Die letzten Bewohner verlassen das Containerdorf

Bergisch Gladbach In der Historie der Flüchtlingskrise hat sich ein Kapitel geschlossen. Aus der Containerunterkunft in Lückerath zogen die letzten Bewohner aus. Damit endet das Kapitel der Unterbringung von Flüchtlingen in kurzfristig errichteten Bauten.

Im Sommer 2015, zur Hochzeit des Flüchtlingszuzugs nach Deutschland, hatte die Stadtverwaltung entschieden, die Menschen aus Krisengebieten, die in Bergisch Gladbach Schutz und Obdach suchten, in Zelten und Containerbauten unterzubringen. Parallel dazu waren Turnhallen als Provisorien für das Wohnen der Zugewiesenen genutzt worden.

Am kommenden Montag, dem 8. Juni 2020, beginnen die Umbauarbeiten an den ersten Containern in Lückerath. Die Module werden – nach dem Umbau – verladen und zum Nicolaus-Cusanus-Gymnasium gebracht. Sie dienen dann als Klassenräume während der Generalsanierung des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums (NCG).

„Ich möchte den heutigen Tag zum Anlass nehmen, um ein herzliches Dankeschön auszusprechen. Danke an die Anwohnerinnen und Anwohner, die im Vorfeld der Planung und des Baus viele Bedenken und Ängste geäußert hatten und dann aber ein gutes Miteinander mit den neuen Nachbarn gelebt haben. Das ist nicht selbstverständlich“, betont Bürgermeister Lutz Urbach.

„Nicht nur die Lückerather, auch die Nachbarn in allen anderen Stadtteilen mit neuen Unterkünften haben viel Integrationsarbeit geleistet. Ob in Katterbach auf dem Sportplatz an der Grundschule, in Paffrath neben Gesamtschule und Kombibad oder in den Turnhallen in Refrath, Frankenforst, Heidkamp und Sand – überall wurden die Menschen freundlich aufgenommen und von Haupt- und Ehrenamt sorgsam betreut.“

Ohne die vielen Flüchtlingsinitiativen, so erläutert Lutz Urbach weiter, wäre der noch andauernde Marathon der Integration wohl bereits zu Beginn gescheitert. „Wir als Stadtverwaltung brauchten viele helfende Hände, und die Bergisch Gladbacherinnen und Bergisch Gladbacher standen uns zur Seite“, resümiert der Bürgermeister. „Das war und ist bis heute nicht selbstverständlich. Auch diesen vielen Ehrenamtlern und Mentoren möchte ich ganz herzlich danken.“

Urbach erinnert in diesem Zusammenhang auch an den Besuch des Bundespräsidenten Joachim Gauck im November 2015 in Bergisch Gladbach: „Nicht umsonst hat der erste Bürger unseres Staates für seine Informationsreise zur Flüchtlingskrise Bergisch Gladbach ausgewählt. Der Ruf der Willkommenskultur, die wir in unserer Stadt gepflegt haben und noch pflegen, ist bis nach Berlin gedrungen.“

Sowohl an der Gesamtschule Paffrath als auch in Heidkamp am Gustav-Lübbe-Haus sind die Flüchtlingsinitiativen noch mit Fahrradwerkstatt und anderen Angeboten im Einsatz. „Eine Vielfalt von Hilfeleistungen und Unterstützungen, die ihresgleichen sucht“, betont Lutz Urbach.

Ebenfalls gute Arbeit hat das sogenannte Hauptamt geleistet. Allen voran die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Stadtverwaltung in Kooperation mit den Fachleuten vom Deutschen Roten Kreuz-Kreisverband Rheinisch-Bergischer Kreis e.V.. Aber auch die Hausmeister für die verschiedenen Einrichtungen haben viele Aufgaben mit Bravour gemeistert. So auch die vielen Umzüge in den letzten Wochen.

Für das DRK geht ebenfalls eine Ära zu Ende. An allen Standorten waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Betreuungspersonal in den letzten fünf Jahren im Einsatz. Nun bleibt das Gustav-Lübbe-Haus als Einsatzort erhalten. In Kooperation mit der Stadtverwaltung werden die dort lebenden Migranten betreut. „Ich bedanke mich stellvertretend für alle, die in den Unterkünften gearbeitet haben, bei Geschäftsführer Reinhold Feistl und der DRK-Vorsitzenden Ingeborg Schmidt“, erklärt Lutz Urbach. „Ohne diese großartige Unterstützung des DRK, die selbstverständlich auch vergütet wurde, wäre die Aufgabe der Integration und Betreuung nicht zu schaffen gewesen.“

Rund 865 Flüchtlinge leben aktuell in Bergisch Gladbach, die nunmehr größte Unterkunft ist das Gustav-Lübbe-Haus mit rund 100 Bewohnerinnen und Bewohnern.

Die Zeltstadt in Katterbach hatte in den drei Hallen insgesamt rund 330 Plätze. Der Erstbezug war am 28. September 2015; der Standort blieb bis Mai 2017 in Betrieb. Die Container an der Franz-Heider-Straße in Paffrath beherbergten bis zu 153 Personen. Sie wurden am 31. Mai 2016 in Betrieb genommen und mit Ablauf der Baugenehmigung im Mai 2019 geräumt. In Lückerath hätten bis zu 286 Menschen wohnen können. Im April 2017 war die Unterkunft bezugsbereit. Zuletzt lebten hier noch um die 40 Bewohner.

Rund zehn Millionen Euro wurden in die Standorte investiert. Da die Baugenehmigung auf drei Jahre begrenzt war, war eine längere Nutzung nicht möglich. Insgesamt 80 Container werden von Lückerath ans NCG umgezogen, damit nach den Sommerferien die Containerschule genutzt werden kann. Die Verwendung der übrigen Container wird noch verwaltungsintern geprüft.

Gebürtiger Remscheider und ans Zeitungsmachen gekommen beim Remscheider General-Anzeiger: Stefan Aschauer-Hundt lernte beim "Tüpitter", war Pressesprecher bei der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Redakteur der Westdeutschen Zeitung und langjähriger Redaktions- und Technikleiter des Süderländer Tageblatt im Sauerland. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung war er Mitglied im Projektteam Lokaljournalisten, einem Inkubator für journalistische Innovation. Stefan Aschauer-Hundt ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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