Kollege Roboter hilft im OP

Dr. Andreas Hecker (li.) und Prof. Dr. Christian Rudlowski mit Da Vinci – und einem Übungsaufbau auf dem OP-Tisch, mit dem der Umgang mit dem dem neuen OP-Roboter trainiert wird. Beide Chefärzte setzen das System inzwischen ein.

Bergisch Gladbach Das Evangelische Krankenhaus (EVK) in Bergisch Gladbach macht mit der Anschaffung eines Operationsroboters einen Riesen-Schritt in die Zukunft. Seit wenigen Wochen ist das System mit Namen Da Vinci im Einsatz – und ermöglicht noch genauere und damit schonendere Operationen im Bauchbereich. „Damit wird der Begriff Präzisionsmedizin neu definiert“, sagt Prof. Dr. Christian Rudlowski, Chefarzt der Frauenklinik am EVK.

Rund 1,5 Millionen Euro hat der Roboter gekostet. Hinzu kommen weitere Investitionen für notwendige Umbauarbeiten, das Gerät hängt zum Beispiel an einem eigens abgesicherten Stromkreis, und die Ausbildung der Operateure. Neben Dr. Rudlowski nutzt derzeit auch Dr. Andreas Hecker, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, den Da Vinci. Beide mussten dafür einen mehrmonatigen Qualifizierungsprozess durchlaufen. Unter anderem wurden sie in Paris, Straßburg und Gent an Simulatoren und bei Operationen an narkotisierten Schweinen ausgebildet.

Lohn der Mühen ist nun, dass auf noch kleinerem Raum noch genauer gearbeitete werden kann, als man das von bisherigen minimalinvasiven Methoden kennt. Die Werkzeuge der Roboters lassen sich millimetergenau in mehrere Richtungen steuern, durch eine 20-fache Vergrößerung kann der Bediener mehr als bisher erkennen und die eingesetzte 3D-Technik hilft bei der Orientierung. Das eröffne nicht nur neue Möglichkeiten, sondern schone auch den Patienten, sagt Rudlowski: „Früher haben wir eine Patientin für eine Gebärmutterentfernung zehn Tage aufgenommen, mit der neuen Methode kann sie nach zwei Tagen nach Hause.“

Obwohl Da Vinci zurzeit nur von zwei Chefärzten bedient werden darf, weitere Bediener sollen nun ausgebildet werden, stehe die neue Technik ausdrücklich nicht nur Privat-Patienten zur Verfügung, sagt Dr. Harald Januschewski. „An der Erlös-Situation des Krankenhaus ändert der Einsatz des Roboters nichts“, so der EVK-Geschäftsführer. Daher werde ausschließlich nach medizinischen Aspekten entschieden, wann das Gerät zum Einsatz komme.

„Die Entfernung einer Gallenblase ist mit der bisherigen Methode absolut sicher und gut machbar, dafür werden wir den Roboter vermutlich nicht nutzen“, nennt Dr. Hecker ein Beispiel. Bei Darm-Operationen im Becken, wo auf engstem Raum viele Nerven zusammenlaufen, sei die neue Technik hingegen ein deutlicher Fortschritt: „Je genauer wir hier arbeiten, umso eher können wir einen künstlichen Darmausgang vermeiden.“

Gerade mal etwa 100 Kliniken bundesweit setzen ein vergleichbares System ein, das EVK ist nach eigenen Angaben das erste Krankenhaus in Rhein-Berg. „Da sind wir ganz vorne mit dabei“, sagt Dr. Harald Januschewski. „Das motiviert natürlich unendlich“, sagt Prof. Dr. Christian Rudlowski: „Irgendwann wird das Standard sein. Aber im Moment sind wir unserer Zeit fünf oder zehn Jahre voraus.“

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

Hinterlasse einen Kommentar