Bürgerinfo ohne Bürger, aber mit Substanz

Waldbröl Die einmalige Kreisstadt will sich herausputzen und öde Straßenzüge, gesichtslose Asphaltbänder, durch einladende Gehwege und ruhigere Fahrspuren ersetzen. Ein ausgeklügeltes Einbahnstraßensystem, das insbesondere der Kaiserstraße zugute kommt und dieser wieder Luft zum Atmen gibt, soll ab dem 20. April verwirklicht werden. Denn dann beginnen die Arbeiten zum größten Umbauprogramm in der Geschichte der Straße. Bis zum Spätsommer 2022 soll die Renommierstraße fertiggestellt sein.

In einer Bürgerversammlung wollte die Stadt Waldbröl ihren Einwohnern in diesen Tagen erklären, worauf sie sich während der Bauzeit einstellen müssen, wann und wo gebaggert wird, wann welche Umleitungen eingerichtet werden, wann die neuen Kanäle in die Erde gelegt werden. Man wollte das – und bei dem frommen Wunsch blieb es, denn Corona machte den Fachleuten der Bauverwaltung einen Strich durch die Rechnung. Eine Versammlung ist in diesen Tagen bekannterweise nicht zulässig, doch eine Bürgerinfo musste schon erfolgen. Dazu ist die Stadt in doppelter Hinsicht verpflichtet, rechtlich wie moralisch.

Deshalb ist die Stadt unter die Filmer gegangen: Die Bürgerinformation fand statt – aber ohne Bürger. Das erinnert ein wenig an die Heute-Show im Fernsehen, bei der Moderator Oliver Welke vor leeren Stuhlreihen kalauert. In Waldbröl waren es Bürgermeister Peter Köster, Fachbereichsleiter Hartmut Schröder und Klaus Marenbach vom Ingenieurbüro Donner & Marenbach sowie weitere Experten, die sich vor die Kamera stellten und die Pläne erläuterten. Auch künftig wollen sie über neue und alte Medien ans Volk gehen, um Pläne und Baufortschritte zu erklären.

Das Video mag etwas spröde sein – Bürgermeister Köster ist eben kein Oliver Welke und er wird es auch in diesem Leben nicht mehr werden. Dic die Information ist sachlich und gründlich; man bekommt einen guten Eindruck davon, wie sich Waldbröl verändern wird und welche Mühen das kostet. Prädikat also sehenswert.

Gebürtiger Remscheider und ans Zeitungsmachen gekommen beim Remscheider General-Anzeiger: Stefan Aschauer-Hundt lernte beim "Tüpitter", war Pressesprecher bei der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Redakteur der Westdeutschen Zeitung und langjähriger Redaktions- und Technikleiter des Süderländer Tageblatt im Sauerland. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung war er Mitglied im Projektteam Lokaljournalisten, einem Inkubator für journalistische Innovation. Stefan Aschauer-Hundt ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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