Ein Pater erhält den „Löstige Jeck“

Bergisch Gladbach Pater Jean Bawin wurde 1937 in Belgien geboren und absolvierte in 1956 bis 57 ein Noviziat in Passau im Orden der Salvatorianer. Als SDS (Societas Divini Salvatoris) wurde er sechs Jahre später in belgischen Hasselt zum Priester geweiht und war fortan ein Mann der Kirche. Sein Pastoraljahr verlebte er in Paris, studierte dort, machte Station in Freiburg und in der Schweiz, wurde von Kardinal Frings Ende der 60er Jahre zum Kaplan von Solingen-Wald ernannt, war acht Jahre Pfarrer in Solingen. Dann führten ihn seine Wege nach Hebborn. Zunächst „inkognito“ um zu erkunden, ob es ihm wohl in der Gemeinde, die einen neuen Pfarrer suchte, gefallen könnte. Doch schnell hatte er sein Herz ans Bergische verloren- naja, vielleicht auch noch ein wenig an die beiden ostfriesischen Inseln Langeoog und Spiekerog, die der sympathische Pfarrer besucht, wenn er den dortigen Seelsorger in dessen Urlaub vertritt. Dabei hofft er immer auf guten Wind, um in freien Minuten am Strand Drachen steigen zu lassen. Doch von diesen Ausflügen an die Nordsee abgesehen, blieb der Pfarrer dem Bergischen ab Oktober 1978 treu, gab Hebborn den Vorzug gegenüber den Wohn- und Wirkungsorten wie Rom oder Paris, die ihm auch gefallen hätten.

Auch die hiesige fünfte Jahreszeit hatte es dem beliebten, rührigen Pfarrer angetan. Mit seinen Messdienern und den „Hebborner Buure“ nahm er gerne am Bergischer Gladbacher Karnevalszug teil. Seine „legendären Kindergottesdienste“ wurden nicht selten von über 100 Kindern besucht. 2001 erbrachte seine Sternsinger Aktion mit 56 Kindern und 18 Helfern 14.700 DM.

Als 2007 auf Wunsch des Erzbistums Köln „ein jüngerer Pfarrer ans Ruder im Kirchenschiff“ in Hebborn gelassen werden sollte, tat dies dem Schaffensdrang von Pater Jean keinen Abbruch. Mit 70 Jahren wurde er Subsidiar im Pfarrverband Lerbach/ Strunde und dort sehr schnell Präses der KG „Fidele Ritter von Sand.“ Seit 11 Jahren nimmt er an allen ihren Veranstaltungen teil, denn sein Herz schlägt nach wie vor auch für den geliebten Karneval.

Überall im neuen Wirkungskreis gab und gibt Pater Jean sein Bestes. Mit seiner Familie skyped er, scannt und versendet Dokumente per E-Mail, dabei sind seine 82 Lebensjahre kein Hindernis. Wo Hilfe gebraucht wird, ist Pater Jean zur Stelle. Mundartmessen, Besuche von Bischöfen mit den Dreigestirnen der Stadt Bergisch Gladbach aber auch „geistliche Betreuung für Frauen und Männer in italienischen Badeorten“ stehen in seinem Terminkalender. Man könnte sein Werken auch mit dem Wahlspruch des Kardinals zusammenfassen, der ihn vor 60 Jahren zum Kaplan ernannte: „Pro Hominibus constitutus- Für die Menschen bestellt“.

Pater Jean ist ein bescheidender, liebenswerter Mensch und „Karnevalist im Herzen“, den der Regionalverband Rhein- Berg im Bund Deutscher Karneval nun mit einer seiner höchsten Auszeichnungen „in Anerkennung um das heimatliche Brauchtum“ ehrte. Er verlieh dem sichtlich überraschten und gerührten „Kirchenmann“ im Rahmen des alljährlich stattfinden festlichen „Gala-Capitels“ der KG „Fidele Ritter von Sand“ den „Löstige Jeck“. Einen schöneren Rahmen für diese, nur alle drei Jahre in Bergisch Gladbach verliehene Auszeichnung hätte man nicht finden können.

Pater Jean Bawin (Präses „Fidele Ritter von Sand“), freute sich, Elmar Schneider (RRB) trägt den „Löstige Jeck“ Präsident Rolf Woschei (RRB) strahlt über die gelungene Überraschung, Udo Herrmann ( Zeremoniar „Fidele Ritter von Sand“) hält die Urkunde für den Ausgezeichneten in Händen

Susanne Schröder