Mystische Landschaften aus dem Reich der Mitte

Kürten Mystisch wirken die großen Landschaftsstudien in Tusche und Aquarell von Prof. Cao Yingyi: Aus dem nebligen Dunkel unter einer Brücke entwickelt sich eine Landschaft mit kleinen Hausansiedlungen, die umflossen werden von sanft fließenden Wassern, auf denen winzige Boote dahinsegeln. Ein ewiger Fluss des Lebens, aber ohne Menschen. Nur Architektur und Natur zeichnet Yingyi  in seinen Impressionen, deren die Tuschemalerei unverhofft durch helle Aquarell-Farbspritzer übersteigert wird.

Unter dem Titel „Landschaften meines Lebens“ zeigt der Sinologe und Kurator Dr. Thomas Täubner im China Forum – Galerie T in der Alten Schule in Kürten-Forsten 60 Werke des 80jährigen Künstlers, der in Nanjing lebt, und mit seinem typischen impressionistischen Wasser-Tuschmalerei einer der bedeutenden Künstler Chinas ist und bereits 2008 und 2010 in Kürten Forsten ausgestellt hat. Schon im Jahr 2010 begann er europäische Szenerien in seinem typischen „Cao-Stil“ zu malen: Die alte Dorfschule in Kürten, die Delling, den Kölner Dom, inzwischen auch dem Altenberg Dom und Schloss Bensberg. Auch diese Werkgruppe wird von Täubner präsentiert – ein interessante Wahrnehmung des chinesischen Künstlers von westlicher Architektur. Im Jahr 2012 nahm er gemeinsam mit der inzwischen verstorbenen Künstlerin Brigitta Zeumer  an der  Ausstellung im Lichthof des Kölner Rathauses im Chinajahr teil. Eine dritte Werkgruppe zeigt eine Malserie über die Wandmalereien in den Mogao-Grotten von Dunhuang an der Seidenstraße – ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen von großen buddhistischen Skulpturen und den Apsaras- Himmelsfeen mit der kosmischen positiven Ausstrahlung indischer Mythologien. Cao Yingyi hat einen ganz eigenen Stil entwickelt, den er bis heute fortsetzt.

Hinter dem Kunstprofessor liegt eine sehr wechselvoller künstlerische Entwicklung unter dem Einfluss der chinesischen Politik: 1965 schuf er den doppelfarbigen Holzschnittdruck „Das Studium der ausgewählten Werke von Mao Zedong“. „damals galt das Malen von Bildern in China als politische Aufgabe der Maler“, erklärt Täubner. 1971 schuf er zur Zeit der Großen Proletarischen Kulturrevolution Schwarz-Weiß-Holzschnitte mit dem Titel „Kanoniere“ und Tuschebilder mit revolutionärem Inhalt. Nach der Zeit Maos beginnt die Befreiung aus den Zwängen, er sucht einen neuen Weg, verbindet die traditionell chinesische Malerei mit westlichem Malstil – bis heute in großen Werken in einer eigenen Formensprache mit großer Anziehungskraft. Während der Ausstellung im China Forum wird ein Film gezeigt, den Cao Yingyis Sohn Cao Kai über seinen Vater gedreht hat. Auch Thomas Täubner hatte das große Glück, den großen Künstler beim Schaffen beobachten zu dürfen. „ich bin stetig auf der Suche nach meinem eigenen Weg“, hat der 80-Jährige einmal gesagt. Seine Worte erhalten beim Studieren seiner wechselvollen Biografie eine besondere Bedeutung. Dies hat auch die große Fluxus- Und Konzeptart-Künstlerin Mary Bauermeister sofort erkannt, als sie Cao Yingyis Werke bei Thomas Täubner entdeckte. Spontan übernahm sie die Schirmherrschaft über die Ausstellung.

„Landschaften meines Leben“
Ausstellung mit Werken von Prof. Cao Yingyi anlässlich seines 80. Geburtstags
Vernissage am Samstag, 18. Mai, 18 Uhr, Ausstellungsdauer bis 9. Juni, geöffnet montags bis freitags nach telefonischer Vereinbarung, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

China-Forum – Galerie T, Forsten 43, 51515 Kürten
Tel. 022668-1062

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