Gastro-Tipp: Etwas anders

Ein besonderes Haus für ein besonderes Restaurant.

Lindlar Es gibt ja diese Situationen, da merkt man, dass etwas merkwürdig ist, man weiß aber nicht genau, warum. Dieses Gefühl überkommt uns, kaum dass wir im Justus Platz genommen haben. Das Restaurant im Lindlarer Hotel Artgenossen ist halt, wie auch das Hotel selber, “etwas anders”. Der Raum ist hoch, vielleicht etwas zu hoch. Die Tische stehen luftig, vielleicht etwas zu luftig. Dazu die art-déco-artige Einrichtung in einem alten Fachwerkhaus.

Also beschließen wir, uns davon nicht ablenken zu lassen – was auch so lange klappt, bis die kleine Spülmaschine hinter der Theke loslegt – und uns stattdessen dem Essen zu widmen. Die Karte ist so, wie wir sie mögen: Nicht zu umfangreich, knapp über ein Dutzend Hauptgerichte, nur drei Desserts, dafür aber abwechslungsreich. Vieles kennt man, manches klingt spannend.

Wir nehmen zur Vorspeise einen tollen gebackenen Ziegenkäse, den es in größer auch als Hauptspeise gibt, und eine noch viel tollere Entenbrust mit Feldsalat und Feigen. Das ziemlich saure Dressing mit den süßen Feigen zu dem rosa gebratenen Fleisch entpuppt sich als nahezu perfekte Kombination.

Das Rumpsteak zum Hauptgang ist nett, mehr aber auch nicht. Geschmacklich ist das okay und das Steak ist, wie bestellt, Medium Rare. Dazu gibt es ein 2T Schlök´che, ein Bier, das nur ein paar Meter weiter in Lindlar gebraut wird. Die Tagliarini Tricolore in Curry-Brokkoli-Rahm mit Garnelen sind da schon eine andere Liga. Tolle Nudeln auf den Punkt al dente, eine wirklich leckere Soße, bei der die Aromen nicht konkurrieren, sondern harmonisch verschmelzen, dazu eine Handvoll Garnelen. Für solche Gerichte macht man sich landfein und geht aus, wenn man genauso gut auf der Couch liegen könnte.

Tiramisu, Cheesecake mit Zimtcrumbleboden und ein Espresso runden den Abend ab. Das Ambiente finden wir immer noch merkwürdig und wir wissen immer noch nicht, warum. Aber das Essen war so gut, dass wir wohl noch mal wiederkommen. Vielleicht finden wir es dann heraus.

Justus, Pollerhofstraße 35-37, Lindlar, Di-Sa 17-23 Uhr, 
www.justus-restaurant.de

Sven Schlickowey ist der leitende Redakteur beim Bergischen Boten. Geboren in Wipperfürth und aufgewachsen in Hückeswagen absolvierte er seine Ausbildung beim Remscheider General-Anzeiger, der Westdeutschen Zeitung, der dpa und beim WDR. Sven Schlickowey ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Kindern in Hückeswagen, er ist Fan des VfL Gummersbach, mag gutes Essen, schräge Bücher (z.B. Christopher Moore, Jim Knipfel) und natürlich alles, was mit Star Wars zu tun hat.

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