„Elefantenhochzeit“ unter Volksbanken

Großes Medieninteresse in Windeck, wo die beiden Banken ihre Fusionspläne vorstellten. Ingo Stockhausen (Mi.), bisher Vorstandvorsitzender in Oberberg, soll diesen Job auch im neuen Institut übernehmen.Großes Medieninteresse in Windeck, wo die beiden Banken ihre Fusionspläne vorstellten. Ingo Stockhausen (Mi.), bisher Vorstandvorsitzender in Oberberg, soll diesen Job auch im neuen Institut übernehmen.

Wiehl/Siegburg Die nächste Fusion unter genossenschaftlichen Banken in der Region steht an – und es könnte eine „Elefantenhochzeit“ werden: Die Volksbank Oberberg, in zehn der 13 oberbergischen Gemeinden und Remscheid vertreten, will sich 2020 mit der VR-Bank Rhein-Sieg zur VR Bank Rhein-Sieg Oberberg zusammenschließen. Nach derzeitigem Stand würde so die achtgrößte regionale genossenschaftliche Bank Deutschlands mit fast sechs Milliarden Euro Bilanzsumme, 59 Geschäftsstellen, rund 900 Mitarbeitern und einem Geschäftsgebiet doppelt so groß wie der Bodensee entstehen. Endgültig entscheiden über die Fusion müssen die beiden Vertreterversammlungen.

Ziel der Fusion sei es nicht, Standorte oder Personal einzusparen, sagt Ingo Stockhausen, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Oberberg. „Das ist für uns überhaupt kein Thema.“ Und auch sein Kollege aus Rhein-Sieg, Dr. Martin Schilling, sagt: „Es geht nicht darum, mit dem Rotstift durchs Haus zu rennen.“ Sogar sie beiden bisherigen Hauptstellen in Wiehl und Siegburg sollen erhalten bleiben. Vielmehr gehe es um weiteres Wachstum. „Auch hier gilt, dass wir wachsen, um uns das Kleinsein leisten zu können“, sagt Stockhausen. Bei der aktuellen Eigenkapitalquote der beiden Häuser könnte das neue Institut zum Beispiel zwei Milliarden Euro zusätzlicher Kredite vergeben. „Wir nutzen unsere neue Größe, um unser Angebot auszubauen“, sagt Dr. Martin Schilling.

Seit 2017 führen die Vorstände und Aufsichtsräte beider Banken Gespräche zu einem möglichen Zusammenschluss. Der bisherige Plan sieht vor, die beiden Vertreterversammlungen im Frührjahr/Sommer 2020 darüber abstimmen lassen. Wenn sie mit mindestens 75 Prozent zustimmen, soll die Fusion juristisch rückwirkend zum 1. Januar 2020 durchgeführt werden, die technische Fusion ist für den Herbst geplant. Dann müssten sich die Kunden der Volksbank Oberberg auch an neue Kontoverbindungen gewöhnen. Denn formal aufnehmendes Institut soll die VR-Bank Rhein-Sieg werden, ihre Bankleitzahl bleibt also erhalten. Juristischer Sitz der neuen Bank wird dann ebenfalls Siegburg. Grund für die relative lange Vorlaufzeit der Fusion ist eine IT-Umstellung, die beiden Banken noch bevorsteht und die im Herbst 2019 abgeschlossen sein soll. „Unsere Mannschaften schieben jetzt schon Sonderschichten“, sagt Ingo Stockhausen. „Bis das dahin verbietet sich eine Fusion.“

Vorstandsvorsitzender der neuen Bank soll Ingo Stockhausen werden, sein Kollege Dr. Martin Schilling wird 2020 in den Ruhestand gehen. Wenn Stockhausen dann einige Jahre später ebenfalls in den Ruhestand geht, soll ihm Holger Hürten, bisher Vorstandsmitglied in Rhein-Sieg, folgen. Parallel dazu, so die bisherigen Pläne, sollen auch die Aufsichtsratsvorsitzenden wechseln: Zunächst soll Dr. Udo Meyer, bisher Volksbank Oberberg, die Aufgabe übernehmen. Wenn Hürten den Vorsitz des Vorstandes übernimmt, wechselt Prof. Martin Jonas, zurzeit Aufsichtsratsvorsitzender der VR-Bank Rhein-Sieg, auf diesen Posten.

Mit dem neuen Namen könnten auch einige regionale Bezeichnungen im Gebiet der Volksbank Oberberg wegfallen. Die Geschäftsstelle in Hückeswagen firmiert zum Beispiel bisher unter dem Namen „Raiffeisenbank Hückeswagen Zweigniederlassung der Volksbank Oberberg“, ähnliches gibt es auch aus historischen Gründen in Radevormwald und Waldbröl. „Diese Namen werden sich auf der Zeitschiene verlieren“, vermutet Stockhausen.

Beide Institute sind heute schon das Ergebnis zahlreicher Fusionen und können auf jeweils 16 Vorgängerinstitute zurückblicken. Während für Oberberg der letzte Zusammenschluss schon etwas zurückliegt, 2004 kam die Raiffeisenbank Radevormwald-Hückeswagen hinzu, fusionierte die VR-Bank Rhein-Sieg erst 2016 und 2017 noch mit kleineren Banken. Bundesweit gibt es seit Jahren zunehmend Fusionen unter genossenschaftlichen Banken, Schätzungen gehen davon aus, das schlussendlich 150 bis 300 der aktuell mehr als 900 Banken übrig bleiben werden. Zuletzt fusionierten die Volksbank Wipperfürth-Lindlar und die Raiffeisenbank Kürten-Odenthal zur Volksbank Berg, aus der VR Bank Bergisch Gladbach und der Volksbank Rhein-Wupper wurde die VR Bank Bergisch Gladbach-Leverkusen und die Volksbank Remscheid-Solingen fusionierte mit einem Wuppertaler Institut zur Volksbank im Bergischen Land.

Die neue VR Bank Rhein-Sieg Oberberg wird mit 59 Niederlassungen in Niederkassel, Troisdorf, Sankt Augustin, Siegburg, Lohmar, Neunkirchen-Seelscheidt, Ruppichteroth, Much, Morsbach, Waldbröl, Wiehl, Reichshof, Gummersbach, Bergneustadt, Engelskirchen, Hückeswagen, Radevormwald und Remscheid-Bergisch Born vertreten sein. Nach derzeitigem Stand wird sie mehr als 215.000 Kunden und rund 87.000 Mitglieder haben. Eine Größe, die auch zusätzlichen Einfluss mit sich bringt, weiß Dr. Martin Schilling: „Das Wörtchen, das wir reden, wird bedeutender.“

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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