Sport ist eine gesellschaftliche Macht

Den Olympischen Gedanken voran bringen: Reihe hinten v.l. Henrik Beuning (Geschäftsführer Kreissport-Bund), Markus Pähler (Geschäftsführer Rheinischer Turnerbund), Philip Erbers, Eric Schneidenbach (DTB), OB Ullrich Sierau, Landrat Stephan Santelmann, vorne v.l. Wilfried Braunsdorf (RTB), Ulla Koch, Sarah Voss, Uli Heimann (KSB)

Bergisch Gladbach „Wenn wir über den Tellerrand schauen, können wir den RTB zukunftsfähig machen.“ In seiner Begrüßung ging Winfried Braunsdorf, Präsident des Rheinischen Turnerbundes im gemeinsamen Neujahrsempfang mit dem Kreissportbund Rheinisch-Bergischer Kreis ein. Über den Tellerrand zu schauen, wenn auch bei jedem Sprecher etwas anders formuliert, war der Tenor der Veranstaltung.

Was macht hier ein Westfale? Ullrich Sierau, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund und langjähriger Sprecher der Trägervereine der Olympiastützpunkte NRW, beantwortete seine Frage selbst. Er warb für gemeinsames Auftreten, eben „über den Tellerrand“ zu schauen, wenn es um die Bewerbung der Metropolregion Rhein-Ruhr für die Ausrichtung der Olympischen, wie Paralympischen Spiele in 2032 gehe. Besonders gefällt ihm der Gedanke, „auf Schalke“ die Olympischen Schwimmwettkämpfe anzuschauen. Olympische Vorgabe sei ein fünf Meter tiefes Schwimmbecken, in der Schalker Arena kann man das mit einem temporären Becken möglich machen. Der Vorschlag erntete bei den Zuhörerinnen und den Zuhörern in der Rheinischen Landesturnschule zustimmenden Applaus.

Zuvor hatte Eric Schneidenbach, Geschäftsführer der Marketing Gesellschaft im Deutschen Turner-Bund, Zahlen vergangener Großevents präsentiert. Bei den Finals in Berlin, hier wurden 2019 in einem Veranstaltungsformat zehn Deutsche Meisterschaften (Bahnradsport, Bogensport, Boxen und Kanu, in der Leichtathletik, beim Modernen Fünfkampf, Schwimmen sowie Turnen, Triathlon und Trial) durchgeführt, schauten über 10.000 Menschen live zu. Über 1,2 Mio. saßen vor den TV-Bildschirmen und rund 113.000 registrierte Zuschauende waren es über die Social-Media-Kanäle.
Ins Verhältnis gestellt zu vorangegangenen Großveranstaltungen lassen die Zahlen aus Berlin einerseits auf mehr Interesse hoffen, wenn man sportliche Events in die Metropolen hole, andererseits lohne der persönliche Einsatz und Flexibilität für Sendezeiten im TV.

Gemeinsam für den Sport, Politiker*innen und Sportfunktionär*innen, Sportler*innen und ehemalige Aktive

„230 Sportvereine mit rund 65.000 Mitgliedern, wir sind eine sportbegeisterte, pulsierende Region.“ Stephan Santelmann, Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises, dankte allen Aktiven in den Vereinen und den Verantwortlichen in der Politik, die sich für den Sport einsetzen. Vor allem müssten alle Entscheidungen, mit Blick auf Nachhaltigkeit getroffen werden. Martin Hartmann, als Vizepräsident des Deutschen Turnerbundes unter anderem zuständig für Großveranstaltungen, plädierte, „wir wollen gemeinsam die Faszination Turnen sichtbarer machen.“

Bei den Ausführungen von Philip Erbers, Geschäftsführer von Rhein Ruhr City 2032, wurde es dann endlich konkreter. Ganz wichtig, die Initiative ist privatwirtschaftlich finanziert und damit in der jetzigen Phase unabhängig von Politik und anderen Gremien. Entstanden sei die Idee, Olympia in die Region zu holen, im Jahr 2016. Inzwischen sind die Initiatoren schon sehr weit in ihren Überlegungen.
90 % der nötigen Spielstätten seien bereits vorhanden. 641.000 Plätze für live Zuschauende wären damit auch schon gesichert. Zieht man einen Kreis um alle möglichen 14 Austragungsorte, kommt man auf eine maximale Distanz von 63 Kilometern. Damit hat man Kritikern, die das Gebiet für zu groß erachtet hatten, gleich den Wind aus den Segeln genommen. Bei den Olympischen Spielen in Brasilien waren die Sportstätten noch ein paar Kilometer weiter voneinander entfernt. Warum Aachen in die Planungen integriert sei, bei Rhein-Ruhr denke man ja nicht sogleich an die Stadt am Niederrhein, liegt dennoch nahe: Die Reitsportanlage in Aachen wäre idealer Standort für Olympia.

Drei Themenschwerpunkte habe man bei der weiteren Vorbereitung, ehe es ans Bewerben ginge, in den Focus genommen. Erstens: Mobilität. Hier arbeiten die Initiatoren mit Fachleuten der RWTH Aachen zusammen. Zweitens: Wohnen. 17.500 Sportlerinnen und Sportler plane man für olympische Dörfer als Erfahrungswert immer ein. Da ist viel Potential, konkreter will Erbes hier nicht werden, vertröstet mit Plänen hierfür auf das laufende Jahr. Drittens: Arbeitsplätze der Zukunft. „Unser Potential liegt nicht mehr unter der Erde, sondern zwischen den Ohren“, mit diesem Bild hat Erbes eigentlich schon alles gesagt. Die Region biete sehr viel mehr als es Silicon Valley je getan hätte. „Und das sei nicht nur eine Vision“, schmunzelt Erbers.

Pro-Olympia in der Region – bis auf zwei Unentschlossene waren auch alle Gäste dafür. Abgestimmt wurde in Echtzeit per smartphone.

In der von Sebastian Hempfling moderierten Podiumsdiskussion kam dann auch noch eine aktive Sportlerin zu Wort. Sarah Voss, dreifache Deutsche Meisterin und WM-Siebte im Kunstturnen, hofft auf ihre Nominierung für Tokyo und kann sich Olympische Spiele vor der Haustüre sehr gut vorstellen. „Wenn Familie und Freunde in der Nähe wären, gibt das nochmal einen besonderen Schub.“

Uli Heimann, Vorsitzender des Kreissportbundes, lud im Anschluss noch zu Gesprächen ein. Er dankte besonders Bundestrainerin Ulla Koch für ihr Kommen. Die Cheftrainerin des Deutschen Turner-Bundes hatte am Freitag den „IOC Coaches Lifetime Achievement Award“ in Anerkennung ihrer außergewöhnlichen Arbeit verliehen bekommen.