Museen machen gemeinsame Sache

Vertreter von elf Bergischen Museen stellten die neue Kooperation im Freilichtmuseum Lindlar vor.

Bergisches Land Sie haben auf den ersten Blick nicht viel gemein, außer dass sie alle Museen sind und irgendwo im Bergisch Land liegen. Und doch wagen sie die Kooperation. Elf museale Einrichtungen, von Velbert bis Marienheide, haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Im ersten Schritt planen sie ein gemeinsamen Themenjahr samt gemeinsamer Vermarktung. Und vielleicht wird ja mehr draus.

Entstanden ist die Idee bei einem ersten Treffen vor rund zwei Jahren, Vorbild ist eine ähnliche Kooperation am Niederrhein, in der ebenfalls höchst unterschiedliche Museen erfolgreich zusammenarbeiten. Und unterschiedlich sind die bergischen Partner durchaus. Schon zeitlich reicht die Bandbreite von 400 Millionen Jahre vor Christus im Zeittunnel Wülfrath über das Mittelalter in Schloss Burg bis zur Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert. Einige Museen sind kommunal, andere gehören zum LVR oder werden ehrenamtlich von Trägervereinen geführt.

Doch gerade diese enorme Bandbreite sehen die Initiatoren als Vorteil. „Wenn wir es schaffen, dass nur ein Besucher ein weiteres Museum besucht, haben wir schon erreicht, was wir wollten, dass die Leute über ihren Tellerrand schauen“, sagt Dr. Andreas Wallbrecht, Leiter des Deutschen Werkzeugmuseums in Remscheid. Dabei helfen sollen gemeinsame Broschüren und eine Website. Damit, so Wallbrecht, könne man die elf Häuser touristisch als „die bergischen Museen“ vermarkten. „Das erschließt für alle neues Besucherpotenzial.“

Welche Vorteile, Synergien und Ansätze sich sonst noch aus der Kooperationen ergeben könnten, wollen die Partner abwarten. Denkbar sei, dass die größeren Häuser die kleinen unterstützen, sagt Wallbrecht. Außerdem gemeinsame Ausstellungen und der Austausch von Erfahrungen. „Wir lassen uns selbst überraschen“, sagt Sandra Brauer vom Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg.

Losgehen soll es erstmal mit einem gemeinsamen Themenjahr unter dem Titel „Ganz viel Arbeit“, das offiziell am 1. Juni, tatsächlich aber schon etwas früher startet. „Uns ist wichtig, den Wandel der Arbeit in der Region zu zeigen“, umschreibt Petra Dittmar von Lindlarer Freilichtmuseum den Ansatz. Dabei agiere jedes Haus entsprechend der eigenen Ausrichtung eigenständig, trotzdem seien die geplanten Ausstellungen, Symposien und Veranstaltungsreihen aufeinander abgestimmt.

Offiziell geht das Themenjahr vom 1. Juni bis zum Sommer 2020, den eigentlich Start übernimmt aber das Deutsche Schloss- und Beschlägemuseum in Velbert, das vom 25. April bis zu seinem Umzug Mitte Juni eine Sonderausstellung mit dem Titel „Schließen und Schützen in Zeiten der Digitalisierung“ zeigt. Am 6. Juni steigt das Deutsche Werkzeugmuseum in Remscheid dann mit „Arbeit ist das Salz des Lebens“ ein, einer Sonderausstellung, die unter anderem die Frage stellt, wozu der Mensch Arbeit braucht.

Am 7. Juli eröffnet der Zeittunnel in Wülfrath die Ausstellung „Total verkalkt“, die sich mit der Geschichte des Kalk-Abbaus beschäftigt, ehe im August das Solinger Industriemuseum ein mehrmonatiges museumspädagogisches Projekt startet. Bis November können Gruppen, Schulklassen aber auch Einzelbesucher Workshops zur Herstellung von Schmuck, Draht und Schmiedeprodukten besuchen.

Das Haus Dahl in Marienheide als Außenstelle von Schloss Homburg lädt am 23. August zu einem Symposium zu Themen wie Strukturwandel und die Beziehung zwischen Stadt und Land. „Alles Zinn“ heißt es dann ab dem 27. September im Niederbergischen Museum in Wülfrath, wo das traditionelle Zinnhandwerk beleuchtet wird – und damit auch die Herstellung der Dröppelminna. Im Oktober blickt das Museum auf der Hardt in Wuppertal auf 190 Jahre Missionierungsgeschichte zurück und da vor allem auf den weniger bekannten Teil wie den ärztlichen Dienst und Bildungsarbeit.

Den Start ins neue Jahr übernimmt Schloss Burg in Solingen mit einer Ausstellung zu Arbeit und Tourismus, bevor das Freilichtmuseum Lindlar zum Weltfrauentag am 8. März eine neue Dauerausstellung eröffnet, die das Leben der Landfrauen in den 1920er Jahren beleuchtet.

Den Abschluss übernimmt das Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe, das sich ganz dem Thema „Pause“ widmet. Geplant sind unter anderem museumspädagogische Angebote, die – natürlich – in der Mittagspause stattfinden sollen.

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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