Der Himmel schickt keine Rechnung

So wie hier in Wipperfürth bauen lokale Handwerker im Auftrag der BEW Solar-Anlagen.

Rhein- und Oberberg Man könnte meinen, die fetten Jahre seien vorbei. Wer sich noch vor ein paar Jahren eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach bauen ließ, konnte den so erzeugten Strom für 40 und mehr Cent je Kilowattstunde ins Netz einspeisen. „Das war ein sicheres Anlage-Modell“, sagt Florian Bublies, Energieberater der Verbraucherzentrale. Mit Betonung auf das „war“. Denn die so genannte Einspeisevergütung ist zwischenzeitlich auf 12,2 Cent gesunken. Und doch sagt Bublies: „Es lohnt sich auf jeden Fall noch, über eine Solar-Anlage nachzudenken.“ Nur halt anders.

Denn ging es früher darum, egal wie und wann, Hauptsache viel Strom zu erzeugen, um den zu verkaufen, versucht man heute, einen möglichst großen Anteil des eigenen Stromverbrauchs durch Solar-Energie zu decken. Und nur einzuspeisen, was danach noch übrig ist. In der Regel könne man so Strom für unter 20 Cent je Kilowattstunde produzieren, sagt Florian Bublies. Und das spare im Vergleich zum sonst üblichen Strompreis einfach eine Menge Geld. Dafür werden die Anlagen meist kleiner. Und müssen individuell an die Situation der Hausbewohner angepasst werden, vor allem an den Verbrauch. An die Menge. Und bestenfalls auch an den Zeitpunkt.

Statt also nur die Ausrichtung des Daches und seine Fläche zu erfassen, stellen Florian Bublies und seine Kollegen nun auch ganz andere Fragen: Wieviel Strom verbraucht der Haushalt. Und wann am meisten? Wer ist wann zuhause? Laufen tagsüber besonders viele elektrische Geräte? Und ist vielleicht sogar die Anschaffung eines Elektro-Autos geplant? Die Beratung sei komplexer geworden, sagt Bublies. „Wir planen immer eineinhalb Stunden für die Beratung vor Ort. Inzwischen reicht das aber kaum noch aus.“

Wer wissen möchte, ob das eigene Dach überhaupt für die Stromerzeugung taugt, bevor er einen Energieberater kommen lässt, kann übrigens ins Internet schauen. Unter www.solare-stadt.de/rbk und www.obk.de/solarkataster gibt es so genannte Solarpotenzialkataster für beide Kreise. Mit der Suchfunktion ist das eigene Haus schnell gefunden. Und dessen Farbe – von grün für sehr gut über gelb und orange bis rot für überhaupt nicht – zeigt an, wie gut das jeweilige Dach geeignet ist. „Das ersetzt natürlich nicht die persönliche Beratung vor Ort“, sagt Richard Orth, Effizienzmanager des Oberbergischen Kreises. „Aber man bekommt einen ersten Anhaltspunkt.“

Noch etwas weiter geht da das Solar-Portal des Wipperfürther Energieversorgers BEW, das auch außerhalb dessen Geschäftsgebiets funktioniert. Ähnlich wie beim Solarkataster kann man hier das eigene Haus suchen. Nach weiteren Angaben, vor allem zum Stromverbrauch, berechnet das Portal mit ein paar Klicks die richtige Größe der Anlage und ihre Kosten – und wann sich die Investition amortisiert. Die Daten dazu stammen aus Luftaufnahmen des Landes NRW, so können Besonderheiten des Geländes, Verschattungen und die Veränderungen im Laufe der Jahreszeiten bereits berücksichtigt werden.

Auf Wunsch gibt es anschließend gleich noch ein Angebot per Mail oder Post. Denn die BEW verkauft und verpachtet auch Anlagen, in Zusammenarbeit mit örtlichen Handwerkern. „Damit bieten wir unseren Kunden einen echten Mehrwert“, sagt Oliver Rakow, Leiter Vertrieb und Energie bei der BEW. Zum einen, weil die erste Prognose, ob sich eine Anlage rechnet, meist schon sehr nah an der Realität ist. Zum anderen, weil die BEW von der Planung über die Installation bis zur Wartung der Anlage alles übernimmt. „Sogar die Versicherung ist darin schon enthalten“, sagt Rakow.

Und auch ohne Einspeisevergütungen weit über dem aktuellen Strompreis sind die Photovoltaik-Anlagen durchaus noch finanzierbar. Auch weil die eigenverbrauchoptimierten Anlagen eher kleiner geworden sind. Vor allem aber, weil die Preise für Solarmodule stark gesunken sind. Um fast die Hälfte in fünf Jahren. In den meisten Fällen sei das investierte Geld nach rund zwölf Jahren wieder drin, sagt Energieberater Florian Bublies. „Und nebenbei tut man ja auch noch was für die Umwelt.“ III

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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