Roots – oder: Eva lebte in Afrika

Es war in den 80er-Jahren, als eine amerikanische TV-Serie auch im deutschen Fernsehen Furore machte: „Roots“, eine packende Geschichte über die Ahnengalerie eines Schwarzafrikaners, der seine Wurzeln, die Geschichte seiner Familienvorfahren suchte. Wie bei allen seiner dunkelhäutigen Brüder und Schwestern, die in den USA wohnen, führte die Spur nach Afrika. Sein Stammvater hieß Kunta Kinte und wurde mit dem größten Teil seines Stammes als Sklaven in die „neue Welt“ verschleppt. Spätestens seit dieser Serie, die auf der wahren Ahnengeschichte des Bestseller-Autors Aldous Huxley beruht, wurde es politisch inkorrekt, von „Black People“ zu sprechen. „Afro-Amerikaner“ war nun die offizielle Bezeichnung; eben aus Respekt vor der Geschichte.

Interessanterweise sagen die Gen-Forscher, dass alle Menschen genetisch auf eine Ur-Mutter zurückgehen. Der erste Mensch auf dieser Welt, der sich fundamental vom Menschenaffen genetisch unterschieden hat. Eine unglaublich wichtige Erkenntnis. Weist sie doch wissenschaftlich unumstößlich nach, dass die gesamte Menschheit genetisch verwandt ist. Also alle Rassisten und nationalistischen Fanatiker auf dem falschen Dampfer sind. Schlicht und einfach deshalb, weil wir alle auf jene erste menschliche Mutter zurückzuführen sind. Wobei sich natürlich die Frage stellt, wer dann die Mutter der Urmutter war? Offensichtlich ja noch ein Menschenaffe. Und was ist passiert, dass ein genetischer Sprung aus dem Affen einen Menschen machte? Und warum? Die Antwort lautet: Keine Ahnung! In der Forschung suchen die Anthropologen immer noch fieberhaft nach diesem sogenanntem „Missing Link“.

Dabei hat es Manuel Herder so schön formuliert: „In dem Augenblick, als ein Affe zum ersten Mal seine Augen erhob, und Gott dafür dankte, ein Affe zu sein, da war es ein Mensch.“ Nun, das ist natürlich keine wissenschaftliche Aussage, stimmt aber insofern, dass das spezifisch Menschliche mit dem Phänomen des Bewusstseins zu tun hat. Also der Fähigkeit, über sich selbst und Gott und die Welt nachzudenken. „Wer bin ich? Woher komm ich? Wohin geh ich?“ Diese Fragen sind der Grund, warum jeder Mensch die Suche nach und die Aussagen über seine Ahnen als wichtig und höchst spannend empfindet. In manchen Kulturen ist sogar der Ahnen-Kult die vorherrschende Religion. Bei unserer Ur-Mutter ist die Frage, wie gesagt, geklärt. Der erste weibliche Mensch auf diesem kleinen, kostbaren, blauen Planeten lebte auf dem schwarzen Kontinent! Also, anders gesagt: Eva wohnte in Afrika. Dä!

Nun haben alle, die nationalistisch denken, ein großes Problem: Egal wie sie geifern und hetzen, auch ihre Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-(und so weiter)-Oma war schwarz.

Aber leider wissen wir ja, dass Argumente bei Fanatikern und Fundamentalisten nicht zählen. Es gibt ja immer noch enorm viele Menschen, die die Evolution bestreiten. So wie der Vater, der mit seinem Sohn über Darwins Theorie erbittert stritt. Schließlich schrie er seinen Sohn zornig an: „Du magst ja vielleicht von einem Affen abstammen. Ich nicht!“

Oder wie in einem meiner Lieblingswitze: Ein Herr Bäcker, ein Herr Zimmermann und ein Herr Schmitz aus Köln streiten, wer die längste Ahnengalerie hat. Bäcker sagt: „Ich, schließlich hat schon Jesus Brot vermehrt. Er war also eine Art Bäcker.“– „Quatsch“, sagt Zimmermann. „Der Pflegevater von Jesus ist noch eine Generation älter; und das war eindeutig ein Zimmermann.“ Nun schauen alle erwartungsvoll auf Herrn Schmitz. Der sagt: „Ihr kennt doch Adam und Eva?“– „Ja, klar.“– „Ja und der Adam hat ja die Eva irjendwann jeheiratet.“– „Ja, klar.“– „Ja, un dat, dat war ne jeborene Schmitz!“

Euer Willibert Pauels

Willibert Pauels (Jahrgang 1954) schreibt seit 2009 eine regelmässige Kolumne im Bergischen Boten. Er wurde 1993 zum katholischen Diakon geweiht. Seit 1995 steht er als "Ne bergische Jung" in der Bütt und ist zu einer festen Größe im Kölner Karneval geworden. Er lebt mit Frau und Tochter in Wipperfürth-Hamböcken.