Defibrillatoren per Crowdfunding

Overath Overath möchte möglichst viele öffentlich zugängliche Gebäude im Stadtgebiet mit Defibrillatoren ausstatten – und sucht dafür im Rahmen eines Crowdfunding-Projektes nach Spendern. Rund 1.800 Euro kostet ein so genannter Laiendefibrillator, im Fachjargon AED für Automatisierter Externer Defibrillator, der auch von medizinisch nicht geschulten Personen eingesetzt werden kann. Je häufiger diese Summe zusammenkommt, je mehr Geräte sollen angeschafft werden.

Denn im Haushalt der Stadt seien dafür keine Mittel verfügbar, macht Bürgermeister Jörg Weigt klar: „Die Ausstattung von Gebäuden mit Defibrillatoren ist keine Aufgabe der Stadtverwaltung.“ Stattdessen habe man das Projekt „Herzsicheres Overath“ auf der Online-Plattform betterplace.org eingerichtet. Die Funktionsweise ist einfach: Jeder gibt, was er kann und will, kommt die notwendige Summe nicht zusammen, bekommt jeder Spender sein Geld zurück. Kommt das Geld zusammen, schafft die Stadt davon ein Gerät an. Aktuell laufen vier Teilprojekte parallel, fürs Bürgerhaus, den Kulturbahnhof, die Mehrzweckhalle Untereschbach und fürs Badino.

Ausgelöst hatte das Projekt ein Erlebnis der SPD-Fraktion. Während einer Besprechung in den Räumen der Stadtwerke klopfte plötzlich ein junger Mann an die Fensterscheibe. Der war zuvor als Fahrschüler auf der Autobahn unterwegs gewesen, als sein Fahrlehrer einen Herzanfall erlitt. Sofort fuhr der junge Mann von der Autobahn ab und steuerte das erste beleuchtete Gebäude an – das der Stadtwerke, in dem die SPD-Fraktion tagte. „Dieses Ereignis bewegte die Fraktionsmitglieder, einen solchen Antrag im Rat zu stellen, welcher dann von allen Fraktionen befürwortet wurde“, so Bürgermeister Weigt.

Rund 100.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an einem plötzlichen Herztod, ein Großteil davon könnte durch den Einsatz eines Defibrillators gerettet werden. In rund 85 Prozent liegt anfangs ein Kammernflimmern vor. Diese elektrisch kreisende Erregung der Herzmuskeln kann durch einen gezielte Strom-Schock unterbrochen werden, so dass die Stimulation wieder vom natürlichen Erregungsleitsystem des Herzens übernommen werden kann. Ein AED erkennt selbstständig, ob ein solcher Schock notwendig ist, und gibt ihn bei Bedarf halbautomatisch ab. Der Helfer muss nur den Anweisungen des Geräts folgen.

Übrigens: Das Gebäude der Stadtwerke Overath wurde zwischenzeitlich mit einem Defibrillator ausgestattet.

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.