Gastro-Tipp: Getrüffelter Saiblingzauber

Bergisch Gladbach Etwas verwunschen ist der Eingang in das Fachwerkhaus, zwischen Herbstlaub und abgestellten Sommermöbeln. Neben der Türe ein kleines Schild „Handys bitte ausschalten“. Kaum habe ich die Türklinke gedrückt, empfängt uns der Hausherr mit einem Lächeln und begleitet uns zu unserem Tisch. An einer überdimensionalen Dröppelminna vorbei, zwischen Antiquitäten und unter einem Himmel voll verschiedenster Lampen geht es zu einem gemütlichen Eckplatz. Das Restaurant ist bis auf den letzten Platz gefüllt, an einem Mittwoch. Eine angenehme Geräuschkulisse in heimeliger Atmosphäre umgibt uns. Auf dem rustikalen, hellbeige lackierten Holztisch liegt die zusammengerollte Speisekarte mit einer blauen Schleife gebunden.

Es gibt kein à la Carte, sondern nur ein 6-Gänge-Menü. „Sie können gerne nur vier Gänge wählen“, klärt uns Gastgeber Joël Schramm auf. Meine Bessere Hälfte erklärt, dass sie Vegetarierin sei. „Essen Sie Fisch? Dann hätten wir stattdessen einen Lachs für Sie“, demonstriert Schramm seine Flexibilität.

Nach wenigen Minuten erreicht uns ein Gruß aus der Küche, gelber Kaviar mit Avocado im Blätterteighörnchen. Kurze Zeit später kommt die Weinkarte, uns wird ein fruchtiger Riesling empfohlen.
Kaum, dass wir den Riesling unsere Gaumen haben klären lassen, folgt der erste Gang. Kräftig schmeckendes Thunfischtatar, sehr zart mit Honigmelone- und Avocadostücken sowie roten Granatapfelkernen, die dem Ganzen eine exotische Süße und Säure geben.
Als zweiter Gang folgt ein schaumig gerührtes Hokaidokürbissüppchen mit gerösteten Kürbiskernen und einem Hauch Balsamico. Ein herzhaftes und doch leichtes, wärmendes Startup, genau das Richtige für die kalte Jahreszeit.

Ein großes Lob an dieser Stelle für den Service. So gut getimed, so zügig haben wir noch in keinem Sterne-Restaurant gespeist. Es folgt ein Seesaibling im Spitzkohlbett und unsere ersten Trüffel der Saison. Die knusprige Haut des Saiblings zergeht ebenso auf der Zunge wie das weiße Fleisch, ideal ergänzt von den knackigen, dünnen Kohlstreifen und großzügig verteilten schwarzen Wintertrüffeln.

Ein kühles Mango-Chili-Sorbet, das verdächtig echt nach wirklicher (Flug)mango schmeckt, neutralisiert den Gaumen für den nächsten Hauptgang. Ein aufmerksamer junger Kellner füllt unsere Weingläser nach. Da naht mein Hauptgang, Lammkaree mit Macadamiakruste.Zartrosa schaut das junge Lammfleisch unter einer dicken Haube aus Nussbröseln hervor, dazu schlanke Pilze zu einem Klecks Kartoffelpüree. Magische Röstaromen entfalten sich auf meiner Zunge. Das abschließende Schokoladensuffle, cremig aus dem Törtchen herausfließend, mit Birnensorbet ist der würdige Abschluss eines gelungenen Dinners.

Paul Kalkbrenner ist Herausgeber des Bergischen Boten. Der gelernte Schriftsetzer studierte in Köln Visuelle Kommunikation und arbeitete als Designer, Fotograf und Redakteur unter anderem für Musikexpress, Prinz und die Autozeitung. In den 90er Jahren war er mit T-Shirts wie "Keine Macht den Doofen" erfolgreich. 2008 gründete er den Bergischen Boten. Er entspannt sich bei Gartenarbeit und ist leidenschaftlicher Musikfan. Er wohnt mit seiner Familie in Kürten.