Freestyle Bauen Made in Burscheid

Viele Ecken, Winkel und Schrägen: Dieses Haus baute Dietmar Schneider in Leverkusen.

Burscheid Ein Gartenhaus, das im Garten wie eine Muschel am Strand liegt. Eine Muschel, deren Öffnung ein Wohnzimmer zum Vorschein bringt. Türen und Seitenwände bestehen fast vollständig aus Glas – und lassen sich öffnen, so dass der Garten und das Innere des Häuschens verbunden werden. Quasi eine Perle der Natur. Und in der Natur. Verantwortlich für dieses ungewöhnliche Bauwerk, das in einem privaten Garten steht, ist der Bauingenieur Dietmar Schneider aus Burscheid.

„Ich bin immer für Dinge zu haben, die nicht normal sind.“ Dietmar Schneider sitzt der sprichwörtliche wie sympathische Schalk im Nacken. Schnell ist klar, dass ihn das Normale unterfordert. Seine Bauten sind Schauplätze wilder Ideen und verspielter Träumereien. Dabei kann Schneider auch normal. Das konventionelle Bauen ist also auch Teil seines Werdegangs. Als nach dem Abitur die Frage aufkam, was er nun machen wollte, entschied er sich, Architekt zu werden. Aber sein Vater sagte: Nein. „Er fand Bauingenieur vernünftiger. Also wurde ich Bauingenieur.“ Zwar sagt Schneider heute, dass dieses Studium nicht zu ihm gepasst hatte, aber es führte dazu, dass er mit einem Freund eine Bauträgergesellschaft gründete, die Reihenhäuser in Serie hochzog. Und Schneider, der Ingenieur, legte stets auch selber Hand an, schachtete Fundamente aus, deckte Dächer ein und was sonst auf der Baustelle so anfällt. Bis ihm das alles zu normal wurde.

Seither baut Dietmar Schneider anders. Detaillierte Pläne erstellt der Ingenieur nicht, er hat, so sagt er, alle Baustelle und alle Maße im Kopf. „Dafür braucht man natürlich Partner, denen man vertraut.“ Eines seiner Highlights ist ein Haus, das er ohne Bauplan in Leverkusen baute und bei dessen Entstehung er sich gänzlich austoben durfte. Viele Ecken, Winkel und Schrägen ergeben ein phantasievolles Bild von einem einladenden Haus, das einer Cartoon-Serie entsprungen wirkt. „Ästhetik und Funktion müssen gewährleistet sein“, sagt Schneider.

Die Garageneinfahrt führt zwischen den einzelnen Elementen entlang unter eine Überdachung, sodass man von der Garage jederzeit trocken ins Haus gelangt. Im Inneren erwarten den Besucher blau beleuchtete Glasbrücken, über die er von einem offenen Raum der oberen Etage zum anderen gelangt und dabei das Gefühl hat, über dem Wohnbereich zu schweben.

Das muschel- artige Gartenhäuschen.

Das muschelartige Gartenhäuschen.

„Hier war ich jeden Tag auf der Baustelle. Wir hatten keinen Bauplan. Das habe ich mit dem Bauunternehmer Oelsner aus Leverkusen gemacht. Der hat gesagt, dass er das mit keinem anderen machen könnte, würde und wollte.“ Der Kunde und Freund, für den er dieses Haus baute, hatte ihm von einer Idee berichtet. Schneider hörte sich die Idee an – und machte einen Gegenvorschlag. Was er dann realisierte, ist mit „innovativ“ völlig unzureichend umschrieben: Eine Art Waschraum im Wintergarten. Die Badewanne ist aus Sandstein und bietet sowohl einen Blick in das durch eine Glaswand abgetrennte Schlafzimmer als auch direkte Aussicht auf den Garten. Ein Traumbad zwischen Federbett und Federbusch.

Schneiders guter Freund und Kollege, Fliesenleger Bernhard Hoffrogge aus Burscheid, hat die Plattenelemente der Wanne in die ungewöhnliche Form gebracht. Das mehreckige Wohlfühlbecken bietet nicht trotz, sondern dank seiner unkonventionellen Erscheinung absoluten Liegekomfort. Erkennt man die Badewanne auf den ersten Blick als solche, muss man beim Waschbecken zweimal hinschauen. Hier hat Dietmar Schneider seinen Hang zur funktionellen ästhetischen Verspieltheit voll ausgelebt. Das Becken erinnert an eine Bachquelle, von der ein kleiner Wasserfall auf den Waschtisch plätschert. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die Armaturen am Spiegel. Individuelle Badezimmer, so scheint es, sind Schneiders persönliches Steckenpferd. Bei ihm werden Bäder zu Abenteuerspielplätzen. Und in seinem Kopf hat er noch viele weitere Ideen. Zum Beispiel eine Vorrichtung, die Regenwasser wie in einer Regenrinne konzentriert, und damit eine Skulptur bewegt. Oder die Idee mit dem gefluteten Badezimmer, das mit Steinen besetzt ist, über die man gehen muss. „Es muss natürlich zu Kunde und Ort passen“, sagt Schneider. Viel mehr Einschränkungen scheint es aber nicht zu geben. Schneider schaut bei seinen Kunden genau hin, um die passende Idee zu finden. „Ich gucke, wie sind die drauf? Wie sind die Kunden eingerichtet, wie leben sie? Ich filtere dann, um das Richtige zu finden.“ Auf diese Weise kommt der passende Einfall, wie zum Beispiel ein Ankleidezimmer mit Bad-Blick. „Ich mache mir Gedanken, wie etwas aussehen könnte, und überlege dann: Wie bekommt man das hin?“

Für den Sternenhimmel in der Galerie seines eigenen Hauses hat sich Schneider eine Lichtsteuerung ausgedacht. Sie funktioniert mit Bewegungsmeldern und Lichtsensoren, die feststellen, wie dunkel es draußen ist. Abhängig von zunehmender Dunkelheit leuchten die Sterne anders. „Das ist nicht nur ein Effekt: Klatsch! Licht an, Licht aus.“ Das Ganze funktioniert durch eine Konstruktion mit einer zentralen Lichtquelle und Scheiben mit unterschiedlich großen Löchern. „Erst später hat mir ein Techniker gesagt, dass so etwas auch in Museen angewendet wird, damit kein Tageslicht auf die Ausstellungsstücke fällt.“

In seinem eigenen Haus, das er selbst entworfen und gebaut hat, konnte sich Schneider endgültig verwirklichen. Wie er im Übrigen auch bei fünf weiteren Häusern in seinem Dorf Bellinghausen seine Kreativität hat mit einfließen lassen, durch Umbauten, Neubauten oder Anbauten.

Dietmar Schneider in Bellinghausen.

Dietmar Schneider in Bellinghausen.

Bellinghausen ist so etwas wie die ganz persönliche Spielwiese von Dietmar Schneider. „Das ist nicht Burscheid, das ist Bellinghausen“, sagt er. Hier hat er Rücksicht auf die Fachwerkbauweise der Siedlung genommen und in diesem Stil weitergearbeitet und seine Ideen angepasst. „Bellinghausen ist ein in sich geschlossenes und passendes Idyll. Unterstützt durch den Charakter der Menschen, die hier wohnen“, erzählt er. „Besonders die Natur kommt hier bis auf das eigene Grundstück heran.“ Ein Vorteil, schmunzelt Schneider, ist dass man nicht so oft den Rasen zu mähen brauche. „Ich versuche das Grundstück so zu gestalten, dass es sich der Natur anpasst und sich Natur und Tiere hier wohlfühlen.“

Das Innere seines Heims hat Schneider mit Rundungen gestaltet. Dadurch wirkt alles elegant und leicht, fast beschwingt. Das Interieur ist zum Großteil selbst entworfen und gebaut. Vom Sofa über die Beistelltische bis zur Tischplatte im Essbereich. Alles ist geschwungen und entspringt den Ideen der Hausbewohner. Vom Ofenbereich im Wohnzimmer gehen strahlenförmige Platten ab, die abgestrahlte Wärme symbolisieren. Hier wirken alle Formen sanft und organisch.

Und natürlich hatte Schneider im eigenen Badezimmer freie Bahn: In den Boden hat er Wellen geschliffen. Wenn man barfuß darüber geht, weckt es das Gefühl, über ausgewaschenes Felsgestein zu laufen. Seine Dusche hat die Form einer Tulpe und ist von beheiztem Sand umgeben. „Da sollte man sich nur mit Handtuch drauf setzen.“ Das Waschbecken erinnert an eine Wasserquelle. So stellt man sich die Natur vor, wenn sie vom Menschen gebaut wäre.

Das Loslösen von den Konventionen ist Dietmar Schneiders Antrieb. Sein Traum ist es, einmal ein Haus zu bauen, das man auf den ersten Blick gar nicht als Haus erkennt. „Ein Mix aus Wohnen und Natur.“ Für sich selbst ein solches Heim zu erschaffen, glaubt er nicht, auch weil er sich in Bellinghausen wie im selbstgeschaffenen Paradies fühlt. „Aber vielleicht ist ja ein Kunde einmal verrückt genug, mir den Auftrag blind zu geben.“

Sieht alt aus, ist es aber nicht: In Bellinghausen errichtete Schneider Häuser, die sich harmonisch ins Bild der Siedlung einfügten.

Sieht alt aus, ist es aber nicht: In Bellinghausen errichtete Schneider Häuser, die sich harmonisch ins Bild der Siedlung einfügten.

Sascha Dörper berät unsere Kunden bei der Anzeigenschaltung und unterstützt die Redaktion. Er betreut unseren umfangreichen Veranstaltungskalender. Die Liebe zum Bergischen Land hat den Bergisch Gladbacher vom Fernsehen zum Bergischen Boten geführt. Nach einem Studium der Film- und Fernsehdramaturgie an einer freien Filmschule in Berlin hat er sieben Jahre für Sony Pictures FFP verschiedene TV-Formate als Redakteur betreut. Darunter lange Zeit die Quizshows „Das NRW Duell“ für den WDR oder für die RTL-Gruppe „Jeopardy!“, wo er zuletzt Leiter der Quizfragenredaktion war.

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