Ärztliche Ratschläge zur Coronavirus-Epedemie

Rheinisch-Bergischer Kreis Die zukünftige Leiterin des Gesundheitsamtes des Rheinisch-Bergischen Kreises, Dr. med. Sabine Kieth, ist Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und Allgemeinmedizin. Sie unterstützt bereits jetzt die bisherige Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Cornelia Scherzberg.

Zur aktuellen Coronavirus-Epidemie beantwortet sie einige grundlegende Fragen.

 

Worum geht es?

 

Was sind Corona-Viren?

Corona-Viren sind eine Familie von Viren, die meist Erkältungssymptome auslösen. Das neuartige Corona-Virus gehört dazu und trägt den Namen SARS-CoV-2 oder heißt Covid-19. „SARS“ ist die Abkürzung für “Schweres Akutes Atemwegssyndrom”.

Was sind die Symptome von COVID-19?

Die häufigsten Symptome sind Fieber, trockener Husten, Abgeschlagenheit, Halskratzen sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Gelegentlich leiden Betroffene unter Übelkeit und Durchfall. In sehr seltenen Fällen – meist, wenn Betroffene älter oder geschwächt sind – kann es auch zu Komplikationen wie einem Atemstillstand oder Organversagen kommen. Beim aktuellen Corona-Typ sind deshalb besonders Senioren gefährdet und Menschen mit Vorerkrankungen wie Krebs, Bluthochdruck, Herzschwäche, Asthma oder ähnlichem.

Grippewellen gibt es jedes Jahr. Was soll denn hier das Problem sein?

Der Influenza kann durch Impfung vorgebeugt werden kann, was bei dem neuartigen Corona-Virus noch nicht der Fall ist. Das Virus trifft zudem auf Menschen, für die das Virus komplett neu ist. Es muss erst „lernen“ darauf zu antworten. Das Corona-Virus ist überdies bereits in der Inkubationszeit hoch ansteckend. Zu diesem Zeitpunkt weisen viele Menschen noch keine Krankheitsanzeichen auf und wissen gar nicht, dass sie infiziert sind. Manche Betroffene entwickeln gar keine Symptome und verbreiten deshalb den Erreger in der gesamten Zeit intensiv weiter. Über die Gefährlichkeit anhand der Sterberate sind Fachleute uneinig. Sicher ist aber: Es erkranken derzeit extrem viele Menschen gleichzeitig. So gibt es auch mehr schwere Fälle, die alle gleichzeitig in den Kliniken versorgt werden müssen.

Wie kann man sich anstecken?

Vor allem über die so genannte Tröpfcheninfektion: Beim Niesen und Husten, aber auch beim ganz normalen Sprechen gelangen winzige Speichel-Tröpfchen aus Rachen, Luftröhre oder Lunge an die Luft. Sie werden von anderen Menschen eingeatmet. Tröpfchen sinken in der Luft rasch ab und werden somit nur bis zu einer Distanz von gut einem Meter übertragen. Deshalb empfehlen Experten, zu anderen Menschen etwa 2 Meter Abstand zu halten. Dann ist man vor den großen Tröpfchen schon einmal sicher.

Speichel-Tröpfchen können übrigens auch an Gegenständen haften, an Türklinken, Einkaufswagen und ähnlichem. Wer verunreinigte Flächen anfasst und anschließend sein Gesicht berührt, kann Viren in Mund, Nase oder Augen bringen. Laut Robert-Koch-Institut besteht die Möglichkeit, dass das Virus bis zu 6 Tage auf Oberflächen, wie Metall, Glas oder Plastik überleben kann. Deshalb ist Händewaschen so wichtig.

Wie lange dauert es von der Ansteckung bis zum ersten Symptom?

Diese Zeit nennt man Inkubationszeit. Laut der Weltgesundheitsorganisation dauert sie meist 5 bis 6 Tage, es können aber auch bis zu 14 Tage sein.

 

Wie schütze ich mich und andere vor Ansteckung?

 

Helfen Atemschutzmasken und Händedesinfektionsmittel?

Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel sollten dort zum Einsatz kommen, wo sie dringend gebraucht werden: In Arztpraxen und Krankenhäusern, wo viele Menschen und Krankheiten zusammentreffen. Für „Otto-Normal-Verbraucher“, die nicht pausenlos mit Kranken in Kontakt kommen, reicht gründliches Händewaschen, also mindestens 20 Sekunden mit Seife. Am wichtigsten sind richtiges Husten und Niesen (in die Armbeuge anstatt in die Hand) und das konsequente Abstandhalten von zwei Metern zu anderen Personen, kein Händeschütteln, sich nicht ins Gesicht fassen. Mehr Infos gibt es unter infektionsschutz.de.

Besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr während der Schwangerschaft?

Schwangere scheinen nach bisherigen Erkenntnissen weder ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung, noch für einen schweren Krankheitsverlauf zu haben.

Hilft eine Grippeimpfung, dass eine Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus milder verläuft?

Leider nein. Sie ist aber trotzdem eine gute Sache. Die Grippeimpfung senkt nämlich das Risiko einer zusätzlichen Grippeerkrankung, die es ja leider auch noch gibt. Gibt es zudem weniger Grippekranke, entlastet das Arztpraxen und Kliniken, die sich um Corona-Fälle kümmern müssen.

Dasselbe gilt übrigens auch für die Pneumokokkenimpfung. Diese ist derzeit nur noch sehr eingeschränkt verfügbar und wird voraussichtlich ab Mai wieder nachgeliefert

Was mache ich, wenn Familien- oder WG-Mitglieder krank sind oder husten?

Wenn jemand hustet, bedeutet es nicht automatisch, dass er oder sie vom neuartigen Corona-Virus betroffen ist. Prüfen Sie weitere Symptome wie Fieber, trockener Husten, Kopf- und Gliederschmerzen und nur falls diese auftreten, kontaktieren Sie Kinder- oder Hausarzt.

Was mache ich, wenn sich Familien- oder WG-Mitglieder angesteckt haben?

Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich sofort an das Gesundheitsamt des Rheinisch-Bergischen Kreises wenden. Es ist dabei egal, ob Sie Symptome haben oder nicht. Für medizinische Fragen und Termine für Abstriche ist das Bürgertelefon des Rheinisch-Bergischen Kreis geschaltet.

Ich fühle mich auch schon ganz komisch. Was mache ich, wenn ich keine Symptome habe, aber vermute infiziert zu sein?

Wenn Sie persönlichen Kontakt zu jemandem hatten, der laut Labortest erkrankt ist, melden Sie sich beim Gesundheitsamt. Falls Sie sich in einem vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenem Risikogebiet aufgehalten haben, sollten Sie unnötige Kontakte vermeiden und zu Hause bleiben. Falls Sie sich in einer Region aufgehalten haben, in denen COVID-19-Fälle vorkommen, die aber keine Risikogebiete sind, gilt: Wenn Sie innerhalb von 14 Tagen nach der Rückreise Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln, sollten Sie, nach telefonischer Anmeldung und mit Hinweis auf die Reise, einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Weitere Informationen erhalten Sie auch telefonisch unter 116 117.

Ich habe Symptome, bin aber nicht mobil. Was kann ich tun?

Wenden Sie sich bitte telefonisch an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin, der bzw. die einschätzt, ob eine COVID-19-Erkrankung vermutet wird. Alternativ rufen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst an.

 

Der Test

 

Wer entscheidet, ob ein SARS-CoV-2 Test durchgeführt wird?

Wer getestet wird, entscheiden derzeit die Kliniken und Hausärzte. Sie orientieren sich dabei an den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts. Symptome wie Fieber, Halsschmerzen und Atembeschwerden allein reichen demnach nicht aus. Betroffene müssen außerdem Kontakt zu einer infizierten Person gehabt oder sich in einer Region aufgehalten haben, in der das Virus flächendeckend nachgewiesen wurde.

Wo kann ich mich testen lassen?

Wenn Sie vermuten sich infiziert zu haben, wenden Sie sich bitte telefonisch an Ihren behandelnden Arzt oder Ärztin oder rufen die 116 117 an. Dann wird entschieden, ob Sie getestet werden müssen und man bespricht mit Ihnen die weiteren Schritte.

Ich will einen Test! Warum wird nicht bei allen ein Test veranlasst, die mit einer infizierten Person in Kontakt standen?

Es kommt darauf an, wann man sich angesteckt hat. Während der frühen Phase der Inkubationszeit kann es sein, dass ein Testergebnis fälschlicherweise negativ ausfällt, obwohl Betroffene infiziert sind. Zu diesem Zeitpunkt ist SARS-CoV-2 noch nicht zuverlässig nachweisbar. Zudem würden damit die Laborkapazitäten unnötig belastet.

Folglich gilt:

Ein Test ist medizinisch nicht sinnvoll, wenn man Kontakt zu einem bestätigten Fall hatte oder in einem Risikogebiet war und

  • es weniger als 14 Tage her ist und
  • man keine Symptome hat.

Dann ist es besser, sich bis zum Ende der Inkubationszeit zuhause aufzuhalten und Kontakte zu meiden.

Ein Test ist medizinisch sinnvoll, wenn man Kontakt zu einem bestätigten Fall hatte oder in einem Risikogebiet war und

  • man innerhalb von 14 Tagen Symptome aufweist.

Diese Personen sollten telefonisch das Gesundheitsamt kontaktieren.

Wer Kontakt zu jemandem hatte, der oder die wiederum Kontakt zu einem im Labor bestätigten Corona-Fall hatte, muss sich zunächst keine Sorgen machen. Man muss nicht in Quarantäne. In diesem Fall ist man keine Kontaktperson, hat kein erhöhtes Risiko für eine COVID-19 Erkrankung und kann auch niemanden anstecken. Bei Anzeichen einer Atemwegserkrankung sollte man sich testen lassen.

Darf ich überhaupt zum Arzt gehen?

Ja. Bitte melden Sie sich vorher unbedingt (!) telefonisch in der Praxis. Viele Praxen haben getrennte Bereiche für Patienten mit Infektionskrankheiten und Patienten ohne Symptome.

Wie wird eine Ansteckung festgestellt?

Es wird mit einem Wattestäbchen schmerzlos eine Probe aus den Atemwegen genommen. Das kann etwa Hustenschleim sein. Diese Probe wird dann im Labor auf das Virus untersucht.

Wieso dauert es so lange, bis ich ein Ergebnis bekomme?

Zurzeit müssen die Tests noch recht aufwendig in Laboren ausgewertet werden. Und es werden viele Menschen gleichzeitig getestet. Daher kann es aktuell bis zu eine Woche dauern bis die Ergebnisse vorliegen.

 

Nach dem Test

 

Okay, ich bin positiv getestet: Was mache ich jetzt?

Kontakte vermeiden, zu Hause bleiben, und: Hygiene, Hygiene, Hygiene! Meiden Sie auch zuhause körperlichen Kontakt zu anderen. Sind die Beschwerden stark? Dann rufen Sie am besten noch einmal Ihren Hausarztes oder Ihre Hausärztin an und lassen sich beraten. Leben in Ihrem Haushalt Personen der Risikogruppe (mit Vorerkrankungen? Immunsupprimiert)? Versuchen Sie hier räumlich Abstand zu halten, bzw. dieselben Räumlichkeiten nicht zeitgleich zu nutzen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einem positiven Test?

Bei einem positiven Text kann man abwarten, ob Symptome auftreten. In den allermeisten Fällen verläuft eine Corona-Erkrankung sehr milde. Viele Betroffene haben gar keine Krankheitsanzeichen. Gibt es Symptome, sind sie meist gut behandelbar, zum Beispiel durch den Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes. Problematischer als das Corona-Virus selbst sind oft eher Begleitinfektionen. Entstehen sie durch Bakterien, kann zum Beispiel ein Antibiotikum verabreicht werden. Gegen das Virus selbst gibt es kein Medikament. Bei einem schweren Verlauf kann die Behandlung in einem Krankenhaus erforderlich sein.

Ist man nach 14 Tagen wieder gesund?

Innerhalb von 14 Tagen, nachdem Sie mit jemandem Kontakt hatten, der bereits an COVID-19 erkrankt ist, können Symptome auftreten. Der Krankheitsverlauf ab dem Auftreten von Symptomen bei COVID-19 ist individuell verschieden. .

 

Klingt vielleicht seltsam, möchte man aber trotzdem wissen:

 

Kann das Virus über die Toilette in den Wasserkreislauf gelangen?

Ob Viren über den Stuhlgang übertragen werden können, ist nicht hinreichend erforscht. Man geht derzeit davon aus, dass sich SARS-CoV-2 vor allem über Schmier- und Tröpfcheninfektion überträgt.

Kann man sich über Produkte anstecken, die in China hergestellt wurden?

Nein.

Überträgt mein Haustier das Corona-Virus?

Die Weltgesundheitsorganisation schreibt, dass es keine Belege dafür gibt. Sie rät aber grundsätzlich dazu, sich die Hände zu waschen, nachdem man ein Haustier berührt hat.

Ich habe noch ganz viele andere Fragen!

Wenden Sie sich bitte an das Bürgertelefon des Rheinisch-Bergischen Kreises.

 

Hier noch einmal alle Telefonnummern und Kontakte im Überblick:

  • Bei Fragen zu Hygiene und Prävention: infektionsschutz.de
  • Bei Fragen zu ersten Symptomen: Kinder- oder Hausarzt, bzw. Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Tel. 116 117
  • Bei Kontakt zu infizierten Personen: Gesundheitsamt Rheinisch-Bergischer Kreis, Tel. 02202 – 13 22 21
  • Bei generellen oder medizinischen Fragen zum Thema und Terminen für Abstriche, Bürgertelefon 02202 – 13 13 13
    Montag-Freitag 8 – 18 Uhr, Wochenende 10 – 16 Uhr 

 

 

 

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