Unter Tage: Bergisch Gladbach prüft „CargoCap“

In einem eigenen Tunnelsystem soll CargoCap Waren in die Stadt und wieder heraus transportieren.

Bergisch Gladbach Dass die Bergisch Gladbacher Innenstadt unter der Verkehrsbelastung auch durch Lieferverkehr ächzt, ist sicherlich kein Alleinstellungsmerkmal der rheinisch-bergischen Kreisstadt. Die mögliche Lösung, deren Umsetzbarkeit man jetzt zumindest mal theoretisch überprüfen möchte, hätten die Gladbacher aber exklusiv: Die Stadt hat eine Machbarkeitsstudie für das unterirdische Transportsystem „CargoCap“ in Auftrag gegeben. Als erste Stadt überhaupt.

„CargoCap“ verlegt einen Teil des Lieferverkehrs unter die Erde, etwa zwölf Meter tief. In einem eigens dafür gebauten Tunnelsystem sollen voll automatisiert Transport-Kapseln, die „Caps“, verkehren – „unsichtbar, emissionsfrei und ohne Stau“, wie die Stadt verspricht. Diese Caps können Waren in die Stadt, aber auch Abfall und Fertigprodukte heraus transportieren. Entwickelt wurde das Konzept an der Ruhr-Uni Bochum von Professor Dietrich Stein, der heute Geschäftsführer der CargoCap GmbH ist. Gefördert wurde die Entwicklung vom Land NRW, die Studie wird nun unter anderem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mitfinanziert.

Die Stadt Bergisch Gladbach sieht in „CargoCap“ eine neue Gütertransportalternative, „die ohne zusätzlichen Raum- und Verkehrswegebedarf einen maßgeblichen Beitrag zur Entlastung der Straßen leistet“. So könne das System durch die unterirdische Streckenführung „ohne Inanspruchnahme wertvoller städtischer Flächen“ erweitert werden. Die Verlegung der Fahrrohrleitungen erfolge unterirdisch ohne Ausheben eines Grabens und damit ohne Störungen der Anwohner. Gleichzeitig werde die City von Lärm, CO2 und Feinstaub entlastet.

Technisch sei das alles längst machbar, glaubt die Stadt: „Inzwischen ist das CargoCap-System erprobt und bis zur Praxisreife weiterentwickelt“, heißt es in einer Mitteilung. Doch bevor die ersten Röhren unter die Erde kommen, soll nun überprüft werden, „inwieweit der Einsatz des CargoCap-Systems in Bergisch Gladbach sowohl aus ökologischer Sicht die Luft- und Lebensqualität in der Stadt verbessert als auch in ökonomischer Hinsicht für potenzielle Investoren und Betreiber rentabel ist“. Dabei soll zunächst eine Verbindung von einem Güterverteilzentrum an der A4 zu einem noch zu errichtenden City-Hub geprüft werden. Später seien auch direkte Transporte zu angeschlossenen Kunden möglich.

„Die geförderte Machbarkeitsstudie ist ein Meilenstein, um für Bergisch Gladbach neue Wege für eine verkehrsentlastende und nachhaltige Logistik diskutieren zu können und die Innenstadt von Schwerlastverkehren zu entlasten“, sagt Stadtbaurat Harald Flügge. Durchgeführt wird die Studie von der Stadt, der CargoCap GmbH sowie der Hochschule Düsseldorf, dem Bochumer Ruhr-Forschungsinstitut für Innovations- und Strukturpolitik und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin.

Zwei Europaletten Stauraum soll es pro Cap geben. Die Kapseln werden elektrisch angetrieben.

Zwei Europaletten Stauraum soll es pro Cap geben. Die Kapseln werden elektrisch angetrieben.

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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