Lieber ein Interview statt einer versteckten Kamera

Bergisch Gladbach Etwa 1.000 Privat-Detekteien gibt es in Deutschland. Vermutlich. So ganz genau weiß das niemand. Und allein schon die Tatsache, dass es kaum verlässliche Zahlen gibt, zeigt: Detektive sind eine spezielle Spezies. Paul Malberg geht sogar noch weiter: „Die Branche ist stellenweise höchst unseriös“, sagt der 43-jährige Jurist. Dabei ist er selber Detektiv. Seit rund zehn Jahren betreibt er die Firma Proof Management GmbH, die seit etwa sechs Jahren im Bergisch Gladbacher Stadtteil Bensberg sitzt.

Das Unternehmen ist auf Fälle aus der Wirtschaft spezialisiert. Neben Markenfälschungen, Industriespionage und Datenklau kümmere man sich vor allem um Lohnfortzahlungs- und Arbeitszeitbetrug, sagt Malberg. Also wenn Arbeitgeber den Verdacht haben, Mitarbeiter täuschen eine Krankheit vor. Oder gehen einfach gar nicht zu Arbeit.

Dass Paul Malberg als Volljurist in der Branche gelandet ist, ist kein Zufall. Angefangen hat er als Angestellter bei einer anderen Detektei. Deren Chef war kein Jurist – aber clever genug, einen einzustellen. „So etwas gerichtsverwertbar nachzuweisen, ist irre schwer“, sagt er zu vermeintlichen Verfehlungen von Arbeitnehmern. Zum Beispiel reiche ein „Bauchgefühl“ längst nicht mehr aus, um einen Detektiv auf Angestellte anzusetzen. „Da muss es einen berechtigten Verdacht geben.“ Andernfalls macht sich der Auftraggeber eventuell strafbar. Und der Detektiv auch. „Aber es gibt bestimmt viele Anbieter, die das gar nicht wissen“, vermutet Malberg.

Die Berufsbezeichnung Detektiv ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Jeder darf sich so nennen, auch ohne den Nachweis einer Ausbildung. Angesichts der deutschen Geschichte, sowohl im dritten Reich als auch in der DDR, hat das wohl auch historische Gründe. Dem Ruf der Branche ist dies aber nicht zuträglich. Viele Detektive waren vorher bei der Polizei oder beim Landes- oder Bundeskriminalamt. Zudem gibt es inzwischen entsprechende Kurse, zum Beispiel von der Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe.
Pflicht ist all das aber nicht.

„Da druckt einer heute Visitenkarten, meldet morgen Gewerbe an und am dritten Tag ist der Detektiv.“ Für Laien sei es kaum möglich, seriöse von unseriösen Anbietern zu unterscheiden. Ein erster Hinweis könnte aber die Mitgliedschaft in den großen ­Berufsverbänden sei.

Paul Malberg ist Detektiv und Jurist. Und das ist kein Zufall.

Paul Malberg ist Detektiv und Jurist. Und das ist kein Zufall.

Und eine vernünftige Beratung. „Meine erste Frage ist immer, was denn Ziel des Kunden ist“, sagt Malberg. Denn nur so könne er „taktisch sehr exakt“ vorgehen. Und dieses Vorgehen beinhalte nicht automatisch eine Form der heimlichen Überwachung mit Observierung und Kameras. „Alles, was heimlich stattfindet, hat immer auch hohe juristische Hürden“, so Malberg. Also bittet der Detektiv die Mitarbeiter gelegentlich auch einfach zum Gespräch. Solche Mitarbeiterinterviews seien „stark im Kommen“, so Malberg. Auch weil sie fürs Image des Auftraggebers besser seien.

Wenn es Außendienstmitarbeiter allerdings nicht ganz so genau mit ihrer Arbeitszeit nehmen, bleibe eine Observation immer noch die erste Wahl, sagt Malberg. Selbst der Einsatz von GPS-Trackern sei möglich – unter engen jursitischen Vorgaben. Gerade in diesen Fällen sei die „Trefferquote“ besonders hoch, so der Detektiv. „Oftmals gab es dann auch schon konkrete Hinweise, zum Beispiel von Kollegen, dann ist da meistens auch was dran.“

Natürlich trifft der Detektiv in seiner täglichen Arbeit auf allerhand interessante Fälle. Malberg berichtet von einer Pharmareferentin, die während der Arbeitszeit eine Freundin besucht. Und zwar eine Woche lang. Und von Parkhausmitarbeitern, die das Kassensystem lahmlegten, um die Gebühren bar zu kassieren. Natürlich in die eigene Tasche.

Wenn er dann solche und andere Übeltäter überführt hat, sagt Malberg, verspüre er weder Genugtuung noch schlechtes Gewissen. „Ich bin der Meinung, wenn man Mist baut, muss man dafür auch gerade stehen.“

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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