„Menschen zu begleiten, ist ein Geschenk“

Waldbröl  „Dass wir Zeit für intensive Gespräche mit Menschen haben und auf ihre Bedürfnisse eingehen können, das empfinde ich als ein großes Privileg“, sagt Sabine Achenbach, Koordinatorin beim Ambulanten Johanniter-Hospizdienst für Morsbach, Reichshof und Waldbröl. Bei der Feier zum 15-jährigen Bestehen des Hospizdienstes im evangelischen Gemeindehaus in Waldbröl blickte sie zurück: „Seit unserer Gründung haben wir mehr als 900 sterbende Menschen und deren Angehörige begleitet.“

Im Gespräch mit Moderator Jochen Gran, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Waldbröl, erzählte sie vom Start des Hospizdienstes im Jahr 2005: „Trotz Sturm und Schnee kamen damals zahlreiche Menschen nach Reichshof-Heidberg, um mit uns diese Arbeit ins Leben zu rufen.“ Initiator der Gründung war der im Jahr 2017 verstorbene und damalige Vize-Bürgermeister von Reichshof, Hans-Otto Gries. Er wünschte sich einen Hospizdienst für die Kommune und fand in den Johannitern sofort einen Träger dafür.

„Wir haben diesem Dienst gerne den Rahmen geboten, in dem die Helferinnen und Helfer gemäß unseres Leitbildes dazu beitragen, das Leid in der Welt ein Stück weit zu lindern“, erklärte bei der Feier in Waldbröl Malte Probst-von Müffling, ehrenamtlicher Regionalvorstand der Johanniter in Rhein.-/Oberberg. „Die Nachfrage nach Begleitungen ist seitdem kontinuierlich gewachsen“, ergänzte Hospizdienst-Koordinatorin Claudia Koch. So habe der Hospizdienst 60 Menschen im Jahr 2009 begleitet, 2019 waren es 109.

Das Sterben und die Trauer hat der Johanniter-Hospizdienst in den vergangenen 15 Jahren immer wieder öffentlich gemacht. Bei der Feier in Waldbröl waren die entsprechenden Projekte und Aktionen ausgestellt: Zu sehen waren unter anderem die Paradieshemden, die Jugendliche der Gesamtschule Waldbröl im Jahr 2015 gestaltet hatten, und in deren Taschen sie die Dinge steckten, die für sie auf dem Weg ins Leben nach dem Tod als wichtig empfanden. Der Hospizdienst hatte außerdem Musik- und Textvorträge über das Leben und den Tod, Fachvorträge zu Sterbebegleitung und Palliativarbeit oder Podiumsdiskussionen zur Krebserkrankung durchgeführt.

Dass auch Kinder die Trauer erleben und mit dem Sterben konfrontiert werden, zeigte das Projekt „Hospiz macht Schule“, das der Hospizdienst mehrfach in der Gemeinschaftsgrundschule in Wildbergerhütte durchgeführt hatte. „Kinder erleben das Sterben der Großeltern oder ihrer Haustiere, und in unserer Kita entdecken sie mitunter einen toten Vogel auf dem Außengelände“, erzählte bei der Feier in Waldbröl Nicole Kamelgan, Leiterin der Johanniter-Kita Holpe in Morsbach-Holpe. „Als pädagogische Fachkräfte sind wir daher sehr froh, dass uns der Hospizdienst bei der Begleitung der Kinder in ihrer Trauer zur Seite steht“, ergänzte sie. Denn seit zwei Jahren erarbeiten die Kita-Fachkräfte der Johanniter gemeinsam mit den Hospizdienst-Koordinatoren einen Leitfaden für die Trauerbegleitung bei Kindern. Für die Teams, die Eltern und die Kinder der Johanniter-Kitas aus Holpe, Reichshof-Wildbergerhütte und Nümbrecht-Grötzenberg war das ein Grund, das Jubiläum mitzufeiern: „Schön, dass Du da bist“, sangen sie auf der Bühne in Waldbröl und hielten mit den Gästen den Daumen hoch.

Einen neuen Lehrgang für ehrenamtliche Hospizhelferinnen und -helfer bieten die Johanniter ab dem 7. März 2020 in Waldbröl an. Dabei gibt es noch freie Plätze. Infos unter Tel. 02291 9265387 oder hospizdienst.rhein-oberberg@johanniter.de

Paul Kalkbrenner ist Herausgeber des Bergischen Boten. Der gelernte Schriftsetzer studierte in Köln Visuelle Kommunikation und arbeitete als Designer, Fotograf und Redakteur unter anderem für Musikexpress, Prinz und die Autozeitung. In den 90er Jahren war er mit T-Shirts wie "Keine Macht den Doofen" erfolgreich. 2008 gründete er den Bergischen Boten. Er entspannt sich bei Gartenarbeit und ist leidenschaftlicher Musikfan. Er wohnt mit seiner Familie in Kürten.

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