Regionale 2025: Erste Projekte starten bald

In der Halle 51 soll das „Innovation Hub Bergisches RheinLand“ entstehen.

Bergisches Rheinland Gut zwei Jahre nach der Entscheidung, die Regionale 2025 ins „Bergische Rheinland“ zu vergeben, kommen die ersten Projekte ins Rollen. Zwei Vorschläge, einer in Rhein-, einer in Oberberg, wurden vom Lenkungsausschuss mit dem A-Status versehen, also zur Umsetzung empfohlen. Viele weitere sollen bis 2025 folgen. So könnten in den kommenden Jahren bis zu 100 Millionen Euro Fördermittel vom Land NRW in die Region gelotst werden, schätzen Experten.

Das Strukturförderprogramm Regionale wurde im Jahr 2000 vom Land NRW ins Leben gerufen. Seither wird regelmäßig, erst alle zwei, später alle drei Jahre, eine bestimmte Region gezielt gefördert. Dafür wird allerdings kein eigener Etat geschaffen, stattdessen bekommen alle grundsätzlich förderfähigen Anträge aus der jeweiligen Region zu vorher festgelegten Themen sicher das beantragte Geld. Diese Sicherheit zusammen mit der ebenfalls vom Land geförderten Regionale-Agentur, die mögliche Projektträger berät, ihnen bei der Antragstellung hilft und die Bemühungen koordiniert, sorgt dafür, dass umfangreiche Fördermittel fließen.

Im Bergischen Land gab es bereits zwei Regionalen, 2006 im bergischen Städtedreieck Wuppertal-Solingen-Remscheid, 2010 für die Region Köln-Bonn, zu der damals auch Rhein- und Oberberg gehörten. Viele Projekte erinnern heute noch daran. Dazu gehören unter anderem der Brückenpark Müngsten zwischen Remscheid und Solingen, Panarbora in Waldbröl, Metabolon in Lindlar oder die Ohler Wiesen in Wipperfürth.

Im März 2017 entschied die Landesregierung, die Regionale 2025 ins „Bergische Rheinland“ zu geben, dazu gehört neben allen ober- und rheinisch-bergischen Gemeinden auch der östliche Teil des Rhein-Sieg-Kreises mit Lohmar, Much, Neunkirchen-Seelscheid, Ruppichteroth, Hennef, Eitorf und Windeck. Damit wurde erstmals eine Region zum zweiten Mal mit einer Regionale bedacht. Als organisatorisches „Herz“ wurde eine gemeinsame Regionale-Agentur gegründet, die ihren Sitz auf dem Zanders-Gelände in Bergisch Gladbach hat.

Dr. Reimar Molitor, wie schon vor 15 Jahren Geschäftsführer dieser Agentur, ist sich der besonderen Situation, als Erster überhaupt eine zweite Regionale erhalten zu haben, bewusst – und warnt davor, nur auf solche Großprojekte zu schielen, wie sie die Regionale 2010 gebracht hat. Es gelte, sagte er bei der Übergabe des ersten Förderbescheids Ende 2017, die hohen Qualitätsstandards des vorherigen Programms zu halten und darauf aufzubauen. Und dafür könnte zum Beispiel ein eher unspektakulärer Lückenschluss zwischen zwei Radwegenetzen sinnvoller sein als eine neue Touristen-Attraktion. „Diese Regionale bringt mehr als die Summe aller Projekte”, ist Molitor überzeugt.

Das Waldbröler Panabora war Teil der Regionale 2010.

Das Waldbröler Panabora war Teil der Regionale 2010.

Wobei die ersten beiden Projekte, die nun per A-Status der Umsetzung einen guten Schritt nähergekommen sind, durchaus das Zeug dazu haben, nachhaltig in Erinnerung zu bleiben. So soll auf dem Gummersbacher Steinmüllergelände in der Halle 51 das „Innovation Hub Bergisches RheinLand“ (IHBR) entstehen, in dem Lehrende und Studierende des benachbarten Campus der TH Köln eng mit Unternehmen aus der Region zusammenarbeiten sollen.

„Mit dem IHBR wollen wir ein bedeutendes Forschungs- und Innovationszentrum im Bergischen RheinLand verankern, von dem die ganze Region profitiert“, sagt Bernhard Opitz. Der Gründer und Geschäftsführer der Firma Opitz Consulting ist einer die Initiatoren hinter dem Projekt. In einem IT-Lab könnten neue Produkte entworfen, simuliert und optimiert werden, die dann in der Modellfabrik zu Prototypen umgesetzt werden, zum Beispiel im 3D-Druck. Etwa fünf Millionen Euro sollen für das IHBR vom Land kommen, 1,2 Millionen Euro wollen die 30 beteiligten Unternehmen tragen.

Noch größer, zumindest flächenmäßig, könnten die „Mobilstationen im Rheinisch Bergischen Kreis“ werden, das zweite empfohlene Projekt. In allen Kommunen Rhein-Bergs sollen diese Stationen an zentralen Stellen entstehen, nach bisherigen Plänen insgesamt 21 Stück, die den Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsträger vereinfachen sollen.

„Eine funktionierende Mobilitäts-Infrastruktur ist in jeder Kommune ein wichtiges Thema und eine große Herausforderung“, sagt Rhein-Bergs Landrat Stephan Santelmann. Die geplanten Stationen würden dazu beitragen, „dass Bürgerinnen und Bürger in Zukunft schneller und multimodaler im Kreis unterwegs sein können“.

Ausgerüstet werden soll jede Station angepasst an die Bedürfnisse und Möglichkeiten am jeweiligen Standort, zum Beispiel mit Informationsstelen, Mitfahrbörsen und -bänken, Fahrradboxen und -ständern, Pedelec-Verleih, E-Carsharing sowie Park&Ride-Anlagen. Neben den acht Kommunen im Kreis sind die Nahverkehr Rheinland GmbH sowie die beiden Verkehrsunternehmen wupsi und RVK in das Projekt eingebunden, das rund 5,5 Millionen Euro kosten soll.

Weitere Projektideen sind längst in der Bearbeitung, zahllose andere schlummern noch in einer Ideen-Sammlung, die seit mehr als zwei Jahren befüllt wird. Der Rheinisch-Bergische Kreis, die dazugehörige Wirtschaftsförderung und die Kreishandwerkerschaft Bergisches Land planen zum Beispiel ein Innovationszentrum „Digitale Bildung“ für Handwerk und Mittelstand, das inzwischen den B-Status erhalten hat, also die vorletzte Qualifikationsstufe vor der Umsetzungsempfehlung. In Wipperfürth, Hückeswagen und Radevormwald plant der Verein 3-Städte-Depot eine „Junior-Akademie“ für Naturwissenschaften und Technik nach Vorbild der seit Jahren sehr erfolgreichen Wuppertaler Junior-Uni.

Und es werden auch noch weitere Vorschläge gesammelt. Denkbar ist so ziemlich alles, das sich im Projektzeitraum bis zum Jahr 2025 umsetzen lässt – und das zu einem der fünf Handlungsfeldern passt.

Handlungsfelder Regionale 2025 

Ressource trifft Kulturlandschaft Die Kulturlandschaft mit ihrer funktionalen und ästhetischen Qualität wird weiterentwickelt

Innovation schafft Arbeit Durch wissensintensive Industrie wird die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaftsregion gesichert

Qualität von Wohnen und Leben Attraktive Lebensräume mit kurzen Wegen entstehen in der Wechselbeziehung von Dorf und Stadt 

Mobilität und Digitalisierung als Zukunftsmotor Moderne Infrastruktur und Mobilität bilden die Grundlage für die Zukunftsfähigkeit der Region

Neue Partnerschaften quer vernetzt Neue Kooperationen und Schnittstellen verbessern die Zusammenarbeit bestehender Institutionen

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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