„Deutschland muss seine eigenen Interessen stärker definieren“

Helmut Vilmar, Vorstand der Volksbank Berg mit dem Redner des Abends Klaus von Dohnanyi und Reiner Irlenbusch, Geschäftsführer der Bergland Gruppe.

Wipperfürth „Die Griechen wären keine guten Deutschen und die Deutschen wären keine guten Türken.“ Mit trockenem hanseatischem Humor und Verve, trotz seiner 91 Jahre, brach der ehemalige Erste Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, Klaus von Dohnanyi, eine Lanze für nationale Selbstbehauptung. Den Griechen würde in Deutschland die Sonne fehlen und die Deutschen könnten die türkischen Großfamilien nicht verstehen.

Die Volksbank Berg hatte am Donnerstag, 24. Oktober 2019, ins Autohaus Bergland zu einem Vortrag des ehemaligen Bundesministers für Bildung und Wissenschaft geladen. Vor über hundert Zuhörern erklärte Dohnanyi den zunehmenden Nationalismus zur demokratischen Antwort auf die Globalisierung. Auch wenn es vielen nicht gefalle, „müssen wir lernen damit umzugehen“. Der Einzelne fühle sich von der Globalisierung überfordert und die Trumps und Urbans gäben „ich will höflich bleiben“ allzu simple Antworten. Antworten, die für Deutschland nicht stimmen würden. „Wir sind eine Exportnation und brauchen offene Grenzen.“ Deutschland brauche ebenfalls ein starkes Europa. Die USA wären in einer ökonomischen und politischen Verfassung, mit der man einen theoretischen EU-Aufnahmeantrag ablehnen müsse.

„Jedes Land muss seine Form zu leben finden. Aber kein Land ist mehr wirklich autonom.“ Wenn in Deutschland die Mieten steigen habe das unmittelbar mit den Zinsen am Weltmarkt zu tun. „Wenn es für Kapital keine Zinsen mehr gibt kauft es Immobilien und damit diese Rendite abwerfen müssen die Mieten steigen“. Doch man könne die Uhr nicht zurückdrehen. Ohne Smartphones gäbe es zwar weder Migration noch Terrorismus, aber die Vorläufer dieser ultraschnellen Kommunikation seien Eisenbahn, Autos und Flugzeuge. Diese abzuschaffen sei keine Lösung. Auch die Föns junger blonder Mädchen bräuchten Strom.

Deutschland müsse seine nationalen Interessen stärker definieren und Kompromisse finden, damit Europa gemeinsam handeln könne, so sein Credo.

Vor über hundert Gästen sprach Klaus von Dohnanyi in Wipperfürth.

Vor über hundert Gästen sprach Klaus von Dohnanyi in Wipperfürth.

Beim anschliessenden Büffett konnten sich die geladenen Gäste, darunter viele Wipperfürther Unternehmer und Einzelhändler, austauschen.

Paul Kalkbrenner ist Herausgeber des Bergischen Boten. Der gelernte Schriftsetzer studierte in Köln Visuelle Kommunikation und arbeitete als Designer, Fotograf und Redakteur unter anderem für Musikexpress, Prinz und die Autozeitung. In den 90er Jahren war er mit T-Shirts wie "Keine Macht den Doofen" erfolgreich. 2008 gründete er den Bergischen Boten. Er entspannt sich bei Gartenarbeit und ist leidenschaftlicher Musikfan. Er wohnt mit seiner Familie in Kürten.

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