Philipp der Pferdefreund

Von Philipp, Prinzgemahl der englischen Queen ist folgender Spruch überliefert: „Die einzigen Wesen, denen meine Gattin in wirklich leidenschaftlicher Zuneigung verbunden ist, haben vier Beine, fressen Heu, und furzen.“ Eine in seiner unvergleichlichen Art „charmante“ Beschreibung von Pferden. Ich geb zu, der Satz amüsiert mich köstlich. Ebenso eine wahre Anekdote meines Freundes Jürgen Becker zum Thema, die sich wirklich zugetragen hat: CHIO Aachen. Eines der größten Pferdesport-Ereignisse der Welt. Im Kulturprogramm steht ein Kabarett-Abend mit Jürgen. Der Künstler betritt die Bühne und beginnt.: „Ich liebe Pferde!“ Jubel und Zustimmung aus dem tausendköpfigen Publikum. „Ja, ich liebe Pferde, schön mit Rosinensauce und Kartoffelpürre.“ Gellendes Pfeifkonzert. Wütende Protestrufe aus dem tausendköpfigen Auditorium. -„Moment!“, beschwichtigt der Redner. „Wenn jemand das Tier reiten will, hab ich nix dagegen. Eins nach dem anderen!“

Uff. Das muss man sich erst mal trauen. Ich weiß nicht, ob Jürgen den Kabarett-Abend unbeschadet überstanden hat. Ich weiß aber, dass er, wie viele männliche Zeitgenossen, der leidenschaftlichen Liebe zu Pferden seitens der weiblichen Hälfte der Menschheit unverständlich und manchmal spöttisch gegenübersteht. Es ist ja ein Phänomen. Ich glaube, jedes kleine Mädchen wird irgendwann von dem großen Wunsch beseelt, ein Pferd zu besitzen. Oder zumindest reiten zu dürfen. Und nicht, weil sie durch eine „Bibbi und Tina“- oder „Black–Beauty“-Industrie dazu verführt werden, sondern ich glaube, Mädchen haben tatsächlich ein Pferde-Gen. Und was machen Männer daraus? Natürlich einen Witz: „Papa, ich hätt so gern ein Pony.“ „Na gut, wenn du dir das so wünschst. Einverstanden. Dann gehen wir halt zum Frisör.“

Nun ist aber Schluss mit der Spötterei, und es ist für mich Zeit, Abbitte zu leisten. Denn natürlich haben auch Jungs, und sogar der Schreiber dieser Zeilen, ein Herz für Pferde. Meine Wenigkeit nicht erst seit der Zeit, als vor vielen Jahren – natürlich für Frau und Tochter – ein junges stattliches Pferdchen in unsere Familie kam. Goofy, so sein nicht gerade heroischer Name, ist mittlerweile ein alter grauer Herr geworden. Aber, geliebt wie ein Bruder, ein Freund, ein Kamerad – ein Geschöpf Gottes, so wie wir. Und natürlich spielen Pferde auch für Jungs eine große Rolle in der phantasie-beflügelt durch unzählige Abenteuerbücher. Ich nenne nur die edlen Rosse von Winnetou und Old Shatterhand: „Hattatitla“ und „Iltschi.“ Und für mich selbst unvergessen: „Rih“, der treue Araberhengst von Kara-Ben-Nemsi. Das Kapitel in „Der Schut“ von Karl May, mit dem Titel „Rih’s Tod“, hat mich seinerzeit zutiefst erschüttert. 

Leider ist unser Bild vom Islam, nicht unberechtigterweise, getrübt und vergiftet von der Erfahrung des totalitären Islam, befeuert durch den arabischen Wahabismus, der leider mehr und mehr in seiner fundamentalistischen und grausamen Wesensform weltweit die muslimischen Länder erobert. Dabei vergessen wir, dass es auch einen wirklich friedlichen, tief spirituellen Islam gibt. Leider aus besagten Gründen mittlerweile eine Randerscheinung in der islamischen Welt – aber es gibt ihn. Wie alle spirituellen Religionen ist er angefüllt mit wunderbaren Geschichten. Eine geht so: „Als der Prophet und seine Gefährten mit ihren Pferden die Wüste gen Mekka durchquerten, gingen ihnen in einem Wüstensturm sämtliche Wasservorräte verloren. So litten sie auf ihrem Weiterritt furchtbare Qualen höllischen Durstes. Endlich erschien am Horizont eine Oase mit frischem kühlem Wasser. Wie von Dämonen gejagt stürzten Reiter und Tiere in das rettende Nass. Nur das Pferd des Propheten war so edel im Gemüt, dass es, trotz entsetz-lichen Durstes, am Rand des Teiches stehen blieb, erst seinen Herrn vom Wasser schöpfen ließ, und dann seinen Hals niederstreckte, um in tiefen Zügen zu trinken. Von diesem edlen Ross des Propheten stammen alle Araber-Pferde ab.“ Und wie im Orient, so auch im Abendland: Wer am 06. November in das schmucke bayrische Städtchen Tölz kommt, wird Zeuge eines farbenreichen Festes. 

Reiter in prächtigen alten Trachten ziehen mit ihren Rössern und einundfünfzig Wagen dreimal um die Kapelle des heiligen Leonhard, Schutzpatron der Pferde. Hell glänzen die Geschirre, Mähnen und Schweife tragen Bänder und Blumenschmuck. Auf den alten Wagen liest man fromme Sprüche, die sich vertrauensvoll an den großen Schutzheiligen wenden: „Heiliger Leonhard, steh uns bei, halt unsern Stall von Unglück frei! Beschütze uns auf allen Wegen, und bitte für uns um Gottes Segen!“ Oder: „Sankt Leonhard vorm Himmelstor, wir -reiten dir die Rosse vor, wir kommen einst zu Fuß herauf, halt uns dann die Türe auf!“

Is dat nich herrlich?!

Nein – auch ich gebe zu.

Ich liebe Pferde! Beim Barte des Propheten. Wenn ich mich nicht irre-Hi-Hi-Hi!

Der bergische Jung
Willibert Pauels

PS.: Der Name des englischen Prinzgemahls „Philipp“ bedeutet übersetzt: „Pferdefreund“!

Willibert Pauels (Jahrgang 1954) schreibt seit 2009 eine regelmässige Kolumne im Bergischen Boten. Er wurde 1993 zum katholischen Diakon geweiht. Seit 1995 steht er als "Ne bergische Jung" in der Bütt und ist zu einer festen Größe im Kölner Karneval geworden. Er lebt mit Frau und Tochter in Wipperfürth-Hamböcken.