Kinderschutz in Corona-Zeiten

Oberbergischer Kreis Geschlossene Schulen und Kitas, Kontaktverbote, gestresste Familien: Von den drastischen Einschränkungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie sind Kinder und Jugendliche besonders betroffen. Darauf weist der Oberbergische Kreis hin. Landrat Jochen Hagt appelliert an Eltern, Angehörige und Nachbarn, beim Thema Kindeswohl genau hinzuschauen: „Zwar schweißt die Corona-Lage viele Familien zusammen. Eltern und Kinder verbringen mehr Zeit miteinander. Aber es kann auch passieren, dass Konflikte jetzt schneller eskalieren und Kinder Gewalt oder Verwahrlosung erleben.“

Ein besonderes Risiko gebe es in Familien, in denen psychische Erkrankungen oder Suchtprobleme eine Rolle spielten. „Das Kreisjugendamt ist auch in diesen
Krisenzeiten weiterhin erreichbar. Wir gehen jedem Hinweis nach“, sagt Landrat Jochen Hagt. Unter der Familien-Hotline können sich Eltern beim Kreisjugendamt melden, die von der aktuellen Situation überfordert sind und Hilfe brauchen. Auch wer den Verdacht hat, dass Kinder leiden oder Angst vor ihren Eltern haben, kann dort anrufen. Es sei jedoch unbedingt zum „Double-Check zu raten“: Kreischende Geschwister, Getrampel auf dem Boden oder laute Musik in der Nachbarwohnung seien noch lange kein Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung. „Aber wenn die Kinder selbst um Hilfe rufen oder Eltern sagen: Ich schaffe das nicht mehr‘, dann sollte das Kreisjugendamt eingeschaltet werden“, rät Ralf Schmallenbach, Jugenddezernent des Oberbergischen Kreises.

Die Corona-Pandemie stellt dabei auch das Kreisjugendamt selbst vor neue Herausforderungen. So sind die Mitarbeitenden in den Bereichen Soziales und Familienhilfe meist in getrennten Teams unterwegs, um die Infektionsgefahr zu minimieren. „Entscheidend ist, dass der Kontakt zu Familien, die bereits vom Jugendamt betreut werden, nicht abreißt. Wo das Kindeswohl einmal in Gefahr war, gehen wir auch jetzt regelmäßig in die Familien, um sicherzustellen, dass es den Kindern gut geht“, so Ralf Schmallenbach. Um bei den Hausbesuchen die Infektionsgefahr möglichst gering zu halten, geht das Kreisjugendamt auch neue Wege. So kommen verstärkt Video-Chats zum Einsatz, Gespräche werden teils am Fenster geführt.

Bislang sei allerdings noch unklar, ob die Corona-Krise zu deutlich mehr Notrufen beim Kreisjugendamt führe. „Es sind oft die Pädagoginnen und Pädagogen in Schulen und Kitas, die sich mit Verdachtsfällen bei uns melden. Aber die sehen die Kinder und Jugendlichen aktuell ja nicht. Stattdessen könnte es aber zu mehr Meldungen von Nachbarn, Verwandten oder Bekannten kommen“, sagt Jürgen Töllner, kommissarischer Leiter des Kreisjugendamtes.

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