Interview: Ich komm jetzt öfter

Remscheid „Das Tier in dir“ im WDR, „Schillerstraße“ auf Sat1 oder der „Comedy Contest“ im NDR– man kennt Lisa Feller (auch) aus dem Fernsehen. Ihre Heimat ist aber die Kleinkunst-Bühne. Bevor sie mit einer Preview ihres fünften Solo-Programms in Remscheid vorbeischaut, haben wir uns mit ihr über perfekte Fotos, unlustige Männer und gut vorbereitete Premieren unterhalten.

BB: Bevor wir über den Inhalt deines neuen Programms sprechen, ein kurzer Blick auf dessen Titel: Nach „Guter Sex ist teuer” und „Der nächste, bitte” vermute ich, dass die Doppeldeutigkeit von „Ich komm‘ jetzt öfter!” Absicht ist.

Lisa Feller: (lacht) Ja, huch, das fällt mir jetzt erst auf.

BB: Ist das ein Akt der Emanzipation, als Frau sexuelle Anspielungen zu machen, oder Effekthascherei?

Feller: Beides. Effekthascherei klingt vielleicht ein bisschen negativ, aber so ein Programmtitel muss ja irgendwie hängen bleiben. Wenn das heißen würde „Ich erzähle lustige Geschichten über mein Leben, aber auch über andere”, dann kommt ja keiner.

BB: In deinen bisherigen Programmen hast du viel von deinem Leben als Mutter berichtet. Als eine der wenigen in der Branche. Moritz Neumeier spricht über das Leben mit Kindern, Christiane Olivier über ihren pubertierenden Sohn. Aber dafür dass so viele Menschen selber Eltern sind, ist das Thema in der Comedy irgendwie unterrepräsentiert.

Feller: Sven Hieronymus erzählt auch sehr lustig von seiner pubertierenden Tochter. Aber ich glaube, die Erklärung ist vielleicht, dass man als Frau näher dran ist, ohne da jetzt Klischees bedienen zu wollen. Ich sitze oft mit Männern backstage und die sagen: „Boh, ich war jetzt eine Woche unterwegs, ich freue mich voll auf meine Familie”. Ich könnte das gar nicht leisten, eine Woche lang weg zu sein, schon organisatorisch nicht, weil ich ja auch noch alleinerziehend bin. Ich verbringe also unheimlich viel Zeit mit meinen Kindern und dadurch entstehen dann auch meine Themen. Und hinzu kommt noch, dass sich zwar viele das Leben lieber von einem Mann erklären lassen, aber nicht bei diesem Thema.

BB: Bist du eigentlich lieber Gastgeberin einer Mixed-Show oder Teilnehmerin?

Feller: Das hat beides seine Vor- und Nachteile. Wenn man Gast ist, macht man seinen Job und geht wieder und hat nicht so viel Verantwortung. Auf der anderen Seite ist das auch total schön, wenn man merkt, dass man den ganzen Wumms zusammenhält. Da kommt wieder das Mutti-mäßige durch.

BB: Ich frage, weil du mit zwei Kolleginnen zusammen die Moderation der „Ladies Night” im WDR von der großartigen Gerburg Jahnke übernommen hast. Eine Sendung, bei der ich mich jedesmal frage, ob es eigentlich gut oder schlecht ist, dass es eine eigene Comedy-Sendung nur für Frauen gibt.

Feller: Das ist weder gut noch schlecht, sondern einfach nötig. Sobald in allen anderen Comedy-Sendungen genauso viele Frauen wie Männer vorkommen, kann man es lassen. Aber das ist ja nicht so.

BB: Du bist ja auch Mitglied einer Facebook-Gruppe für lustige Frauen – ihr müsst euch also echt noch organisieren?

Feller: Ja, das ist leider so. Solange es noch Veranstalter gibt, die sagen, dass sie keine lustigen Frauen finden, und solange es Zuschauer gibt, die sagen, dass Frauen generell nicht lustig sind, bleibt es mühsam.

BB: Gibt es eigentlich Unterschiede? Gibt es weiblichen und männlichen Humor?

Feller: Es gibt vor allem unfassbar unlustige Männer. Carolin Kebekus hat das mal gesagt: Die Frage ist nicht, warum gibt es wenige lustige Frauen, sondern warum gibt es so viele schlechte Männer. Denen verzeiht man das offensichtlich, weil sie mit breiter Brust da stehen.

BB: Simone Solga hat mir mal im Interview gesagt, dass es sie nervt, dass bei weiblichen Kleinkünstlern immer die Optik eine Rolle spielt. Niemand würde den Pulli von Volker Pispers kritisieren, aber ihre Rocklänge und ihre Haarfarbe würden fast immer erwähnt.

Feller: Lustig, dass sie das auch so sieht, es ist immer total ein Thema. Selbst wenn man eine gute Kritik bekommt, kommt da gerne mal eine Formulierung wie „die blonde Kabarettistin” oder „die hübsche Blondine” drin vor. Aber ich habe noch nie über Dieter Nuhr „der brünette Kabarettist” gelesen.

BB: Aber wenn ich mir eure offiziellen Programm-Fotos ansehe, dann sehen Kollegen wie Olaf Schubert, Hennes Bender oder Friedemann Weise auf ihren Bildern oft lustig bis seltsam aus. Während Carolin Kebekus, Enissa Amani oder du, ihr habt nur perfekte Fotos, auf denen ihr absolut fantastisch ausschaut.

Feller: Ja, weil wir es können. Wie soll Hennes Bender das auch hinbekommen. (lacht) Schöne Grüße an Hennes, ich hoffe, er weiß, wie ich das meine.

BB: Könnt ihr oder müsst ihr gut aussehen?

Feller: Es gibt nach wie vor verschiedene Parameter, mit denen da geguckt wird. Es gibt ja auch Frauen, die lustige Bilder mit komischen Gesichtern machen. Aber da ist dann oft die Reaktion, dass die Leute sich das nicht so gerne angucken. Wenn ein hässlicher Mann auf der Bühne sagt, dass er Single ist, machen alle „ooh”. Sagt das eine hässliche Frau, sagen alle: Wir wissen auch, warum.

BB: Du spielst in der Lenneper Klosterkirche eine von 16 Previews deines neuen Programms. Dass Comedians Neues ausführlich testen, das kenne ich ja. Aber 16 Previews sind echt viel, oder?

Feller: Ja, weil ich fleißig bin (lacht). Nein, ich habe einfach die Erfahrung gemacht, dass ich das brauche. Ich möchte in eine Premiere gehen mit dem Gefühl, dass ich etwas präsentiere, was mir wirklich gefällt. Ich kenne so viele Premieren, wo die noch mit dem Textheft sitzen oder die Hälfte vom alten Programm spielen. Das ist alles in Ordnung, das macht jeder wie er meint. Aber ich möchte bei der Premiere alles rund haben.

BB: Worauf dürfen wir uns denn bei „Ich komm‘ jetzt öfter!” freuen?

Feller: Es ist ein wenig wie eine Stand-Up-Soap, wer alle meine Programme gesehen hat, begleitet mich ja quasi durch mein Leben. Und in diesem Sinn geht es jetzt auch weiter. Ich erzähle also, was mir in den letzten Jahren so passiert ist. Ich mag das ja, den Alltag zu beobachten, und finde auch, dass es gesellschaftlich relevant ist, wie Menschen miteinander umgehen. Und vor allem ist es lustig.

Lisa Feller „Ich komm‘ jetzt öfter!“ Mi, 25. September , Remscheid, Klosterkirche,
www.klosterkirche-lennep.de 

Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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