” sind verbreitet und korrekt. Diese Aussage wird auch vom Duden unterstützt. Wie auch immer: Menschen im Rheinland werden sich aber wohl vor allem für „dat Virus” entscheiden.

Das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte (LVR-ILR) widmet sich mit seinen unterschiedlichen Disziplinen der Erforschung der Alltagskultur in der Region. Aktuell beobachten die Fachleute in ihrem Projekt „Alltag in der Krise – die Krise im Alltag“, wie der Alltag aufgrund der massiven Veränderungen durch das Corona-Virus aus dem verlässlichen und vertrauten Rahmen fällt. Durch die Beobachtungen wollen die Fachleute die Funktionsweisen des Alltags besser verstehen. Deshalb begleiten sie die Menschen in der Region durch die Krise im Alltag – und den neuen Alltag in der Krise. Die Ergebnisse werden sie in den nächsten Wochen veröffentlichen.

 

Gebürtiger Remscheider und ans Zeitungsmachen gekommen beim Remscheider General-Anzeiger: Stefan Aschauer-Hundt lernte beim "Tüpitter", war Pressesprecher bei der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Redakteur der Westdeutschen Zeitung und langjähriger Redaktions- und Technikleiter des Süderländer Tageblatt im Sauerland. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung war er Mitglied im Projektteam Lokaljournalisten, einem Inkubator für journalistische Innovation. Stefan Aschauer-Hundt ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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