Ein Baum für jeden Bergischen Boten

Ein Baum für jeden Bergischen Boten

Kürten In Australien brennt ein halber Kontinent, im Bergischen Land vertrocknen so viele Fichten und Lärchen, dass der Wupperverband nicht mit dem Fällen und dem Abtransport des mit Borkenkäfern verseuchten Holzes hinterherkommt. Die Freisetzung von Kohlen- dioxid, CO2, heizt die Atmosphäre auf, schafft das, was uns allen Sorge bereitet, den Klimawandel, die Klimakatastrophe
Steigt man tiefer in die Diskussion ein, begegnet man mehr einem Glaubenskrieg als wissenschaftlichen Fakten. Veganer verurteilen die Fleischesser, weil industrielle Rinderzucht CO2 erzeugt, dabei lieben wir Deutschen Schweinefleisch, Rind macht nur 10% des Fleischkonsums in Deutschland aus. Andere verurteilen den zu hohen Papierverbrauch, vergessen aber, dass alleine in Deutschland die Nutzung des Internets im Jahr 55 Tera Wattstunden Strom verbraucht, wofür 10 mittlere Kraftwerke benötigt werden. Etwa 33 Millionen Tonnen CO2 werden dadurch im Jahr freigesetzt.

Da mutet es dann doch über- schaubar an, was eine Ausgabe des Bergischen Boten mit 50.000 Exemplaren Auflage an CO2 produziert, nämlich 13,7 Tonnen. Trotzdem waren wir schockiert, als die Druckerei uns diesen Wert ausrechnete und auf den Tisch legte. Zum Vergleich, die gesamte Auflage einer Ausgabe des Bergischen Boten wiegt 7 Tonnen.
Für 170,- Euro hätten wir den Bergischen Boten „klimaneutral“ stellen können, dafür wäre dann
in Brasilien der Regenwald wieder aufgeforstet oder in Uganda Bäume gepflanzt worden. Und schon befinden wir uns mitten in der Diskussion über den Handel mit Klimazertifikaten. Steigt man hier tiefer ein, wird es ebenfalls zunehmend ideologischer und unwissenschaftlicher. Mich erinnert es an den Ablasshandel der katholischen Kirche im Mittelalter: „Gib mir dein Geld und deine Sünden sind dir vergeben“.

Was springt bei dem Erwerb eines solchen Zertifikats für meine Heimat ’raus, fragte ich mich, für mein Dorf, für die Menschen in den Städten und Gemeinden in meiner Umgebung? Und tragen diese 170,- Euro irgendetwas zur Bewusstmachung der Klimaveränderung bei? Ausgerechnet in China fand ich darauf eine Antwort.
Bereits 1981 verpflichtete die dortige Regierung alle Chinesen ab einem Alter von elf Jahren jedes Jahr drei Baumsetzlinge zu pflanzen. Allein zwischen 2000 und 2010 haben die Bürger 56 Milliarden Bäume gesetzt. Sie nennen es die „Große Grüne Mauer“. Blicken wir an dieser Stelle ganz kurz in die deutsche Vergangenheit. Was sagte Martin Luther, der große Reformator gegen den Ablasshandel, bereits im 15. Jahrhundert? „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen“.

Genau daran möchten wir uns ein Beispiel nehmen. Für jede Ausgabe des Bergischen Boten pflanzen wir ab sofort ein Apfelbäumchen. Das erste von der Sorte „Ingrid Marie“ schenken wir der Gesamtschule Kürten. Gleich gegenüber dem von den Schülern angelegten Insektenhotel findet die aus Norddeutschland stammende süß-säuerlich schmeckende Apfelsorte ein neues Zuhause. Sicher, es ist mehr eine symbolische Handlung, denn selbst im ausgewachsenen Zustand wird der Baum die CO2-Bilanz eines Bergischen Boten nicht durch seine Photosynthese ausgleichen können. Aber es ist ein Beispiel, ein Anfang, und zudem einer, den man essen kann.

Der Künstler Michael Flossbach gestaltete den dazugehörigen Grauwacke Findling.

Möchten Sie auch einen Apfelbaum von uns geschenkt bekommen? Dann schicken Sie uns eine E-Mail an: primaklima@bergischerbote.de
Teilnahmeberechtigt sind öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten, private Initiativen, die ihre Gemeinde verschönern möchten, und ähnliche.

Paul Kalkbrenner ist Herausgeber des Bergischen Boten. Der gelernte Schriftsetzer studierte in Köln Visuelle Kommunikation und arbeitete als Designer, Fotograf und Redakteur unter anderem für Musikexpress, Prinz und die Autozeitung. In den 90er Jahren war er mit T-Shirts wie "Keine Macht den Doofen" erfolgreich. 2008 gründete er den Bergischen Boten. Er entspannt sich bei Gartenarbeit und ist leidenschaftlicher Musikfan. Er wohnt mit seiner Familie in Kürten.