O Captain! My Captain Book!

In dieser Kolumne im „Bergischen Boten“, die mir selbst – als Schreiber – schon ans Herz gewachsen ist, hab ich schon oft über Bücher geschrieben. Wenn ich in meiner Kinderzeit nach dem Hochamt in der „Mama-Kirche“ St. Nikolaus in Wipperfürth in die Borromäus-Bücherei stürmte, um das neueste Buch von Enid-Blyton zu ergattern. Wie ich mich dann Sonntagsnachmittags schon mit einem „Peffer-Butter“ (Wipperfürther wissen: eine Brotschnitte mit Rübenkraut) zurückzog, um in fremde und fantastische Welten einzutauchen: Jim Knopf, Krabatt, 5 Freunde, Robinson Crusoe und viele viele mehr. Sie waren die Helden und Begleiter meiner Kindheit, und ihre älteren Verwandten, vor allem Mr. Stephen King, gehen auch heute mir treu zur Seite. Ohne Bücher wäre ich verloren – oder zumindest bitter arm.

Wie sehr träumte ich davon, selber ein Buch zu schreiben. Und dann geschah es: Vom Verlag „GVA“ aus der ostwestfälischen Stadt Gütersloh wurde mir angeboten, ein Buch über die Erfahrungen meiner Depression zu schreiben. Und siehe: Es hat schon die fünfte Auflage! Der Erfolg ließ den Verlag nicht ruhen und er bedrängte mich, doch unbedingt ein weiteres Buch zu schreiben. Und Tata! Es ist da. Am 24 März in allen Buchhandlungen. Ist es mir gestattet, liebe Leserschar, aus dem geliebten bergischen Land ein wenig hier und jetzt dafür zu werben?

Also – aus dem Vorwort von „Lachen-Leiden – Lust am Leben. Die befreiende Kraft der Religion“:

…bekam ich einen Anruf von der „Giordano-Bruno-Stiftung“, eine der leidenschaftlichsten atheistischen Vereinigungen Deutschlands. „Herr Pauels“, sagte der Anrufer, ein Dr. Vohwinkel, „wir würden Sie gerne zu unserem atheistischen Stammtisch einladen.“ Ich lehnte ab: „Och nö, man lädt ja auch keinen Veganer zum Grillen ein“. Das war nicht höflich von mir, und heute bedauere ich diese Ablehnung. Umso mehr freute ich mich, dass Dr. Vohwinkel meine Einladung zu meinem Kabarett-Abend im Senftöpfchen annahm. So stand ich denn vor ausverkauftem Haus auf der Bühne der urigen Kleinkunstbühne in Köln und begann das Programm mit folgender frechen Ansage: „Ich freue mich sehr, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Besonders freue ich mich über das Erscheinen meines Ehrengastes Dr. Vohwinkel von der atheistischen „Giordano-Bruno-Stiftung“. Ich weiß jetzt nicht, wo er sitzt, aber Sie erkennen ihn an zwei Hörnern und leichtem Schwefelgeruch.“ Oh je – auf Kosten des armen Ehrengastes machte ich so manchen Witz während des Programms, und anschließend wartete ich voller Bangen im Foyer, ob er mich treffen wollte oder vielleicht wütend gegangen sei; schließlich hatte ich ihn ja ungefragt als „running gag“ missbraucht. Aber da stand er und lächelte mich an. „Herr Pauels“, sagte er, „ich hab mich köstlich amüsiert und viel gelacht, aber immer wenn Sie von Ihrem Glauben gesprochen haben, dachte ich: Wie kann ein aufgeklärter Mensch wie der Bergische Jung, trotz wissenschaftlicher Erklärung der Welt, immer noch den Märchen der Religion glauben?! Da muß es sich doch um eine Art Geisteskrankheit handeln.“ Tja, da stand ich nun und fragte mich nicht zum ersten Mal: „Bin ich eigentlich bekloppt?! Warum kann ich nicht aufhören, an Gott zu glauben?“

So entstand dieses Buch. Es sei Ihnen, liebe Leserschar, wärmstens empfohlen…

Übrigens: Ich vermerkte schon, dass der Verlag aus Westfalen stammt, wahrscheinlich hat er deshalb meine Vorschläge für das Werk als zu rheinisch abgelehnt. Die lauteten nämlich: „Leck mich am Arsch Sisyphos, der Stein ist oben“. Oder: „Bin ich bekloppt? Warum ich noch an Gott glaube.“

„Wenn im Rheinland einer über Tische und Bänke springt, ist das normal. In Westfalen wird das stationär behandelt.“ (Manfred Lütz)

So isses:
Der bergische Jung
Willibert Pauels

Willibert Pauels (Jahrgang 1954) schreibt seit 2009 eine regelmässige Kolumne im Bergischen Boten. Er wurde 1993 zum katholischen Diakon geweiht. Seit 1995 steht er als "Ne bergische Jung" in der Bütt und ist zu einer festen Größe im Kölner Karneval geworden. Er lebt mit Frau und Tochter in Wipperfürth-Hamböcken.

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