Sven Garrecht gewinnt 8. Rösrather Kabarettfestival

Rösrath Das achte Rösrather Kabarettfestivals überzeugte nicht nur mit Wort- sondern auch mit Stimmgewalt. Das Besondere: Alle Finalisten boten Musikkabarett und präsentierten ihre humorvoll- satirischen Inhalte am Piano oder mit Gitarrenbegleitung, glänzten mit Gesang auf höchstem Niveau und beherrschten ihre Instrumente virtuos. Noch nie war der Ausgang des Finales so spannend, die Wahl des Publikums fiel am Ende dennoch eindeutig aus: Sven Garrecht überzeugte die Mehrheit im gut gefüllten Bergischen Saal von Schloss Eulenbroich mit seiner Mischung aus charmant erzählten Anekdoten, pointierten Kurzgedichten und schwungvoller Begleitung am Piano und schien am Ende selbst am meisten überrascht von seinem Erfolg.

Wie immer präsentierten acht Nachwuchskabarettisten zuvor an zwei Abenden Ausschnitte aus ihren aktuellen Programmen, die auf Platz eins und zwei gewählten Talente kämpften im Finale nochmals um die Gunst der Zuhörer: Am ersten Abend setzten sich Sven Garrecht und das Duo Ingo & Simon durch, am zweiten Anne Folger sowie das Duo Florian Albers & Tamara Peters.
Garrecht überzeugt das Publikum sowohl in der Vorentscheidung als auch im Finale und erobert mit seinem „Schwiegersohn-Charme“ die Herzen der Zuhörer im Sturm. Eingebettet in eingehende Melodien nimmt er sie mit auf seine erste Tuchfühlung mit dem weiblichen Geschlecht, die sich dann zur Enttäuschung des Entflammten als „Musterung“ entpuppt. Ähnlich verläuft das Täuschungsmanöver bei seinem Gassenhauer „Das wird teuer“, in dem es um die nicht erhörte Liebe zu einer Politesse geht, die ihn zu unzähligen Verkehrssünden verführt, die entsprechende Bußgelder nach sich ziehen. Eingängige Reime wie „Weil ich den Po nie vergesse, von dieser Po-litesse“ kommentiert er selbstkritisch und bietet dem Publikum an, den Refrain in „halt deine Chauvi-Fresse“ um zu texten. Bissig blickt er auch auf gealterte „männliche Tiger“, nicht ohne sich selbst als „Apotheken-Umschau-Leser“ mit gerade mal 30 zu entlarven.

Politische Seitenhiebe fehlen in seiner Darbietung, dafür ist im Finale vor allem das Duo Ingo & Simon zuständig, das eine ganz neue Tonart mitbringt. Die beiden Bonner rappen zur Gitarre, was die Bühne hält, und nehmen kein Blatt vor den Mund. Ihr Thema: Die Natur und der Raubbau an ihr, Bienensterben, mit Glyphosat verseuchte Felder, Profitgier der Großkonzerne – ihre Kritik ist laut und deutlich, was im Rapp hohe Sangeskunst erfordert, dem ein oder anderen aber möglicherweise zu weit nach links geht. Mit ihrer Einlage landen sie an vierter Stelle.
Platz zwei vergibt das Publikum an Florian Albers & Tamara Peters, die ihre Musicalherkunft nur schwer verbergen können. Steppend, singend und schauspielend persiflieren sie die Geschichte eines modernen jungen Ehepaares und nehmen sich eine Reihe von Klischees wie den wehleidigen kranken Mann, überehrgeizige, herzlose Eltern und die liebe, buckelige Verwandtschaft vor, die auf einer Familienfeier nervt. Besonders Tamara Peters brilliert mit Gesang und einem gewaltigen
Stimmumfang, der beinahe vergessen lässt, dass es um Kabarett- und nicht um einen Gesangswettbewerb geht.

Großes Talent zeigt auch die auf Platz drei gewählte Künstlerin Anne Folger. Sie macht keinen Hehl aus ihrer Liebe zur klassischen Musik und verquickt diese auf geniale Weise mit ironisch- parodistischen Elementen. Wie sie den „Türkischen Marsch“ von Mozart sukzessive eindampft, um damit die Sparpolitik im Kultursektor zu kritisieren, ist genial. Ebenso anspruchsvoll, aber deutlich eingängiger ihre Parodie auf die You Tube Tutorials, in der sie als „Do Re Mi Fa So La“ die „Für Elise- Edition“ anpreist und urkomisch die Sprache einer Influencerin mit der Sprache der Musik verquickt.

Mit viel Humor und Spaß führten Dr. Jürgen Rembold, dessen Stiftung zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements das Preisgeld von insgesamt 3000 Euro stiftet, und Ingrid Ittel- Fernau, Leiterin des Rösrather Kulturvereins, durch die drei Kabarettabende. Mit einem Augenzwinkern wiederholte Rembold seine Forderung, die Veranstaltungsreihe als „immaterielles Weltkulturerbe“ anzuerkennen, und stellte fest, dass ein Sieg in Rösrath für viele Künstler ein Karrieresprungbrett mit Folgeauftritten auf großen Bühnen bedeutet. Bekanntester Shooting-Star vergangener Kabarettfestivals ist Johannes Schröder, der mit seiner Lehrerparodie „World of Lehrkraft“ 2018 den Prix Pantheon gewonnen hat und ebenso wie Özgür Cebe mit „Ghettos Faust“ auf zahlreichen Bühnen und im Fernsehen Erfolge feiert.

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