Musik zum sehen

Der "Drachenkampf" aus Licht ernstand 1981 in Rom. Dabei nutzte Karlheinz Stockhausen auch, wie man oben sehen kann, den Keilrahmen als Fläche mit.

Bergisch Gladbach/Kürten Er gehört ohne Zweifel zu den bedeutensten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Dass Karlheinz Stockhausen, der 2007 in Kürten starb, aber auch ein großes Werk an grafischen Arbeiten hinterlassen hat, wissen wohl nur die wenigsten. Genau diesem Teil seines Schaffens widmet sich die Ausstellung „Klang Bilder“, die am Samstag, 3. November, im Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach eröffnet wird. Bis zum 24. Februar sind dort nun 76 Werke Stockhausens zu sehen, davon der größte Teil auf Papier.

Dass die aber keinesfalls losgelöst von seinen musikalischen Arbeiten betrachtet werden können, macht Museumsleieterin Dr. Petra Oelschlägel deutlich: „Stockhausen hat immer in riesigen Zusammenhängen gedacht und geplant.“ Und so seien auch seine grafischen Arbeiten Teil eines Gesamtkonzeptes – meist, um anderen den Zugang zu seiner Musik zu ermöglichen oder zu erleichtern. Viele Werke, die die Villa Zanders zeigt, wurden zum Beispiel bei Seminaren und Kursen eingesetzt, um Stockhausens Idee von Musik zu visualisieren. Andere waren der Versuch, die Kompositionen samt zusätzlicher Anweisungen für Dirigenten und Musiker festzuhalten: „Irgendwann reichte die übliche Notation nicht mehr aus, um das aufzuschreiben, was man als Vision von der Musik im Kopf hatte.“

Zur Ausstellung gehören aber auch von Karlheinz Stockhausen entworfene Kostüme für seine Stücke und einige seiner von ihm beschrifteten Schreibtischunterlagen, die einen tiefen Einblick in das Leben des Komponisten zulassen. Und natürlich darf auch seine Musik nicht fehlen. Mindestens einmal am Tag, wochentags um 16 Uhr, an Feier- und Sonntagen um 12 und um 16 Uhr, erklingt ein etwa 20 bis 45 Minuten langes Stück in der Ausstellung.

Entstanden ist die Ausstellung, zu der sich bereits Besuchergruppen aus den Niederlanden angekündigt haben, in Zusammenarbeit mit der Kürtener Stockhausen-Stiftung. Die grundsätzliche Idee dazu gebe es schon seit gut zehn Jahren, sagt Suzanne Stephens, die die Stiftung zusammen mit Kathinka Pasveer leitet. Dass es nun, im Jahr von Stockhausens 90. Geburtstag, endlich damit geklappt hat, habe ganz unterschiedliche Gründe. „Es fühlte sich einfach richtig an.“

Dabei wirft „Klang Bilder“ nicht nur einen Blick auf einen bisher eher unbekannten Bereich von Karlheinz Stockhausens Leben und Schaffen, sondern ist in dieser Form bisher auch einmalig. Zwar seien auch vorher schon grafische Arbeiten von Stockhausen gezeigt worden, sagt Suzanne Stephens, aber fast nie Originale. Und die Besonderheit dieser Ausstellung, auch das macht Stephens deutlich, liege in der Kooperation aus Stiftung und Museum – und damit von Pasveer und Stephens als Musikerinnen mit der Kunsthistorikerin Oelschlägel. „Sie hatte sofort unser Vertrauen gewonnen“, berichtet Suzanne Stephens über diese Zusammenarbeit. „Und ich bin über das Ergebnis absolut begeistert.“

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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