Grillen!

Wir alle kennen den lateinischen Satz: „Errare humanum est. Irren ist menschlich“. Kaum aber jemand weiß, ich bis vor Kurzem auch nicht, dass dieser Spruch noch weitergeht und dass er vom Heiligen Hieronymus aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. stammt. Vollständig lautet der Satz so: „Errare humanum est, sed in errare per severare diabolicum.“ Also: „Irren ist menschlich, aber im Irrtum verharren ist teuflisch.“ Damit ich nicht im Irrtum verharre, muss ich also zunächst einen Fehler aus meiner letzten Kolumne gestehen. Ich hatte gesagt, dass der Autor der Fernsehserie ROOTS Aldous Huxley sei. Oh, falsch! Ihm verdanken wir den großartigen Roman : „Schöne neue Welt“ Die Geschichte von Kunta Kinte schrieb Alex Haley. „Exekuse mih“, wie Hans Süper vom Colonia-Duett immer so schön sagte.

Nun aber zum Thema des vorliegenden Boten:

Ein verliebtes Pärchen sitzt an einem lauschigen Sommerabend auf einer Bank im Garten. Die Vöglein singen ihr Abendlied und die Grillen zirpen. Sie: „Ach wie schön. Die Grillen!“ Er: „Ich riech nix.“ Typisch! Wenn ein Mann das Wort „Grillen“ hört, denkt er niemals an die Tierchen, sondern immer an den Duft von der gleichnamigen Tätigkeit an einem Holzkohlen-Gerät. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass der Grillmeister fast immer der Mann ist? Die Frauen machen den Salat. Ausnahmen dieser Regel sind höchst selten. So zum Beispiel beim Schreiber dieser Kolumne. Ich hasse Grillen! Nicht die Tiere, obwohl ihr „Gesang“ ziemlich nervt. Wie kommt es eigentlich zu dieser ziemlich unemanzipierten Rollenverteilung? Am Grill steht der Mann! Nun, ich glaube, da erhebt die Urgeschichte ihr evolutionäres Haupt. In prähistorischen Zeiten war Gendern ja noch ziemlich unbekannt. Das hieß: Frau in der Höhle, Mann raus das Mammut jagen. Aber, wenn doch die Steinzeitfrau quasi Hausfrau, beziehungsweise Höhlenfrau war, dann wäre es doch eher wahrscheinlich, dass auch heute noch Frauen am Herd , bzw. am Grill stehend, in unser evolutionäres Muster eingewoben wären? Nun, von der Forderung, Frau hat am Herd zu stehen, haben sich ab den 50er-Jahren unsere westlichen Gesellschaften Gott sei Dank befreit. Ist die Rollenverteilung, dass heute fast ausnahmslos Männer am Grill stehen, eine Folge der Emanzipation? Ich fürchte Nein. Eher das Gegenteil. Die wichtigste Aufgabe in den Stämmen der Urzeit war: „Der Hüter des Feuers.“ Und der war stets ein Mann. Durch die Entdeckung, Feuer bewahren zu können, erfolgte einer der wichtigsten Fortschritte der Menschheitsgeschichte. Da Tiere Angst vor Feuer haben, war eine der bedrohlichsten Gefahren gebannt. Der Säbelzahntiger sprang nicht mehr aus der Dunkelheit, um ein Opfer zu reißen. Feuer gab Sicherheit und Geborgenheit. Deshalb durfte es niemals ausgehen. Unser Ritual des „ewigen Lichtes“ in Kirchen, der „ewigen Flamme“ an Gedenkstätten und der Grablichter kommt daher. Deshalb sitzen nach wie vor, trotz Smartphone und anderer moderner Errungenschaften, auch heute noch junge Leute immer noch leidenschaftlich gerne am Lagerfeuer. Und meistens kümmern sich die Jungen um das Feuer. Weil das halt auch der männliche Hüter in der Steinzeit schon tat. Und warum hat der Schreiber dieser Zeilen es nie getan, und steht auch heute niemals am Grill? Tja, ich war immer der Troubadix. Ich war der Barde und hatte die Gitarre, mit deren Hilfe ich versuchte, die Mädchen zu beeindrucken. Holz aufschichten und nachzulegen, Würstchen und Grillsteaks, also die Nachfahren des Mammuts zuzubereiten, war die Aufgabe der anderen Kerle. Ich sang die Mädchen an. Gott sei Dank endete ich nie wie Troubadix gefesselt und geknebelt an einem Baumzweig.

Eines noch. Ist Ihnen schon mal folgende Perversität aufgefallen: Der Grill kann nicht teuer genug und das Fleisch nicht billig genug sein. Das Feuergerät kommt vom Hochpreisanbieter und das Fleisch aus der Massentierhaltung vom Discounter. Wenn es endlich anders wäre, und beim Fleisch gezielt auf wertvolles und ohne jegliche Gefahr der Tierquälerei produziertes Fleisch geachtet würde, dann, ja dann würde ich sogar selbst mal am Grill stehen. Obwohl… nä, Gitarre und die malerischen Gestalten der Frauen anhimmeln ist mir doch lieber. Grins!

Euer Willibert Pauels

Willibert Pauels (Jahrgang 1954) schreibt seit 2009 eine regelmässige Kolumne im Bergischen Boten. Er wurde 1993 zum katholischen Diakon geweiht. Seit 1995 steht er als "Ne bergische Jung" in der Bütt und ist zu einer festen Größe im Kölner Karneval geworden. Er lebt mit Frau und Tochter in Wipperfürth-Hamböcken.

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