Interview: Alain Frei – Mach dich Frei!

Gummersbach Er ist der Schweizer unter den Comedians in Deutschland: Alain Frei spielt am 26. April in der Gummersbacher Halle 32. Vorher unterhielten wir uns mit ihm über gute Erinnerungen an Gummersbach, Schubladendenken und lustige Politik.

BB: In deinem vorherigen Programm erzählst du, dass deine eigene Oma mal zu dir gesagt hat: „Du bist nicht lustig“.

Alain Frei: Ja, das stimmt. Ich glaub, sie kann bis heute mit mir nichts anfangen vom Humor her. Aber sie mag mich trotzdem.

BB: Habt ihr jemals wieder darüber gesprochen? Sprecht ihr überhaupt noch miteinander?

Frei: Ja klar. Das ist eigentlich meine Ur-Oma, ich sag nur immer Oma. Die ist ur-alt. Sie weiß, dass ich irgendwas auf der Bühne mache. Und ich glaube, sie ist auch stolz auf mich, halt auf ihre Art.

BB: Zum ersten Mal live gesehen habe ich dich im Kultur-Haus Zach in Hückeswagen, wo ein Zuschauer ständig dazwischenrief und du immer wieder darauf reagiert hast. Ich habe dann in meiner Rezension geschrieben, dass dein Programm gut ist, du aber immer dann richtig stark warst, wenn du spontan mit dem Publikum interagiert hast. Machst du das gerne oder würdest du auch manchmal einfach gerne dein Programm abspulen?

Frei: Nee, das mach ich tatsächlich gerne und das ist auch bei mir quasi eingeplant. Ich forciere das immer ein bisschen, es ist aber auch manchmal ein schmaler Grad. Das darf nicht kippen und die Leute nicht nerven. Aber generell gehört es natürlich dazu, dass man so einen Blödsinn macht. Und wie du selbst geschrieben hast: Durch ein normales Programm kann man so etwas nicht toppen. In der Regel ist das immer lustiger, als alles, was man vorbereitet, weil es einfach echt ist.

BB: Zentraler Bestandteil deines Programms ist ja deine Schweizer Herkunft. Ist das für einen  Schweizer wirklich so anders, in Deutschland zu leben?

Frei: Tatsächlich nicht so sehr. Man denkt immer, es wäre anders, aber es sind nur Kleinigkeiten. Wir haben eine ähnliche Mentalität, mögen die gleichen Sachen. Wir sind ordentlich und pünktlich. Wir sind uns ähnlicher, als wir es eigentlich sein wollen.

BB: Das Schwierigste an Deutschland, hast du mal gesagt, sei die Sprache. Unser Deutsch sei so hart. Du wohnst aber doch in Köln – und Kölsch ist nun wirklich keine harte Sprache.

Frei: Ich glaube, deswegen hat es mich auch nach Köln verschlagen. Kölsch ist noch eine der sanfteren Sprachen in Deutschland. Aber gerade am Anfang, als ich frisch in Deutschland war, war das für mich schon ein Kulturschock.

BB: Zu deinen Vorbildern gehören David Chapelle und Louis CK, also ein afroamerikanischer und ein mexikanischstämmiger Comedian. Ist am Ende die Situation eines Schweizers in Deutschland mit der eines Latinos in den USA vergleichbar?

Frei: Nicht wirklich. Latinos haben in Amerika ja einen anderen Ruf, weil sie meistens als Migranten ins Land kommen. Während der Schweizer in der Regel sehr offen aufgenommen wird. Bei uns glaubt man ja, wir bringen Geld mit. Man hat als Schweizer überall auf der Welt einen anderen Status. Auch wenn es manchmal Quatsch ist. Ich kam damals ja auch ohne Nichts nach Deutschland. Und trotzdem habe ich gemerkt, wie einfach ich hier aufgenommen wurde.

BB: Das geht nicht jedem so.

Frei: Ich hatte damals eine Freundin, die hat hier studiert, kam aber aus Polen. Die war echt ein kleines Genie, musste aber jeden Monat zum Amt gehen, sich immer wieder bestätigen lassen, dass sie noch studiert. Ich war einmal beim Amt, vor zwölf Jahren, als ich nach Deutschland kam. Seither haben die mich in Ruhe gelassen. Die denken bestimmt: Der ist Schweizer, der hat genug Geld.

BB: Passt irgendwie zu den Geschichten von deinem Freund Rüdiger, die du in deinem Programm erzählst. Der ist deutscher als du, hat aber dunkle Haut und deswegen behandeln ihn immer alle, als käme er gerade aus dem Busch.

Frei: Da merkst du, was so etwas ausmacht. Wir Menschen sind visuell geprägt und jeder hat so ein Schubladendenken im Kopf. Da habe ich mich auch selber schon oft genug bei erwischt. Wenn jemand schwarze Haut hat, ist er automatisch der Ausländer. Wir sehen jemanden, Schublade auf und rein damit.

BB: Aber sollten wir uns nicht langsam mal daran gewöhnt haben, dass nicht alle Deutschen blond sind und Müller heißen?

Frei: Das wird wohl noch dauern. 

BB: In deinem Programm wird es immer auch mal wieder politisch, es gibt da zum Beispiel den Teil, wo du sagst, dass die ganze Diskussion über den Islam nur von den richtigen Problemen wie Rente und so ablenkt. Machst du das bewusst oder bist du einfach nur lustig und Politik ist eben manchmal auch lustig? 

Frei: Beides. Ich will das schon machen. Und machmal ist Politik tatsächlich lustig. Ich erzähle halt aus dem Leben. Und da gehört Politik halt dazu.

BB: Also darf auch ein Comedian eine Haltung haben?

Frei: Ein Comedian muss eine Haltung haben.

BB: Du spielst am 26. April in der Halle 32 in Gummersbach. Hast du an die Halle oder die Stadt irgendeine Erinnerung?

Frei: Ich habe da mal was gewonnen, das weiß ich noch. Das war sehr cool, weil viele Kumpels von mir dabei waren.

BB: Das war 2013 beim COMY. Du bist Zweiter geworden, weißt du noch, wen du auf Platz drei und vier verwiesen hast?

Frei: Natürlich: Chris Tall und Faisal Kawusi.

BB: Schmiert man sich das unter Kumpels eigentlich gelegentlich aufs Brot, wenn man den anderen geschlagen hat?

Frei: Nein, wir kennen die Sachen der anderen so gut und wissen alle, was der andere auf der Bühne kann, wir vergleichen uns nicht.

BB: Aber wo wir gerade bei Preisen sind: Du hast 2010 den Bremer Comedypreis als bester Newcomer gewonnen. Und 2016 noch mal eine Auszeichnung als Newcomer in Dresden. Wie lange bist du noch ein Newcomer?

Frei: In Deutschland bist du so lange Newcomer, bis du die ganz großen Hallen spielst. Selbst wenn du schon zehn Jahre dabei bist.

BB: Das heißt, du bist nicht beleidigt, wenn man dich als Newcomer auszeichnet?

Frei: Nein, das ist doch sicherlich nett gemeint.

Alain Frei: „Mach dich frei“, Freitag, 26. April, 20 Uhr, Halle 32, Gummersbach

Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.