Oberberg wird zum Vorbild

Landrat Jochen Hagt (Mitte) stellte "Oberberg_FAIRsorgt" zusammen mit Frank Mäuer von der AOK, Prof. Dr. Wolfgang Goetzke, Ralf Schmallenbach und Sascha Klein vom Klinikum Oberberg (v.li.) vor.

Oberberg Die Zusammenarbeit der verschiedenen Leistungserbringer in der Gesundheitsversorgung von Pflegebedürftigen muss verbessert werden, da sind sich die Experten einig. Als Vorbild dafür könnte in den kommenden Jahren der Oberbergische Kreis dienen. Unter dem Namen „Oberberg_FAIRsorgt“ haben Kreis und weitere Partner ein bundesweit einmaligen Modellprojekt ins Leben gerufen. Finanziert wird das mit 11,2 Millionen Euro vom Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss von Krankenkassen, Ärzten und Krankenhäusern. „Die Champions League der Förderkulissen”, wie es Kreisgesundheitsdezernent Ralf Schmallenbach nennt.

Ziel des Projekts sei es, die bestehenden Strukturen besser zu vernetzen und so zu entlasten, sagt Schmallenbach: „Bisher denkt jeder in seinem Sektor und die Leistungserbringer verstehen sich zum Teil sogar als Konkurrenten.“ Ein Austausch untereinander diene aber dem Wohl der Patienten – und bringe auch für Ärzte, Kassen, Krankenhäuser und Pflegedienste einen spürbaren Mehrwert. Erkennt bisher zum Beispiel der Mitarbeiter eines Pflegedienste bei einem Patient eine latente Sturzgefahr kann er eigentlich nur – und quasi ehrenamtlich – den Patient oder dessen Angehörige auf entsprechende Beartungsangebote aufmerksam machen. Für die Zukunft sei hingegen denkbar, dass der Pflegedienstmitarbeiter die Beratung aktiv einleitet – und dies auch vergütet bekommt.

Weitere Ideen sind laut Schmallenbach „Case Manager“, die im Auftrag des Patienten Gesundheitsdaten einsammeln und gezielt zur Verfügung stellen, um Pflegekräfte zu entlasten und unnötige Untersuchungen und Behandlungen zu vermeiden. Pflegeeinrichtungen könnten sich außerhalb der üblichen Praxiszeiten per Telemedizin an Ärzte wenden, auch solche in Elternzeit oder Ruhestand, um Patienten nur dann ins Krankenhaus einliefern zu lassen, wenn es wirklich notwendig ist. Und ein „Seniorenbegrüßungsdienst“ könnte Pflegebedürftige und deren Angehörige zuhause besuchen, um über passende Beratungsangebote zu informieren. So wie heute schon junge Eltern kurz nach der Geburt besucht werden.

Starten soll „Oberberg_FAIRsorgt“ im Frühjahr 2019, aktuell wird gerade der passende Projektmanager gesucht. Das erste Jahr des dann auf vier Jahre angelegten Projekts sei eine reine Konzeptionsphase, sagt Ralf Schmallenbach. Denn die bisher entwickelten Ideen sollen konkretisiert sowie weitere entwickelt werden – und zwar zusammen mit den betroffenen Leistungserbringern. „Wir möchten niemanden brüskieren“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Goetzke von der Gesundheitsregion KölnBonn. „Niemand sollte durch die zusätzlichen Angebote ein Nachteil haben.“ Die Resonanz dafür sei bisher schon sehr gut. Zumal das Modellprojekt auf ähnliche Aktivitäten des Kreises aufbaue, der sich bereits seit einigen Jahren in diesem Bereich engagiert.

Ab Frühjahr oder Sommer 2020 sollen dann maximal 1.000 Patienten in das Modellprojekt aufgenommen und zwei jahre lang versorgt werden. Das vierte Jahr dient anschließend der Auswertung. “Wenn wir das erreichen, wird die ganze Region gestärkt”, sagt Kreisgesundheitsdezernent Ralf Schmallenbach. Denn „Oberberg_FAIRsorgt“ könne nicht nur Vorbild für ganz Deutschland sein, sondern steigere auch die Attraktivität Oberbergs für Familien und medezinische Fachkräfte. 

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.