Insektenhotels: So baut man sie richtig

Angelika Leistikow vor den Insektenhotels in ihrem Garten.

Wipperfürth Es summt und brummt in Angelika Leistikows Garten in Wipperfürth. Gehörnte rote Mauerbienen, Pelzbienen, Scherenbienen schwirren herum – es sind Wildbienen, solitär lebende Arten. Heißt: Im Gegensatz zu Honigbienen bilden sie keine Völker. Ungefähr 560 verschiedene gibt es in Deutschland.

Ungefähr 50 Meter vom Haus hat Angelika Leistikow Wildblumen gepflanzt. Für die Bienen ein Paradies. Gleich daneben: mehrere Insektenhotels, alle selbstgebaut. Angelika Leistikow erklärt, wie das jeder machen kann: „Man muss bei der Wahl des Baumaterials auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bienen eingehen.“ Rote Mauerbienen zum Beispiel quartieren sich gerne unter anderem in Ziegelsteinen ein, Löcher- oder Maskenbienen leben lieber in angebohrten Holzklötzen. „Die Klötze sollten aus abgelagerten Stämmen gesägt werden, denn frisch geschlagenes Holz arbeitet oft noch und bekommt so schnell Risse und undichte Stellen.“ 

Nicht jede Baumart eignet sich für den Bau von Insektenhotels: „Nadelbäume sind ungeeignet, weil das Holz an den Bohrlochrändern franst – die Splitter können Bienen verletzen.“ Leider gebe es die oft im Baumarkt bei den fertig gebauten Insektenhotels. „Davon sollte man die Finger lassen. Am besten sind Buche oder Eiche. Das Holz ist fest und fasert nicht. Damit verhindert man Splitterungen.“ Wichtig sei auch, dass die Bohrung stets von der Rindenseite her erfolgen muss.

Die Bohrlöcher sollten zwischen zwei und acht Millimeter Durchmesser haben. So bieten sie verschiedenen Bienen passende Nistplätze. Auf keinen Fall sollte das Holzstück komplett durchgebohrt werden – die Bienen brauchen eine schützende Rückwand. Sie legen die Kammern nacheinander an, zehn Kammern pro Rohr sind keine Seltenheit.

Der Standort des Insektenhotels spielt eine ganz wichtige Rolle, weiß Angelika Leistikow: „Die Bienen meiden Zugluft und Feuchtigkeit, denn wenn Nässe eindringt, kann sich Schimmel bilden.“ Deshalb sollte man auch auf Glasröhrchen verzichten, die immer wieder in verschiedenen Baumärkten angeboten werden.“ Die Bienen brauchen das nicht, und diese Röhrchen verschimmeln oft.“ Am besten stellt man Insektenhotels an einem sonnigen, geschützten Plätzchen auf. 

Bestimmte Wildbienenarten nisten lieber in Pflanzenstängeln. Deshalb kann man in einigen Bohrlöchern auch Schilfhalme oder Bambusrohre mit der Öffnung nach vorne auslegen. Sie sollten am besten mit Hasendraht geschützt werden, denn die Halme werden gerne von Vögeln stiebitzt. Wenn dann in den Kammern bereits Nester sind, ist der Insektennachwuchs verloren.

Angelika Leistikow erklärt den Brutvorgang: „Im Frühjahr legen die Wildbienen ihre Eier in den Hohlräumen des Bienenhotels ab, also in den vorgebohrten Löchern oder Halmen.“ Die Weibchen sammeln Nektar und Pollen, das Bienenbrot, bringen es in die Hohlräume und legen dann ein Ei darauf. Dann verschließen sie die Ablage mit Lehm, Harzen oder Erde, auch mit Pflanzenblättern, je nach Bienenart, darauf folgt dann ein neues Nahrungspaket mit Ei – bis rund sechs bis zehn solcher Kammern angelegt wurden. „Am Schluss wird das Bohrloch dann verschlossen. Der Nachwuchs schlüpft erst ein Jahr später.

Neben den Bienen werden die Insektenhotels auch gerne von verschiedenen Wespenarten angenommen, darunter zum Beispiel die Kaminwespe oder auch die Lehmwespe.

Angelika Leistikow baut auch Hotels für Hummeln, die müssen allerdings anders beschaffen sein als Bienenhotels. Hummeln lieben einen abgeschlossenen, vorzugsweise aus Holz gezimmerten Kasten. Da reicht bereits etwa die doppelte Größe eines Schuhkartons, der mit einem seitlichen Laufgang für sie zugänglich ist. Der Kastenboden sollte mit reichlich klein geraspeltem Heu, Kleintierstreu, Moos und loser Wolle ausgelegt sein, sodass ein weicher, tiefer Untergrund geboten werden kann. Auch dieser Kasten darf gerne in der Sonne stehen, die Hummeln lieben Wärme und meiden, wie auch die Bienen, Feuchtigkeit und Schimmel.

Für wenig sinnvoll hält Angelika Leistikow die Verzierung von Bienenhotels mit Tannenzapfen: „Das wird in Baumärkten immer wieder angeboten, lockt aber bestenfalls Spinnen an.“ Spinnen und Bienen miteinander unterzubringen sei für beide Arten nicht hilfreich: „Bienen benötigen keine Tannenzapfen. Und die Spinnen kommen auch ohne Menschen sehr gut klar.“

Eine wichtige Überlebenshilfe für die Wildbienen ist das Pflanzen von Blühwiesen mit Wildblumen. Angelika Leistikow ist Mitglied des Bechener Bienenzuchtvereins, auch auf dessen Gelände hat sie mit anderen Vereinsmitgliedern viele Frühblüher gepflanzt, darunter Wildtulpen, Narzissen, Krokusse oder Glockenblumen.

Udo Gensowski ist der 1. Vorsitzender des Vereins und weist auf zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten für Bienenfreunde hin: „Wer sich über die Wildbienen oder auch den Bau von Insektenhotels genauer informieren will, ist hier bei uns stets herzlich willkommen. Wer möchte, kann auch die Imkerei mit Honigbienen bei uns erlernen, da bieten wir viele Kurse an.“

Die Kürtenerin Marion Schmidt,  2. Vorsitzende des Vereins, führt regelmäßig Schulklassen und Kitas durch den Lehrpfad des Vereins: „Die Kinder sind extrem daran interessiert, alles über Wild- und Honigbienen mitzunehmen“, sagt sie. Und schlägt vor: „Der Bau eines Insektenhotels kann übrigens auch eine sehr schöne Familienaufgabe fürs Wochenende sein.“

Bienen, so sagen die Experten übereinstimmend, sind sehr sensible Insekten: Schon geringe Temperaturunterschiede oder Schwankungen der Luftfeuchtigkeit wirken sich auf die Wahl der Lebensräume aus. Im Bergischen Land ein wichtiger Aspekt: Sogar Höhenunterschiede können entscheidend sein. „Auf 400 Metern über dem Meeresspiegel leben andere Arten als auf 150 Metern,“ weiß Angelika Leistikow. Eines haben aber alle gemein: Sie lieben selbstgebaute Insektenhotels aus den richtigen Materialien am richtigen Standort. Und natürlich Wildblumen.

Bienenhotel für Pelzbienen und Kaminwespen aus gehärtetem Lehm. Bohrlöcher zirka 5 Millimeter Dicke. Eingefasst in Böschungssteine.

Bienenhotel für Pelzbienen und Kaminwespen aus gehärtetem Lehm. Bohrlöcher zirka 5 Millimeter Dicke. Eingefasst in Böschungssteine.

Halmrohre für gehörnte und rote Mauerbienen sowie für Lehmwespen und Scherenbienen. Mit Hasendrahtschutz gegen Vögel.

Halmrohre für gehörnte und rote Mauerbienen sowie für Lehmwespen und Scherenbienen. Mit Hasendrahtschutz gegen Vögel.

Ziegelsteine mit unterschiedlich großen Bohrlöchern für Wespen oder Scherenbienen, auch für Mauerbienen geeignet.

Ziegelsteine mit unterschiedlich großen Bohrlöchern für Wespen oder Scherenbienen, auch für Mauerbienen geeignet.

Hummelkasten mit weicher Einstreu (Kleintierstreu) und unbehandelter Polsterwolle oder Kapok.

Hummelkasten mit weicher Einstreu (Kleintierstreu) und unbehandelter Polsterwolle oder Kapok.

Wildblumen für Wildbienen 

1. Wildtulpen (April, Mai)

2. Narzissen (März-April)

3. Krokusse (März)

4. Rundblättrige Glockenblume (Juni-Oktober)

5. Hornklee (Mai-August)

6. Tüpfeljohanniskraut (Juni-August)

7. Rispenflockenblume (Juni-September)

8. Wegwarte (Juni-Oktober)

9. Gelbes Sonnenröschen (April-September)

10. Färberkamille (Juni-September)

Alle kann man in gut sortierten Gartenfachgeschäften oder Baumärkten kaufen. Auch als Samenmischung, die man problemlos selbst ausbringen kann.

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