Ein Quäntchen Hoffnung für Nepal

Wiehl Seit dem Jahr 2013 ist der Wiehler Verein Re:Help e.V. in Nepal aktiv. Derzeit baut der Verein im abgelegenen Bergdorf Rapcha eine Mädchenunterkunft für Schülerinnen, die von Ausserhalb die Schule besuchen. Ihnen sollen zukünftig lange Fußwege zur Schule erspart bleiben. Der nepalesische Projektkoordinator Pancha Rai steht im regelmässigem Kontakt zu Vereinsgründerin Renate Kotz und berichtet über die Auswirkungen von COVID-19 in Nepal und auf das Vereinsprojekt.

Um die Ausbreitung des Corona Virus einzudämmen, wurde am 23.03.2020 eine Ausgangssperre über das gesamte Land verhängt. Seit dem 24.03.2020 ist der internationale Flughafen gesperrt, es dürfen nur noch Rückholflüge für Ausländer abgefertigt werden. Der Lockdown wurde bis mindestens zum 18. Mai 2020 verhängt. Derzeit (Stand WHO vom 06.05.2020) gibt es 82 Personen, bei denen Covid-19 nachgewiesen wurde.

Da aber nur sehr wenige Menschen getestet werden, liegt die Dunkelziffer der Infizierten wohl weitaus höher. Es gibt momentan nur ein einziges Labor in Kathmandu, das die Tests auswerten kann. Die Regierung legte das gesamte öffentliche Leben lahm. Einzig allein die Shops mit Lebensmitteln haben in den frühen Morgenstunden von 5 Uhr bis 8 Uhr geöffnet. Die Versorgung mit Essen ist derzeit noch ausreichend, je länger der Lockdown jedoch andauern wird, umso höher werden die Preise für Dinge des täglichen Bedarfs steigen. 

Das größte Problem ist, dass sehr viele Bewohner Kathmandus kein Geld mehr haben. Die meisten Menschen in Nepal haben 100% ihres Einkommens verloren und es gibt keinerlei Unterstützung von der nepalesischen Regierung. Daher versuchen viele Nepalis in ihre Heimatdörfer zu ihren Familien zurück zu kehren. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist in den ländlichen Regionen oftmals sehr viel besser als in der Stadt. Jedoch stehen alle öffentlichen Verkehrsmittel still und die Armee und Polizei führt strenge Kontrollen zur Einhaltung der Ausgangssperre durch. Man muss eine Reisegenehmigung der Regierung vorlegen aus der hervorgeht, dass man einen wichtigen Grund für die Reise hat – etwa bei schweren Krankheitsfällen in der Familie oder bei Sterbefällen.

Laut der örtlichen Tageszeitung Himalayan Times (HT) werden derzeit täglich ca. 500 Anträge gestellt und nur etwa 50 davon genehmigt. Wer ohne eine solche Genehmigung erwischt wird, läuft Gefahr, ins Gefängnis zu kommen. Trotzdem ist es für viele Nepalesen, die wegen der Jobs nach Kathmandu gekommen waren, der einzige Ausweg um zu überleben. Viele Menschen machen sich deshalb zu Fuß auf den Weg in die abgelegensten Regionen des Landes und nehmen dafür tagelange Wanderungen in Kauf.

In Rapcha gab es bisher noch keinen Corona-Fall. Das liegt aber daran, dass in der Region noch kein einziger Test durchgeführt wurde. Die medizinische Versorgung in Rapcha und der gesamten Region ist desaströs und im Hinblick auf eine eventuelle Ausbreitung von COVID 19 äußerst besorgniserregend. Im Dorf gibt es keinen Arzt.

Vereinsprojekt läuft trotz Lockdown in Nepal weiter

Pancha Rai berichtet, dass die örtliche Bezirksregierung eine Fortführung der Bauarbeiten der Mädchenunterkunft genehmigt hat unter der Auflage, dass maximal nur sieben Arbeiter zeitgleich auf der Baustelle sein dürfen. Über diese Nachricht freute sich Renate Kotz besonders, denn das hat eine positive Signalwirkung an die Dorfbewohner. „Damit zeigen wir, dass wir trotz der Krise an unseren Projekten festhalten und den Menschen dort – auch wenn uns tausende Kilometer trennen – Zuversicht geben möchten. Nach der Erdbebenkatastrophe 2015, welche das Land nicht nur finanziell sondern auch emotional in eine tiefe Krise stürzte, hatten wir auch weiter an die Kraft und den Optimismus der Dorfbevölkerung geglaubt. Eines ist gewiss: Wenn jemand Krisen meistern kann, dann die nepalesische Bevölkerung.“

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